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StartseiteAus Religion und GesellschaftWenn Gott wie mein Handy funktionieren würde, würde ich öfter beten02.10.2019

Die Religion der MillenialsWenn Gott wie mein Handy funktionieren würde, würde ich öfter beten

Sie sind zwischen Anfang 20 und Mitte 30, aufgewachsen mit Internet und Smartphone. Der Glaube an Gott spielt für diese Altersgruppe keine große Rolle, der Glaube an die eigenen Kräfte ist wichtiger. Aber eine Sehnsucht sitzt tief: endlich ankommen.

Von Matthias Alexander Schmidt

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Eine Frau liegt im Bett und blickt auf ihr Mobiltelefon. Die Kommunikation über eine App soll in Zukunft bei Depressionen Lösungsansätze bieten. (imago/ PhotoAlto/ Frédéric Cirou)
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Nie zur Ruhe kommen, ständig online sein, abgelenkt, dauer-gestresst – so geht es vielen jungen Erwachsenen heute. Ich bin 33 und diese Sendung handelt von Grundgefühlen und Sehnsüchten meiner Altersgruppe, Anfang 20 bis Mitte 30. "Millennials" werden wir genannt – Jahrtausender. Geboren zwischen den frühen 80er- und den späten 90er-Jahren. Ein Leben ohne Internet und Smartphone ist für uns nicht vorstellbar, das Digitale unsere Lebenswelt: Google, Facebook und Instagram, WhatsApp, Amazon und Netflix.

Wir sind die Generation Ypsilon, Generation Y – Why wie englisch "Warum". Wir müssen alles hinterfragen: Macht mich dieser Job wirklich zufrieden? Macht mich diese Beziehung glücklich? Wir sind gut ausgebildet, haben studiert, unendliche viele Möglichkeiten bieten sich uns. Meine Eltern haben gesagt: "Studier, was Dir Freude macht, dann kannst Du alles machen". Aber wie finde ich dann das Richtige für mich? Was gibt meinem Leben Sinn?

Viele der Vorstellungen und Lebensentwürfe unserer Eltern und Großeltern überzeugen uns nicht mehr. Wie die älteren Generationen arbeiten, leben, lieben, konsumieren, wie sie uns vorleben, wie die Welt zu sein hat – so geht es für uns nicht weiter. Wir sind die Generation Smartphone: die ganze Welt ständig in der Hosentasche oder auf dem Nachttisch, dauernd online, eine noch immer unterschätzte Herausforderung:

Gefühle auf Knopfdruck

"Mein Handy ist da, wenn ich mich vor dem Alleinsein fürchte, wenn ich unruhig oder traurig bin, gelangweilt oder frustriert. Es sorgt für Ablenkung von meinen Gefühlen. Nur bei meinem Handy habe ich eine hundertprozentige Erfolgschance, dass der gewünschte Zustand sofort eintritt. Ich gehe einfach ins Internet und suche mir aus, welches Gefühl ich gerade hervorrufen möchte", schreibt Sophia Fritz, 22 Jahre alt, in ihrem Buch "Gott hat mir nie das Du angeboten".

Mit dem Smartphone geht zu jeder Tages- und Nachtzeit alles: Arbeiten, Karriere machen, mich selbst optimieren. Kommunikation, Unterhaltung und Konsum bis hin zu sexueller Befriedigung. Ohne das Haus zu verlassen, nicht einmal das Bett. 2018 befragte das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche die Jahrgänge 1991 bis 1999 zu ihren Lebens- und Glaubenswelten. Auffälligstes Ergebnis der Satz: "Jeder ist seines Glückes Schmied."

Fast 90 Prozent sagten, ihr Leben drehe sich nur um sie selbst. Und nur knapp ein Viertel der jungen Leute bekannte sich zum Glauben an Gott. Eine Teilnehmerin sagte:

"Ich kann nicht an Gott glauben, denn wenn ich recht überlege, bin ich ja selbst Gott. Ich bin für alles verantwortlich, was in meinem Leben passiert. Etwas anderes gibt es nicht."

Mein Internet ist schneller als Gott

Und die Autorin Sophia Fritz schreibt:

"Wenn Gott wie mein Handy funktionieren würde, würde ich öfter beten. Aber mit Gott ist es komplizierter. Gott gibt mir keine Ablenkung. Mein Internet ist schneller als Gott."

