Mittwoch, 01. Februar 2023

Verbrenner-Aus
Welche Rolle E-Fuels noch spielen

Das Aus für Verbrennungsmotoren ab 2035 ist beschlossene Sache. Allerdings soll die Entscheidung 2026 noch einmal überprüft werden. Fragliche Faktoren sind die Weiterentwicklung der Technik, sowie der Einsatz von E-Fuels. Ein Überblick.

28.10.2022

    Synthetischer Diesel am Flughafen Stuttgart
    Eine Tankstelle für synthetischen Diesel gibt es bereits auf dem Flughafen Stuttgart (picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa )
    Ab 2035 sollen in der EU keine Benziner oder Diesel-Autos mehr zugelassen werden. Darauf hatten sich die EU-Kommission und Unterhändler der EU-Staaten am Donnerstagabend (27.10.2022) geeinigt.
    Allerdings soll die Entscheidung im Jahr 2026 erneut überprüft werden. Eine besondere Bitte an die EU-Kommission wurde ebenfalls festgehalten: Sie soll prüfen, ob der Einsatz von sogenannten E-Fuels für Autos auch nach 2035 weiterhin in Frage kommen könnte. Darauf hatte in der Bundesregierung vor allem die FDP gedrängt. Die Grünen wiederum forderten ein grundsätzliches Verbot. Ausnahmen soll es nach ihrer Ansicht nur für Nutzfahrzeuge wie die der Feuerwehr oder für Krankenwagen geben.

    Was bedeutet das Verbrenner-Aus ab 2035?

    Vom Jahr 2035 an sollen in der EU keine Pkw und leichten Nutzfahrzeuge mehr neu zugelassen werden, die mit Diesel oder Benzin fahren. Autos, die vorher zugelassen wurden, sind ab 2035 aber nicht verboten. Mit dem Verbrenner-Verbot setzt die EU stark auf Elektromobilität.
    Außerdem fordern die EU-Umweltminister die Europäische Kommission auf, einen Vorschlag auszuarbeiten, wie mit synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) betriebene Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auch nach 2035 zugelassen werden könnten.

    Was sind E-Fuels?

    E-Fuels sind synthetisch hergestellte Kraftstoffe, die mit Hilfe von erneuerbaren Energien hergestellt werden. Der zentrale Unterschied zu konventionellen Kraftstoffen ist, dass bei ihrer Herstellung bereits in der Luft vorhandenes CO2 eingefangen und gebunden wird Somit werden beim Verbrennen von E-Fuels keine neuen Treibhausgase freigesetzt, sondern nur solche, die eh schon vorher in Atmosphäre sind.
    Für E-Fuels wird Wasserstoff mit CO2 aus der Luft zu einem Kohlenwasserstoff und damit zum Grundbaustein von flüssigen Kraftstoffen synthetisiert. Wird bei der Gewinnung des Wasserstoffs erneuerbare Energien verwendet, sind E-Fuels in der Gesamtbetrachtung CO2-neutral.

    Welche Position vertritt die FDP beim Verbrenner?

    Die in Deutschland mitregierende FDP hatte sich vor der Abstimmung im Europäischen Rat quergestellt und verlangt, dass nach 2035 auch Pkw und Transporter mit E-Fuels angetrieben werden können. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte daraufhin, die Regierung wolle es möglich machen, "dass nach 2035 auch Pkw zugelassen werden können mit CO2-neutralen Technologien, mit E-Fuels". Das wurde so explizit offenbar nicht in die Aufforderung an die Kommission hineingeschrieben.

    Welche Argumente sprechen gegen E-Fuels für Pkw?

    Zwar ist das Aus für Verbrenner beschlossene Sache, aber mit E-Fuels wird sich noch ein Hintertürchen offengehalten. Das sorgt für Ungewissheiten in der Autobranche und ihren Zulieferern. Auf der einen Seite wollen Autobauer sich auf die Produktion von Elektroautos konzentrieren und setzen darauf, dass der Staat dafür die entsprechende Infrastruktur anbietet. Auf der anderen Seite hoffen selbst einige Zulieferer, so noch ihre Produkte für Verbrenner weiter verkaufen zu können.
    Außerdem ist die Produktion von E-Fuels extrem stromintensiv. Soll der synthetische Kraftstoff aber wirklich klimaneutral sein, dann muss dieser Strom auch erneuerbaren Energien kommen - Strom, der auch direkt in ein Elektroauto fließen könnte.
    „Klar wird immer sein, E-Fuels werden immer deutlich teurer sein, als wenn ich mein Fahrzeug mit normalen Strom betanke“, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management im Deutschlandfunk. Deswegen seien E-Fuels viel besser in Bereichen aufgehoben, wo es keine Alternativen gebe wie beispielsweise im Flugverkehr oder in der Schifffahrt.

    Was spricht für E-Fuels?

    Autos haben eine sehr lange Lebensdauer. Wird beispielsweise ein Auto mit Verbrennungsmotor 2034 gekauft, dann wird es vermutlich noch mehrere Jahrzehnte fahren. An der Stelle könnten E-Fuels eine Rolle spielen, da sie klimaneutral den weiteren Betrieb von Verbrennern ermöglichen.
    Ein weiterer Grund, auch nach 2035 auf Verbrenner für E-Fuels zu setzen, ist, dass auch der Umstieg auf Elektromobilität alles andere als einfach ist. Zum einem entsteht durch den Bau vieler Millionen E-Autos ein immenser Bedarf an seltenen Erden – beispielsweise Lithium für die Herstellung leistungsstarker Batterien. Zum anderen muss die gesamte Infrastruktur und die Art, wie Autos getankt werden, umgestellt werden. Dieser Um- und Ausbau von Tank- und Ladestellen ist aufwändig und dauert Zeit. Verbrenner, die mit E-Fuels betrieben werden, können dabei als eine Art Übergangstechnologie dienen.