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StartseiteSport am Wochenende"Johannes Dürr ist Täter und Opfer"10.03.2019

Doping-Skandal"Johannes Dürr ist Täter und Opfer"

"Er will raus aus dem Sumpf" - das sagt Rechtsanwalt Michael Lehner über seinen Mandanten Johannes Dürr, Kronzeuge im Ski-Doping-Skandal. Dürr sei auch Opfer des Systems, sagte Lehner im Dlf. Die hohen Ansprüche im Leistungssport seien "Anstiftung zum Doping".

Michael Lehner im Gespräch mit Matthias Friebe

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Der Österreichische Langläufer Johannes Duerr während einer Pressekonferenz bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 (imago / GEPA pictures)
Gestanden und weiter gedopt: Skilangläufer Johannes Dürr (imago / GEPA pictures)
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"Dürr hat es jetzt erkannt", sagte Lehner. Er habe die Entwicklung des Skilangläufers genau verfolgt und halte ihn für glaubwürdig. "Ich habe viel über die innere Psyche eines Menschen gelernt, der in diesem System drin war, nie was anderes gelernt hat und raus will. Das ist eine ganz schwierige Situation für ihn". Dürr habe bei der Aufklärung seine eigene Situation zunächst ausgeblendet. "Er wollte raus, dabei musste man ihm auf die Sprünge helfen. Aber jetzt ist er draußen mit der Wahrheit".

"Besser ein Nachgeständnis als kein Geständnis"

Sportrechtler Michael Lehner ist neuer Vorsitzender der Doping-Opfer-Hilfe (DOH). Auf der Mitgliederversammlung in Berlin wurde der 64 Jahre alte Jurist als Nachfolger von Ines Geipel gewählt. (Deutschlandfunk / Sturmberg)Sportrechtler Michael Lehner (Deutschlandfunk / Sturmberg)

Er hoffe auf einen milden Umgang der Gerichte mit dem Kronzeugen. "Besser ein Nachgeständnis als kein Geständnis". Man müsse Dürr dankbar sein. Ohne seine Äußerungen hätte man nie von dem System um den Erfurter Arzt Marc Schmidt erfahren. Das müsse honoriert werden.

"Dürr ist Täter und Opfer zugleich"

Michael Lehner ist Vorsitzender des Vereins Doping-Opfer-Hilfe. Er sieht keinen Widerspruch zwischen dieser Tätigkeit und seinem Mandat für einen Doping-Täter. "Ich vertrete ja keinen Doper, um das Doping zu relativieren. Es geht auch um Hilfe. Derjenige, der ins Doping-System reingefallen ist und rauskommt, hat jede Hilfe verdient". 

Dürr sei Täter und Opfer zugleich, meint Lehner. Das Doping-System werde von vielen geprägt: etwa von Ärzten oder Funktionären. Er kritisierte auch die hohen Ansprüche an den Leistungssport: "Das ist Anstiftung zum Doping". Das Publikum müsse sich fragen, ob nicht auch ein dritter Platz statt der Goldmedaille genüge. 

Am 23. Februar 2014 musste Skilangläufer Dürr nach einer positiven Probe auf das Ausdauerdopingmittel EPO die Olympischen Spiele in Sotschi verlassen. In einer ARD-Doku packte der überführte Betrüger im Januar über Blutdoping in Deutschland aus. Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Bei der Ski-WM in Seefeld wurden dann bei einer Razzia mehrere Menschen festgenommen. Während der Dreharbeiten zur ARD-Dokumentation hatte Dürr mehrfach gesagt, Doping abzulehnen. Er hatte versichert die Wahrheit zu sagen. Dass er noch bis Ende 2018 weiter Blutdoping betrieb, ließ er aus. Erst später gestand er, weiter gedopt zu haben.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
 
 

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