Der Befund scheint eindeutig: Junge Erwachsene brauchen Gott nicht. Sie machen alles selbst, im Internet. Religion ist überflüssig. Es verwundert nicht, dass man unsere Altersgruppe sonntags nicht in den Kirchen antrifft. Die Gemeinden sind dominiert von den engen Vorstellungen der bürgerlichen Mitte. Haben Millennials tatsächlich gar keine religiösen Bedürfnisse? Oder fehlen vor allem die passenden Angebote?

"Zwischen Firmung und dann junge Eltern, die dann mit Kindern was machen oder so – dazwischen ist irgendwie 'ne Lücke. Wenn man dann zu arbeiten anfängt oder zu studieren anfängt, ist es schwierig. Wenn man dann noch studiert, dann gibt’s natürlich an der Uni Angebote, aber da ist dieser Übergang, da gibt’s dann irgendwie überhaupt nichts mehr. Da ist dann ein Loch", sagt Miriam Mair.

Nach der Schule hat sie ein soziales Jahr in Brasilien absolviert und ein Bachelorstudium mit drei Fächern abgeschlossen. Beruflich ist sie in der kirchlichen Jugendarbeit tätig, in ihrer Heimat Oberösterreich. Nebenbei hat sie gerade noch ein berufsbegleitendes Masterstudium begonnen – in Passau. Alles mit noch nicht einmal 24 Jahren. Trotzdem sagt sie:

"Wenn man es irgendwie so rein rational betrachtet, könnte ich jetzt schon mit meinem Master fertig sein, wenn ich nicht so viel irgendwie noch anderes gemacht hätte."

Miriam hat zwei Handys, mit drei Nummern: privat für Deutschland, privat und dienstlich für Österreich. Ihr Alltag sei davon bestimmt, "dass ich viel auf mein Handy schaue und dann kommen viele Nachrichten und so. Das ist gleich immer sofort präsent. Aber ich hab‘ dann oft nicht die Energie oder die Zeit, da zu antworten. Und dann ist es halt irgendwie dauernd so, das im Hinterkopf und ich kann nie wirklich abschalten, dass ich mich dann irgendwie auf die Sachen konzentrieren kann."

Bevor ich anfange mit Gott zu reden, muss ich erst selbst zur Ruhe kommen, schreibt Sophia Fritz.

"Ich möchte wieder nicht erreichbar sein. Ich möchte wieder Zeit für Langsamkeit haben. Was mir fehlt: Die Fähigkeit, einmal wirklich nicht kommunizieren zu können."

In meinem Leben gibt es keine siebten Tage

Sophia Fritz illustriert das Phänomen mit dem biblischen Schöpfungsbericht:

"Gottes Erschöpfung am siebten Tag hat eine Unanfechtbarkeit, die ich mir selbst abspreche. Ich habe keine Entschuldigung dafür, nach sechs Tagen erschöpft zu sein. Gott durfte nach sechs Tagen erschöpft sein, aber da gab es ja noch keine Meditations-Apps, keine Abgabefristen, kein Koffein, keine Yoga-Kurse, keinen Skiurlaub und keinen Zeitdruck. In meinem Leben gibt es keine siebten Tage. Gott schenkt uns einen Tag der Ruhe, aber ich könnte auch aufarbeiten, was die ganze Woche liegen geblieben ist", schreibt die 22-Jährige.

Nicht selten kommen wir körperlich und seelisch an unsere Grenzen. Inzwischen geistert schon das Wort vom "Millennial-Burnout" durch die Medien. Die Lebensphase zwischen dem Schulabschluss und dem Auszug aus dem Elternhaus, dem Berufsbeginn, einem Leben in fester Partnerschaft, einer möglichen Familiengründung, gar einem Hauskauf werde immer länger, beobachtet die evangelische Pfarrerin Hanna Jacobs. Diese Zeit sei für junge Menschen von Umbrüchen geprägt, sagt die 31-Jährige:

"Partnerschaft, Wohnortwechsel, oft sind Stellen ja irgendwie auch ein, zwei, drei Jahre befristet und man sucht sich wieder was Neues. Es passiert irgendwie ganz viel. Und ich glaube, da ist wichtig, Begleitung zu haben und irgendwie einen Ort auch, wo man sein kann, ohne eben diesem Schnellen und diesem Was-Leisten-Müssen ausgesetzt zu sein. Spirituell lässt sich das übersetzen in ein Bedürfnis nach Ruhe, nach zu sich selber finden, ankommen und un-verzweckter Gemeinschaft."

