Mittwoch, 08. Dezember 2021

DOSBVerbandsspitze soll Ex-Vorstandsmitglied gedroht haben

Ein Brief, in dem eine mangelhafte Führungskultur angeprangert wurde, sorgte im Mai für Aufregung im Deutschen Olympischen Sportbund. Jetzt offenbart ein Schreiben eines ehemaligen Vorstandsmitglieds: Die Wogen sind längst nicht geglättet.

Von Bianka Schreiber-Rietig | 10.11.2021

Karin Fehres spricht am Rednerpult
Karin Fehres bei der DOSB-Mitgliederversammlung 2018 (picture alliance/dpa | Guido Kirchner)
Karin Fehres war bis 2020 Teil des DOSB-Vorstandes. Jetzt klagt sie in einem Schreiben an Führungskräfte und ehemalige Kollegen beim DOSB die Führungsspitze an: Ihr sei mit Strafanzeige und Zivilklage gedroht worden.
Fehres wehrt sich gegen Unterstellungen, die der DOSB als Verband, vertreten durch die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker und Finanzvorstand Thomas Arnold sowie den Präsidenten Alfons Hörmann, erhoben haben soll. Ihr Brief liegt dem Deutschlandfunk vor.

Mail verursachte Hörmanns Sturz

Die 62-Jährige soll, so die DOSB-Verantwortlichen, die Autorin der anonymen Mail sein, die im Mai den Verband in die Krise stürzte. In dieser Mail aus der Mitarbeiterschaft wurden heftige Vorwürfe gegen den Präsidenten, sein Präsidium und den Vorstand erhoben. Vom "Klima der Angst" im DOSB war die Rede. Durch das Schreiben geriet Hörmann unter Druck und kündigte nach einer Untersuchung der verbandseigenen Ethikkommission seinen Rückzug zum Jahresende an.
Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hört zu bei der offiziellen Präsentation der Outfits für die deutsche Olympia- und Paralympia-Mannschaft.
In einer anonymen E-Mail wird unter anderen der Führungsstil und das Verhalten von DOSB-Präsident Alfons Hörmann scharf kritisiert. (picture alliance/ dpa / AFP POOL / Ina Fassbender)
Vorwürfe gegen DOSB-Präsident - Rücktritt von Alfons Hörmann gefordert
Der Präsident des Landessportbund NRW fordert DOSB-Präsident Alfons Hörmann zum Rücktritt auf. Auslöser sind unter anderem Vorwürfe von Mitarbeitern des DOSB. Sie hatten in einer anonymen E-Mail Hörmann und die Führung des Verbandes scharf angegriffen und eine "Kultur der Angst" angeprangert.
Karin Fehres weist in dem Schreiben die Behauptung zurück, sie sei die Autorin des Briefs vom Mai. "Die Unterstellungen sind absurd und haltlos", schreibt sie nun an die Mitglieder von DOSB-Präsidium und Vorstand sowie die Sprecher und Sprecherinnen der Verbände. Sie habe auch nicht daran mitgewirkt.

"Beweismittel für Gerichte"

Am 13. Oktober habe sie von einer Berliner Anwaltskanzlei ein Schreiben erhalten, in dem ihr mit Strafanzeige und zivilrechtlicher Klage gedroht worden sei. Es sei denn, sie oute sich öffentlich als die alleinige Autorin. Laut Fehres hat die Anwaltskanzlei sogar vom Gutachten eines Sprachsachverständigen geschrieben, das ihre Autorinnenschaft untermauere. Dies habe als Beweismittel vor den Ermittlungsbehörden bzw. den Gerichten dienen sollen.
Der DOSB hat auf eine Anfrage zunächst nicht reagiert
Vertreter der Mitgliedsorganisationen betonen, mit dieser neuerlichen Eskalation habe man auf der Führungsetage die rote Line definitiv überschritten.
Karin Fehres war Sportamts-Dezernentin in Frankfurt am Main, bevor sie 2006 als DOSB-Direktorin im Ressort für Sportentwicklung eingestellt wurde. 2014 wurde sie Vorstandsmitglied. Überraschend für die Öffentlichkeit verlängerte der Dachverband 2020 ihren Vertrag nicht, und sie verließ im November 2020 den DOSB.