Montag, 26. Februar 2024

Doping bei Minderjährigen
WADA-Chefermittler: "Auswirkungen auf Kinder berücksichtigen"

Der WADA-Bericht "Operation Zuflucht" zeigt, welche Auswirkungen ein positiver Dopingtest auf Kinder und Jugendliche haben kann. Beim Umgang mit positiv getesteten Minderjährigen müsse nachgebessert werden, sagt WADA-Direktor Günter Younger im Dlf.

Günter Younger im Gespräch mit Marina Schweizer | 28.01.2024
Ein junges Mädchen trägt einen Rucksack und geht über einen Basketballplatz.
Kindern und Jugendlichen müsse schon früh beigebracht werden, dass ein positiver Dopingtest auch ein Verfahren nach sich zieht, sagt WADA-Chefermittler Günter Younger. (IMAGO / Addictive Stock / IMAGO / Jose Luis Carrascosa)
Wenn im Sport Doping bei Minderjährigen aufgedeckt wird, dann fällt das Auge auch schnell auf die, die eigentlich für den Schutz der Kinder und Jugendlichen in einem Leistungssystem mitverantwortlich wären. Aber auch das internationale Anti-Doping-System mit seinen Tests und Strafen muss beim Umgang mit Minderjährigen besondere Vorsicht walten lassen.
Das wird deutlich, wenn man die Ergebnisse des neuen Berichts liest mit dem Titel "Operation Zuflucht", den die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) veröffentlicht hat. Darin werden Aussagen von Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Welt ausgewertet, die einen positiven Dopingtest hatten. Es geht dort beispielsweise um das tiefe Trauma und die Isolation von jungen Athleten und Athletinnen nach einem positiven Test und einer Strafe. 

WADA-Ermittler Younger: Neue Wege bei Aufklärung gehen

"Am meisten beeindruckt hat mich, dass trotz der vielen Aufklärungsmaßnahmen so viele Kinder und Jugendliche in so jungen Jahren zum einen bereits mit Dopingmitteln versorgt werden und zum anderen so einem enormen Stress ausgesetzt sind, Bestleistungen im Sport zu erzielen. Und dass offensichtlich Erwachsene im Umfeld, seien es Eltern, Trainer oder Ärzte, nicht davor zurückschrecken, Dopingsubstanzen zu verabreichen", sagte Günter Younger im Deutschlandfunk. Younger ist Chefermittler bei der WADA und war auch an der Erstellung des Berichts beteiligt.
WADA-Chefermittler Günter Younger in Buenos Aires
Günter Younger ist seit 2016 Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur. (picture alliance / dpa / Gustavo Ortiz)
Der Bericht habe deutlich gemacht, dass man bei der Aufklärung über die Gefahren von Doping neue Wege gehen müsse, sagte er. Unter anderem habe die WADA bereits versucht, Jugendliche mit Hilfe von Influencern zu erreichen "und sie auch zu sensibilisieren, dass man mit uns reden kann und wir für ihre Sorgen offen sind."

"Auswirkungen positiver Tests auf Kinder berücksichtigen"

Kindern und Jugendlichen müsse schon früh beigebracht werden, dass ein positiver Dopingtest auch ein Verfahren nach sich zieht, dass die Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit den Eltern durchlaufen müssen. "Ein positiver Test ist nicht nur für Kinder eine schlimme Erfahrung für die Kinder, sondern auch für die Eltern. Manche Geschichten, die wir da erfahren haben sind, dass tatsächlich auch Geschwister dann beschuldigt und aus dem Sport herausgenommen werden mussten. Diese Elemente werden bei uns im Verfahren jetzt weniger betrachtet. Und gerade bei Jugendlichen und Kindern müssen wir da nachbessern in der Zukunft, dass wir auch die Auswirkungen auf Kinder bei positiven Tests berücksichtigen."
Dass Kinder überhaupt schon in so jungem Alter getestet werden, sieht Younger nicht als Problem an. "Lediglich, wenn sie dann positiv getestet worden sind und dann keine Nachbereitung durchgeführt worden ist, also die Auswirkungen des positiven Tests war das, was die Jugendlichen am meisten beschäftigt hat."

Diskussionen über Verbesserungen in Anti-Doping-Gemeinde

Der Bericht solle nun die Anti-Doping-Kämpfer auf das Thema Doping bei Kinder und Jugendlichen aufmerksam machen, sagte Younger. So soll zukünftig auch über Verbesserungen im Umgang mit positiv getesteten Kindern und Jugendlichen diskutiert werden.
Das Interesse an den Erfahrungen der WADA sei groß, sagte Younger. "Immer mehr Experten, immer mehr Strafverfolgungsbehörden wenden sich diesem Thema zu. Wir wollen auch vermitteln, dass man bei einem positiven Test bei Jugendlichen nicht nur das Umfeld ermittelt werden muss, sondern man auch psychologisch vorgehen muss, um keine psychologischen Schäden an unseren Kindern und Jugendlichen auszulösen. Wir haben darüber gar nicht so sehr nachgedacht, dass es solche Auswirkungen haben kann, weil natürlich die Jugendlichen und Kinder sich nicht entsprechend ausdrücken können. Und für die Eltern bricht auch meistens eine Welt zusammen und das ist unsere Aufgabe, nun auch entsprechend nachzubessern."