Der Buddhismus lockt mit Ruhe und Stille

Für diese Bedürfnisse junger Menschen müssten die Kirchen ihre Kompetenzen wiederentdecken, diese gewissermaßen ins heute übersetzen und sie auch sichtbar machen, sagt die 31-jährige Pfarrerin. Viele Leute in ihrem Alter assoziierten Ruhe und Stille vor allem mit Buddhismus, suchten in esoterischen oder anderen religiösen Formen danach:

"Weil sie gar nicht wissen, dass wir als Kirche das auch können und wenn man so ‘nen normalen Sonntagsgottesdienst erlebt, kriegt man auch tatsächlich gar nicht so viel mit von, was so Stille, Meditation, zu sich finden, bedeutet. Deswegen müssen wir diesen Schatz erstmal wieder heben, den wir haben und zeigen: Das gibt’s bei uns auch!"

Hanna Jacobs leitet als Pfarrerin eine neue Form von Kirche, das "raumschiff.ruhr", einen Raum für Gemeinschaft, Schönheit, Glauben für junge Erwachsene bis 40. Angesiedelt ist dieser Raum im Schiff einer Kirche, der Marktkirche in der Innenstadt von Essen, so setze sich der Name "raumschiff" zusammen. Unter dem Kirchenraum gibt es ein gemütliches Wohnzimmer und eine Küche. Einen traditionellen evangelischen Sonntagsgottesdienst gebe es nicht, diese Form setze einen zu einseitigen Schwerpunkt auf die Predigt, spreche vor allem Kopf und Verstand an, sagt Hanna Jacobs:

"Das ist ja auch total eins mit dem biblischen Menschenbild, dass wir eben nicht nur aus Denken, sondern auch aus Fühlen, aus Herz und Seele bestehen. Da gibt’s andere Schlüssel, um das irgendwie anzusprechen. Für manchen ist es eben Musik, immer schon, das hat ja auch was Meditatives, was Öffnendes."

"Orbit" im "raumschiff"

Daher finden sogenannte "Glanzpunkte" zu bestimmten kirchlichen Festen im Kirchenjahr statt und eine regelmäßige Abend-Andacht: "Orbit" – mit ästhetischen und sinnlichen Elementen, Instrumentalmusik und Kerzen, einer Weihrauchschale zu den Fürbitten. Von außen fällt Licht durch die blauen Glasfenster in den Kirchenraum, lässt eine besinnliche, sphärische Wirkung entstehen. Nach der Andacht wird oft gemeinsam gegessen. Junge Menschen sollen selbst gemeinsam gestalten dürfen, sagt Hanna Jacobs. Zum Beispiel fänden auch Achtsamkeits- oder Yoga-Übungen statt, und zwar dann, wenn Teilnehmende selbst diese anböten. "raumschiff ruhr" ist von der aus der anglikanischen Kirche stammenden Bewegung "fresh X – fresh expressions of church" inspiriert, die nach neuen Ausdrucksformen für Kirche sucht:

"Was möchte Gott für diesen Kontext mit diesen Menschen und was brauchen die? Und nicht immer zu denken, wir wissen eigentlich schon, was Leute brauchen und wir geben denen das und sich dann wundern, warum Leute nicht zu den Angeboten kommen. Auch so wie Jesus gehandelt hat: zu Menschen gegangen ist und gesagt hat: Was willst Du, dass ich Dir tue, was brauchst Du? Und dann daraufhin reagiert hat und nicht mit der Gießkanne allen das gleiche verordnet hat."

