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StartseiteAus Religion und GesellschaftGezeichnet und erleuchtet21.04.2021

"Der Apostel Paulus" des Malers El GrecoGezeichnet und erleuchtet

El Greco, auf Kreta geboren und in Toledo gestorben, war Maler, Bildhauer, Architekt. Er gilt als Hauptmeister des spanischen Manierismus und der ausklingenden Renaissance. El Greco malte vor allem Bilder mit religiösen Themen und Porträts - auch eine zentrale Figur des Christentums: Paulus.

Von Astrid Nettling

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Zu sehen ist ein älterer bärtiger Mann mit schmalem Gesicht. Sein Haar weit an der Stirn zurück. Haare. Licht fällt auf das Manteltuch, das in weiten Falten über seine Schulter fließt. Langgezogene Hände kommen aus den Ärmeln seines Gewands. In der einen  (Ministerio de Cultura (Museo del Greco. 45168001))
El Grecos Gemälde "Apostel Paulus" soll zwischen 1610 und 1614 entstanden sein (Ministerio de Cultura (Museo del Greco. 45168001))
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Wie schmal ist sein Gesicht. Blass und schmal. Nur eine kleine, fiebrig rote Stelle zeigt sich auf seiner Wange, während sich in den eingefallenen Wangenhöhlen schwärzliche Schatten sammeln – Schatten, die in einen nachtschwarzen Bart überfließen.

Tief liegen seine Augen in ihren Höhlen. Groß sind sie und dunkel. Er hält sie weit geöffnet, doch sein Blick ist abwesend und scheint in eine unerreichbare Ferne gerichtet.

El Grecos Spätwerk

"Der Apostel Paulus" ist ein Spätwerk des Malers El Greco. Es gehört in die Serie seiner zwölf Apostelporträts, die zwischen 1610 und 1614 – dem Jahr seines Todes – entstanden ist. "Der Apostel Paulus" ist zusammen mit den anderen Porträts im Museo del Greco in Toledo zu sehen, wo der Maler fast vierzig Jahre gelebt hat und wo er 73-jährig stirbt. 

"Wer ist Paulus? Ein Mensch hat sich verloren durch ein Ereignis, das wenige Jahre zurückliegt. Was geschah, traf ihn unvermittelt, gegen die Logik seines Lebens, gegen seine Überzeugungen und seine inneren Kräfte. Was geschah, hatte keinen verständlichen Zusammenhang mit dem, was vorher war und was er und was ihn getrieben hatte."

So beginnt der Dichter und evangelische Theologe Christian Lehnert seinen Essay "Korinthische Brocken" über den Apostel Paulus. Wer also ist dieser Mensch?

Man nimmt an, dass Paulus um das Jahr 10 n.Chr. in Tarsus geboren wurde. Einer Hafenstadt mit einer großen jüdischen Diasporagemeinde in der römischen Provinz Kilikien – der heutigen Südtürkei.

Vom Saulus zum Paulus

Paulus - mit jüdischem Namen Saulus - entstammte einer Familie von Pharisäern. Von Geburt war er römischer Bürger. In seiner Jugend wurde er in Jerusalem gemäß den orthodoxen Lehren der Pharisäer erzogen – einer wichtigen Strömung des antiken Judentums. Er wurde Toralehrer.

Nein, jung ist er längst nicht mehr. Sein an der Stirn bereits zurückweichendes Haar wird am Ansatz schon grau. Auch mischt sich feines Weiß in seinen nachtschwarzen Bart.

Doch nicht das Alter ist es, das ihn gezeichnet hat. Es geschah auf seiner Reise nach Damaskus. Der gesetzesstrenge Jude ist mit einem Auftrag des Jerusalemer Hohenpriesters unterwegs. Christliche Quellen berichten, er habe die jungen christlichen Gemeinden fanatisch verfolgt. Saulus soll in den Synagogen der Stadt nach Anhängern Jesu suchen und sie in Jerusalem vors Gericht bringen.

"Schon war er bis in die Nähe von Damaskus gelangt, da umstrahlte ihn plötzlich ein Licht aus dem Himmel. Er fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die ihm zurief: "Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" Er fragte: "Wer bist du, Herr?" Dieser antwortete: "Ich bin Jesus, den du verfolgst. Doch steh auf und geh in die Stadt; dort wird man dir sagen, was du tun sollst.""

So erzählt es Lukas in seiner "Apostelgeschichte". Als Paulus aufstand, war er blind. Nach drei Tagen, schildert Lukas weiter, erlangte Paulus sein Augenlicht wieder und ließ sich taufen.

