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DepressionenMuße statt Medikamente

Depressionen sind kein Zufall, sondern die Folge einer konstanten Überforderung der Gesellschaft - so lautet die These des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer. Das liege vor allem am Dogma des ständigen Wachstums und der ständigen Leistungssteigerung in unserer Gesellschaft, sagte Schmidbauer im Dlf. Medikamente seien nicht die Lösung.

Wolfgang Schmidbauer im Gespräch mit Stephanie Rohde | 16.07.2017

Ein Mann sitzt an einem Fenster und schaut raus
Abschalten und sich den hohen Leistungsansprüchen der Gesellschaft entziehen - für Wolfgang Schmidbauer eine bessere Lösung für depressive Menschen als nur Medikamente zu nehmen. (imago/stock&people/Thomas Eisenhuth)
Die Tagesmenge an Antidepressiva, die zwischen 2000 und 2013 verschrieben wurde, hat sich verdreifacht - das zeigt der Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse. Den Grund für häufiger werdende Depressionen sieht der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer nicht bei einer genetischen Veranlagung. In seinem Buch "Raubbau an der Seele. Psychogramm einer überforderten Gesellschaft" stellt er die These auf, Depressionen seien die Folge einer konstanten Überforderung.
Weniger ist mehr
Wir lebten in einer Kultur, in der das Nachdenken und Muße keinen Platz mehr habe, sagte Schmidbauer im Deutschlandfunk. Die Idee, man könnte sich auch mit weniger zufrieden geben, habe in unserer Gesellschaft eine sehr geringe Akzeptanz. Die Folge sei, dass die Menschen ihren Leistungsansprüchen selbst nicht mehr gerecht werden könnten und dadurch auch häufiger an Depressionen erkrankten.
Medikamente könnten das Problem nicht lösen. Stattdessen forderte Schmidbauer die Etablierung von Schonräumen.