So sei etwa die Idee entstanden, einen Coworking-Space anzubieten, also die Möglichkeit, die hellen Räume und Tische im raumschiff ruhr zur Verfügung zu stellen, damit junge Leute bei WLAN und Kaffee gemeinsam ihre Uni-Arbeiten schreiben oder an freiberuflichen Projekten arbeiten können – statt alleine zuhause im Home-Office. Damit sei ausdrücklich kein geistliches Angebot verbunden, jedenfalls nicht mehr:

"Vorher haben wir so ‘ne 5-Minuten-Morgen-Meditation, haben wir gesagt: wer das machen will, kann da irgendwie hinkommen. Dann haben wir das ausprobiert. Dann haben wir gemerkt. Da kommt irgendwie keiner, die Leute wollen irgendwie nur zum Arbeiten kommen. Dann ist das auch okay."

"Ich möchte die Leute nicht überfallen"

Für Hanna Jacobs ist das raumschiff ihre erste Pfarrstelle. Sie und ihre Kollegin, die Sozialpädagogin Kirsten Graubner, bezeichnen sich als Pionierinnen, wollen experimentieren, Dinge ausprobieren. Sie gehören selbst zu der jungen Altersgruppe, die sie ansprechen wollen, kennen die Bedürfnisse und Fragen ihrer Generation besser als die meisten Pfarrer in traditionellen Ortsgemeinden.

"Das prägt unsere Haltung, dass wir sagen: Wir machen Sachen und wenn die dann irgendwie Leuten nicht gefallen, es keinen Anklang findet, wenn das irgendwann nicht stimmig ist, dann lassen wir es auch wieder. Das ist ein großer Unterschied zur Arbeit in der traditionellen Ortsgemeinde, wo Dinge angefangen werden müssen und dann immer, immer weitergehen."

Auch ihre nicht ausdrücklich kirchlichen Angebote fänden in den Räumen der Marktkirche statt, erklärt Hanna Jacobs, so sei zwar für alle klar, dass es sich beim raumschiff ruhr um ein kirchliches Projekt handle, "aber ich möchte Leute nicht überfallen, damit dass sie kommen und denken: Naja, eigentlich komme ich, um da an meiner Hausarbeit zu schreiben und einen Kaffee zu trinken und oh, da fühle ich mich aber unwohl, weil da jemand plötzlich die Bibel auspackt und beten will. Das finde ich übergriffig, wenn Menschen das nicht erwarten. Warum machen wir das? Aus Zwang, damit man es gemacht hat oder denken wir, das bewirkt wirklich was, wenn man sie sie so überfällt mit ‘nem Bibelvers, obwohl es ihnen gar nicht darum geht? Da finde ich es sinnvoller, darauf zu vertrauen, dass es ein guter Ort ist, dass es ihnen guttut. Und wenn sie an anderer Stelle was anderes suchen, wissen sie, dass es das bei uns auch gibt."

Anderssein erlaubt?

Darf meine Generation das Leben anders verstehen als die Älteren? Dürfen wir andere Bedürfnisse haben, neue, exklusive Räume und Formate für unsere Altersgruppe gestalten? Müssten wir uns nicht zusammenreißen, endlich "richtig" erwachsen werden, uns an die alten Modelle von Arbeit, Freizeit und Lebensglück anpassen? Oder aufstehen, für Veränderungen kämpfen: Flexiblere Arbeitsmodelle, bessere Gehälter flachere Hierarchien in Kirche und Gesellschaft? Aber was bringt der Marsch durch die Institutionen? Die 68er haben uns die Welt ja so hinterlassen wie sie jetzt ist. Bevor wir erfolglos und kraftraubend gegen die Widerstände der Älteren anrennen, arbeiten wir eher an uns selbst, um mit den Gegebenheiten klarzukommen, mit unserer Reizüberflutung und unserer Erschöpfung.

Vom Coworking-Space des Raumschiffs in Marktkirche der geschäftigen Essener Innenstadt mitten ins grüne Nirgendwo des Frankenwalds nahe der Stadt Kronach. Hier bietet der Jesuiten-Orden seit 35 Jahren "kontemplative Exerzitien" an, meditativ geistliche Übungen im Schweigen. Bis vor Kurzem bildeten jüngere Leute die Ausnahme in den Kursen, berichtet Annette Clara Unkelhäußer, Mitglied der Hausleitung: Die Teilnehmenden waren 45 bis 60 Jahre und älter:

"Wir hatten vor einigen Jahren in einem Kurs einen jungen Erwachsenen, also zwischen 20 und 30, der am Ende des Kurses in der Abschlussrunde sagte, er hätte sich überlegt, ob er hier eigentlich falsch ist. Warum sind hier eigentlich keine anderen jungen Erwachsenen? Läuft bei mir da was falsch? Setze ich die falschen Themen? Ist in meiner Lebensphase eigentlich Familienplanung und Karriereplanung dran oder stimmt was mit mir nicht?"