Völlige Dunkelheit umgibt diesen bärtigen Mann auch hier. Dicht ist sie, diese Schwärze, von nahezu pastosem Anstrich, als wollte sie auf ihn und seine leibliche Gestalt übergreifen. Während alles Licht von dem hellroten Manteltuch auszugehen scheint, das wie ein leuchtender Strom göttlicher Kraft in weiten Falten über seine linke Schulter fließt. Noch immer scheint sein Blick vom Glanz jenes Lichts überwältigt. Als hätte es sich damals durch seine Augäpfel hindurchgefressen und für immer in ihn eingebrannt. Wie anders ist seither sein Blick, dunkel und drängend, wie anders er selbst, bedrängt und gedrängt von einer einzigen Gewissheit. 

Zweiter Korintherbrief: "Wenn einer in Christus ist, so ist er ein neues Geschöpf. Das Alte ist vergangen; siehe, Neues ist geworden."

Bildnummer: 51356065 Datum: 10.04.2006 Copyright: imago/Carola Koserowsky Büste von El Greco vor dessen Geburtshaus in Fodele auf Kreta - Griechenland, Objekte; 2006, Fodele, Kreta, Maler, Skulptur, Plastik, Künstler; , quer, Kbdig, Einzelbild, Griechenland, , Reisen, Europa; Aufnahmedatum geschätzt (imago stock&people)Büste von El Greco vor dessen Geburtshaus in Fodele auf Kreta (imago stock&people)

Der Maler El Greco – auf Deutsch "der Grieche" – kommt 1541 als Domínikos Theotokópoulos auf der Insel Kreta zur Welt. Dort wird er zum Ikonenmaler ausgebildet und wird ein Meister seines Fachs. Unbekannt ist, ob er dem griechisch-orthodoxen oder römisch-katholischen Glauben angehört hat. 

Mit 26 Jahren zieht es ihn nach Venedig, wo er mit der Kunst der Hochrenaissance, vor allem mit Tizian, in Berührung kommt. Nach vergeblichen Versuchen, in Rom Fuß zu fassen, gelangt er um 1575 nach Spanien und lässt sich in Toledo nieder.

Von der Renaissance zur sakralen Kunst

In seinen späten Jahren vollzieht sich in seiner Malerei ein radikaler Wandel. Sein Blick ändert sich. Greco kehrt sich ab von der Kunst der Renaissance – weg von der künstlerischen Meisterung des Sichtbaren. Erneut schöpft er aus der sakralen Kunst seiner Anfänge auf Kreta, fühlt sich im Malen einzig der eigenen geistigen Schau – seiner "visio" – und deren bildnerischem Ausdruck verpflichtet.

Alles scheint auf dem Bild seine Form und Festigkeit verloren zu haben. Als fieberte die leibliche Gestalt des Apostels ihrer Auflösung entgegen. Wie ausgezehrt ist sein schmales Gesicht. Seltsam langgezogen, fast knochenlos wachsen seine Hände aus den Ärmeln seines blauen Gewands. Als strebte ihr Fleisch dahin, wo sein Blick und sein Geist längst schon weilen.

"Allzeit tragen wir das Sterben Jesu an unserem Leibe umher. Wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so erneuert sich doch unser innerer von Tag zu Tag. Denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare dagegen ewig."

Lautet es im zweiten Korintherbrief des Paulus. Bei Martin Luther wird es heißen: "Glauben ist das Sichgefangengeben in den Sachen, die wir nicht sehen."

Paulus von Tarsus gehörte derselben Generation an wie Jesus von Nazareth. Anders als die Jünger und späteren Apostel, die "Christus dem Fleische nach gekannt haben", wie es bei Paulus heißt, ist er ihm zu Lebzeiten nicht begegnet. Um das Jahr 30 fand die Kreuzigung Jesu statt, im Jahr 33 oder 34 das Damaskus-Erlebnis des Paulus.

In seinem Brief an die Galater erklärt Paulus: "Ich gebe euch die Versicherung, meine Brüder: Die von mir verkündete Heilsbotschaft ist nicht nach Menschenart. Denn ich habe sie nicht von einem Menschen empfangen oder bin darin unterwiesen worden, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi."

Und es ist diese Offenbarung des Auferstandenen, diese Vision des Paulus, die durch sein Leben und durch seine Lehre geschichtsmächtig werden soll. Der Philosoph Karl Jaspers unterstreicht:

"Das ist der Schritt von der Religion des Menschen Jesus, als einer der Gestalten jüdischer Religion, zur christlichen Religion. Diese gab es nicht, als Jesus lebte. Der Christusglaube ist nicht durch Jesus gestiftet. Er entstand nach seinem Tode."

Paulus wird Missionar

Mehr als ein Jahrzehnt nach seiner Bekehrung beginnt Paulus zu reisen. Er unternimmt als Wandermissionar ausgedehnte Missionsreisen vor allem nach Griechenland und in die heutige Türkei, um das "Evangelium Jesu Christi" so weit wie möglich unter den Nichtjuden – den Heiden – zu verbreiten.

