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StartseiteSport am WochenendeUmfrage zeigt große Bereitschaft zur Manipulation04.08.2018

Doping im SchwimmenUmfrage zeigt große Bereitschaft zur Manipulation

Wenn die Schwimmer bei ihren Europameisterschaften in Glasgow antreten, bestehen Zweifel, ob es dabei ehrlich zugeht. Denn viele Starter haben zuvor keine Dopingkontrollen absolviert. Eine Athletenbefragung zeigt zudem: Die Bereitschaft zum Doping unter den Athleten ist da.

Von Hajo Seppelt und Andrea Schültke

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Schwimmer beim Start (imago sportfotodienst)
Geht im Schwimmsport alles mit rechten Dingen zu? (imago sportfotodienst)
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Wie hältst Du es mit dem Doping? Das wollten die Wissenschaftler herausfinden - durch eine anonyme Befragung von 94 slowenischen Schwimmerinnen und Schwimmern. Der slowenische Verband hatte die Untersuchung angestoßen. Die Ergebnisse sind bedenklich, erläutert einer der beteiligten Forscher, der Sportwissenschaftler Damir Sekulic: "Die meisten Schwimmer waren in unserer Befragung überzeugt, dass es ein erhebliches Dopingproblem im Schwimmen gibt."

Knapp die Hälfte hält Doping im Schwimmsport demnach für üblich. Die meisten der befragten Athleten gaben an, sie würden nie zu Dopingmitteln greifen. Gebe es allerdings keine gesundheitlichen Risiken, war etwa jeder zehnte Athlet bereit, es doch zu tun. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Schwimmer mit hoher Ausdauerbelastung im Training stehen dem Doping offener gegenüber als andere.

Mikrodoping und zu lasche Tests?

Dopingbetrüger im Schwimmen müssen zudem nicht befürchten, erwischt zu werden. Offenbar arbeiten sie zum Beispiel mit ganz geringen Dosierungen, mit Mikrodoping, berichtet die isländische Schwimmerin Hrafnhildur Luthersdottir, Medaillengewinnerin bei der letzten EM: "Mikrodoping ist ein großes Problem. Es gibt bestimmte Grenzwerte, unter denen Verstöße nicht erfasst werden und diese Grenzen werden bis ans Äußerste ausgereizt. Wenn es zum Beispiel 1,0 ist, dann gehen sie bis 0,99 und kommen damit davon. Die Athleten haben Ärzte, Geld und so weiter. Sie versuchen alles, was geht, um davonzukommen."

Und das scheint zu gelingen. Nur 0,3 Prozent aller Dopingproben im Schwimmen führen zu einer Strafe. Einer der möglichen Gründe: zu wenig Dopingkontrollen. Der Welt-Schwimmverband FINA weist das zwar zurück, aber ein Beispiel aus Spanien zeigt die aktuelle Praxis. Fred Vernoux, Cheftrainer der spanischen Schwimmer, kritisiert gegenüber der ARD-Dopingredaktion zu lasche Tests im Vorfeld der EM in Glasgow: Etliche Athleten seines EM-Teams seien im Training kein einziges Mal kontrolliert worden.

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