Zusammen mit dem Jesuitenpater Joachim Hartmann leitet Annette Clara Unkelhäußer das Exerzitienhaus Gries. Die Fragen des jungen Mannes brachten die beiden zum Nachdenken. Schließlich boten sie erstmals einen Kurs nur für junge Erwachsene an. Fünf Tage durchgängiges Schweigen, kein Handy, nichts lesen, möglichst wenig Ablenkung. Spaziergänge in der Natur, um die Sinne zu öffnen und die Wahrnehmung zu schulen. Und Kontemplations-Übungen in einer meditativ gestalteten Kapelle. Außerdem ein tägliches Einzelgespräch mit einer Begleiterin oder einem Begleiter. Der Jesuit Joachim Hartmann nimmt in der Begleitung der jungen Erwachsenen eine bestimmte Sehnsucht wahr:

"Wir sind ‘ne eigene Generation, wir sind auch ‘ne Gruppe, wir sind ‘ne Größe. Wir sind nicht verloren, sozusagen, und ausgesetzt anderen Altersgruppen, die uns dominieren. Wir sind die Leute, die die Zukunft gestalten, wir haben eigene Fragen und wir brauchen einen eigenen Raum dafür, um uns dessen zu vergewissern, wer wir sind, was wir wollen, was wichtig ist für uns in unserem Leben."

Zweckfrei vor Gott

Miriam Mair, die 24-Jährige Österreicherin mit ihren drei Handys hat schon mehrmals an den kontemplativen Exerzitien teilgenommen:

"Ich habe gemerkt, so, ich brauch das jetzt, dass ich halt da vollkommen abschalten kann, also vor allem mal die Handys abschalten kann, niemandem antworten muss und dann irgendwie mir Zeit für mich selbst nehmen kann und auch für meine Beziehung zu Gott, weil das irgendwie so im Alltag immer hintenansteht."

Junge Erwachsene wollten mehr vom Leben als bloß leistungsorientiert, eng getaktet zu funktionieren und beste Ergebnisse bringen zu müssen, beobachtet Annette Clara Unkelhäußer:

"Mal zu spüren, wie es sich anfühlt, einen Raum zu haben, wo ich einfach sein darf, so wie es jetzt ist, unabhängig von Ergebnissen, und dass ich in diesem Raum der Freiheit und Stille mich manchmal ganz neu entdecke und spüre, wer ich im tiefsten eigentlich bin oder wer ich sein will, was mich ausmacht, was mir zusetzt."

Es gehe darum, in der Stille absichtslos oder zweckfrei vor Gott zu sein, im sogenannten "Jesus-Gebet", mit dem die christliche Meditation einen Schwerpunkt auf Beziehung lege.

Achim, 25 Jahre alt, arbeitet bei einer Unternehmensberatung in Berlin. Er hat die Exerzitien dieses Jahr zum ersten Mal ausprobiert. Es habe ihn gereizt, einmal für ein paar Tage alle äußeren Einflüsse auszuschalten und nicht zu kommunizieren. Durch das Schweigen habe er seine Sinne viel stärker genutzt als sonst. Die Meditationen in der Kapelle und die Wahrnehmungsspaziergänge in der Natur seien für ihn sehr wertvoll gewesen, "weil es letztendlich der Versuch ist, Gott über Natur wahrzunehmen, über das, was in mir ist. Und ich glaube, das ist ein sehr universaler Weg. Ich hatte einmal so ‘nen Moment, wo ich zur Meditation gegangen bin. Und eigentlich macht man ja nichts. Also man sitzt einfach da, zwei Stunden. Und ich hab‘ gemerkt, wie ich mich total darauf freue, mich da jetzt hinzusetzen."

Junge Erwachsene, Millennials oder Generation Y. Egal, wie man uns nennen will. Gott interessiert viele von uns nicht. Aber diejenigen, die sich für ihn interessieren, wünschen sich gerade nicht, dass er wie ein Smartphone funktioniert. Religion heißt für uns: zur Ruhe kommen.

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