Unterwegs sendet Paulus Briefe an seine frisch gegründeten Gemeinden – dreizehn Briefe enthält das Neue Testament.

Überdeutlich haben seine Reisen an diesem Mann gezehrt – im Fleisch wie im Geist. Seine schmächtige Gestalt scheint ein wenig nach vorne geneigt, als habe sie gelernt, beharrlichem Gegenwind standzuhalten. Wie alt mag er inzwischen sein? Wie viele Worte hat er schon verloren, wie viele Briefe schon diktiert?

Im Titusbrief heißt es: "An Titus, den ersten gewählten Bischof der Kirche von Kreta." So ist es auc in griechischer Schrift auf dem gefalteten Papyrus zu lesen, den der Apostel in seiner knochenlos schmalen Hand hält. "Ekklēsia" steht auf dem Brief, der an seinen Schüler Titus gerichtet ist. Griechisch war nicht nur die Muttersprache El Grecos, griechisch war in der Spätantike auch Verkehrssprache im ganzen damaligen Mittelmeerraum. "Ekklēsia" bedeutet ursprünglich Versammlung, Volksversammlung, Versammlungsplatz oder -ort.

Bildausschnitt: „An Titus, den ersten gewählten Bischof der Kirche von Kreta.“ Ist in griechischer Schrift auf dem gefalteten Papyrus zu lesen, den Paulus in der linken Hand hält. (Ministerio de Cultura (Museo del Greco. 45168001))„An Titus, den ersten gewählten Bischof der Kirche von Kreta.“ Ist in griechischer Schrift auf dem gefalteten Papyrus zu lesen. (Ministerio de Cultura (Museo del Greco. 45168001))

Nicht bloß in seinem späten Titusbrief, dessen Echtheit umstritten ist, bereits in seinen ersten Briefen verwendet Paulus dieses Wort – "ekklēsia". Doch so etwas wie eine "Kirche" gab es längst noch nicht.

"Paulus sagt ekklēsia – das Wort klingt, als würde es am liebsten für sich bleiben wollen – nur jetzt, nur für diesen Moment sind die, "die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen", eine ekklēsia, und was das über die Zeit hinweg sein soll, ist so unklar wie das, was ein Apostel über die Zeit sei."

Sinnt der Dichter und Theologe Christian Lehnert in seinem Essay "Korinthische Brocken". Und weiter schreibt er zum Wort "ekklēsia" in den Paulusbriefen:

"Die innere Kraft der ekklēsia, ihren Sinn, bildet das Christusereignis, der ganz unvorstellbare Ruf, der Menschen heraustrennt aus ihren Schicksalsfäden, aus jeder denkbaren Form von Integration."

Er weiß es nicht – etwas hatte sich damals wie ein greller Blitz in ihn eingebrannt. Davon spricht sein Blick. Dunkel und brennend. Ernst und verschlossen dagegen wirkt sein Mund. Als wollte er seine Worte hinter der Nachtschwärze seines Bartes zurückhalten.

"Während die Juden Zeichen fordern und die Griechen Weisheit suchen, predigen wir Christus, den Gekreuzigten." So hatte es Paulus in seinem ersten Korintherbrief geschrieben. Und weiter heißt es darin: 

"Ich bin, als ich zu euch kam, Brüder, nicht gekommen, um euch mit überwältigender Beredsamkeit oder Weisheit das Zeugnis Gottes zu verkünden. Ich war bei euch in Schwachheit, Furcht und großem Zittern."

In der bildenden Kunst des Abendlandes trifft man auf viele Darstellungen des Apostels. Wie aber mag dieser Mann aus Tarsus tatsächlich ausgesehen haben? In seiner Apostelgeschichte gibt Lukas darüber keine Auskunft. In den sog. "Paulusakten", einer apokryphen Schrift, die lange nach Paulus' Tod entstanden ist, findet sich jedoch ein kurzes, schlichtes Porträt von ihm:

"Er sah Paulus kommen – einen Mann klein von Gestalt, mit kahlem Kopf, einer großen Nase und in der Mitte zusammengewachsenen Augenbrauen, von würdiger Haltung und voller Freundlichkeit."

Mit seiner Darstellung des Paulus wie auch mit seinen anderen Apostelporträts schließt sich ein Kreis im Lebenswerk El Grecos: Angefangen mit der Ikonenmalerei seiner griechischen Herkunft, über die Renaissancekunst Italiens bis zu seiner künstlerischen Vollendung in Spanien. Dem Land, wo die Mystik einer Theresa von Avila, eines Johannes vom Kreuz lebendig geblieben war.

Mit Blick auf diese Porträts hebt der Kunsthistoriker José Gudiol hervor: "Sie bilden den Höhepunkt des Schaffens von El Greco. Sie boten dem Maler die Möglichkeit, das einzufangen, was wir als die heilige Eloquenz der Gesichter und Hände dieser Männer bezeichnen könnten, die in aller Welt den Glauben an Christus verbreiteten."

Rilke: "... dass Greco zu den größten Ereignissen meiner letzen Jahre gehört"

1912 unternimmt der Dichter Rainer Maria Rilke eine Reise nach Spanien. Er ist unterwegs nach Toledo, unterwegs zu den Bildern El Grecos. Vor seiner Reise hatte er in einem Brief an einen Freund erklärt:

"Ich gedenke, mich in Toledo niederzulassen und dort zu wohnen. Sie wissen, dass Greco zu den größten Ereignissen meiner letzten zwei oder drei Jahre gehört; das Bedürfnis, sich gewissenhafter mit ihm einzulassen, sieht beinah wie eine Berufung aus."

Gleich einem Blitz waren dessen Bilder bei Rilke eingeschlagen – die späten Werke des Malers mit ihrer visionären Kraft. Sein "Laokoon", seine "Ansicht von Toledo". In Toledo selbst lernt Rilke weitere Werke von ihm kennen – vermutlich auch die Apostelporträts.

Rainer Maria Rilke schaut nachdenklich zu Boden (United Archives/imago)Rainer Maria Rilke (United Archives/imago)

In Toledo, der Stadt El Grecos mit ihren Kirchen, Kapellen und Klöstern, ist es auch, wo Rilke "einen unbeschreiblichen Wunsch, Gott zu fühlen", verspürt, wie er in einem Brief schreibt. Jahre später findet der Dichter dafür die Worte:

"Man muss Gott irgendwo finden, ihn erfahren, als so unendlich, so überaus, so ungeheuer vorhanden –, dann sei's Furcht, sei's Staunen, sei's Atemlosigkeit, sei's am Ende – Liebe, was man dann zu ihm fasst, darauf kommt es kaum noch an. Aber der Glaube, dieser Zwang zu Gott, hat keinen Platz, wo einer mit der Entdeckung Gottes begonnen hat, in der es dann kein Aufhören mehr gibt, mag man an welcher Stelle immer begonnen haben."

Auch dieser Paulus weiß von keiner Ruhe mehr seit jenem Tag – seit jenes Licht ihn herausgerissen hat aus seiner alten Glaubenssicherheit. Gleich einem blendend scharfen Schnitt – so blendend scharf wie das Licht auf dem Tuch über seiner Schulter, das die tiefe Dunkelheit um ihn zu durchschneiden scheint. 

"Die Stunde ist jetzt da, vom Schlafe aufzuwachen. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht. Lasst uns die Werke der Finsternis ablegen und anlegen die Waffen des Lichts," heißt es in seinem Brief an die Römer.

"Theologie des Paulus"

Das Leben des Paulus bleibt ruhelos. Es sind die Jahre des gesprochenen und des geschriebenen Wortes, in denen sich so etwas wie eine "Theologie des Paulus" herausbildet, wie es später heißen wird.

Als Resonanz und Antwort auf jenes Ereignis – als ein Nachhall, der stets bedroht ist von der Gefahr, in Schrift und Lehre zu erstarren. In seinem Paulus-Essay "Korinthische Brocken" hält der Dichter und Theologe Christian Lehnert fest:

"Das Christusereignis verfestigt sich in den Sätzen des Paulus, indem unterschwellig die dauernde Fraglichkeit der Sätze mitklingt, eine Sprache, die wie ein Fell über ein tiefes Schweigen gespannt ist. Es bebt, es vibriert, und den Ton trägt, wie bei einer Trommel, die Leere. Eine Schwingung, Schwebe – treu gegenüber dem Ereignis ist, wer diesen prekären Zustand aufrechterhält."

Über den Tod des Paulus findet sich in der Apostelgeschichte nichts. Wohl aber berichten die "Paulusakten" darüber. Dort wird erzählt, Paulus sei in Rom unter Kaiser Nero durch das Schwert hingerichtet worden. Möglicherweise fand er während der Christenverfolgung im Jahr 64 den Tod.

Das Schwert jedenfalls wird zum festen Bestandteil der Ikonographie aller Paulusdarstellungen. Auch im Porträt des Paulus von El Greco fehlt es nicht.

Wie filigran wirkt es jedoch – dieses Schwert mit seiner langen, schmalen Klinge. Federleicht fast. Kaum scheint seine rechte Hand sein Gewicht zu spüren. Als spielte seine physische Schwere, seine tödliche Schärfe überhaupt keine Rolle. Als schwebte stattdessen ein Kreuz in der Hand des Paulus. Ein kaum sichtbarer, roter Fleck zeigt sich auf seinem dunklen Metall – kein Blut, ein schwacher Widerschein vielmehr des hellrot strömenden Lichts, dessen leuchtende Kraft alle Gewalt überstrahlt.

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