Samstag, 08. Oktober 2022

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Elektromobilität
Elektro-Auto im Selbstversuch

Das Sondierungspapier von SPD und Union widmet auch dem Thema "Verkehr" einen Unterpunkt. Modern, sauber und bezahlbar soll Mobilität demzufolge sein. Tatsächlich könnte die E-Mobilität in Deutschland noch mehr Antrieb vertragen. Denn die E-Auto-Fahrer hadern mit einem großen Problem.

Von Katharina Peetz | 30.01.2018

    Das Symbol eines Autos mit Kabel auf dem Asphalt - ein Parkplatz für Elektroautos.
    Das Symbol eines Autos mit Kabel auf dem Asphalt - ein Parkplatz für Elektroautos. (picture-alliance / dpa / Jan Woitas)
    So jetzt geht’s los. Das Fahrgefühl ist wirklich sehr anders als mit dem Verbrenner, man muss ganz leicht eigentlich nur aufs Gaspedal tippen und schon geht’s los. Und es ist natürlich super leise.

    Stimme aus dem Navigationssystem: "Bitte links abbiegen"
    Voll geladen soll dieses E-Auto von BMW etwa 120 Kilometer weit kommen. Aber wie sieht es aus, wenn unterwegs der Akku entladen ist? Verschiedene Online-Verzeichnisse und Apps zeigen die Ladesäulen in der Umgebung an.
    130 Kilometer bis zur ersten E-Ladesäule
    In Köln gibt es mehr als 230 öffentliche Ladepunkte - in anderen Regionen Deutschlands ist das Netz weniger gut ausgebaut, erklärt Gregor Kolbe von der Verbraucherzentrale Bundesverband: "Es gibt Städte wie Berlin, Hamburg, da haben wir ein ganz gutes Angebot. Es gibt viele Ladesäulen. Aber auch in anderen Großstädten teilweise sieht es schon ganz anders aus. Fahren Sie nach Erfurt, da haben Sie halt nicht so viele Ladesäulen bezogen auf die Anzahl der Bewohner. Und wenn Sie dann gerade noch die Verbindungsstraßen zwischen Städten sehen, wenn Sie mal von einer Stadt in die andere wollen, Autobahnen, Landstraßen, da wird es dann ganz schlecht".
    Wer beispielsweise von Rostock aus Richtung Süden auf der Autobahn 19 unterwegs ist, fährt rund 130 Kilometer bis zur ersten E-Ladesäule. Ein Zusammenschluss von Autobauern will das ändern und bis 2020 europaweit insgesamt 400 Schnellladestationen an Autobahnen und Verbindungsstraßen errichten.
    Stimme aus dem Navigationssystem: "Demnächst rechts abbiegen."
    In Köln betreibt der kommunale Stromversorger Rheinenergie den Großteil der Ladesäulen. "Es gibt an der Ladesäule jetzt verschiedene Möglichkeiten die freizuschalten. Ich hab so eine Kundenkarte, die ich einfach davor halten muss. Die Kundendaten werden geprüft."
    An einer Ladestation im Zentrum von Leipzig am Augustusplatz stehen Elektroautos - ein Tesla und ein Volvo - zum "Auftanken".
    Elektroautos an einer Ladestation (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)
    Verschiedene Anbieter, verschiedene Infrastruktur-Betreiber
    Alternativ können viele Säulen in Köln seit Kurzem auch ohne vorherige Anmeldung mit dem Smartphone freigeschaltet werden. Das ist bislang aber eher noch die Ausnahme.
    Verbraucherschützer Gregor Kolbe: "Das Problem ist, wenn Sie in eine Stadt fahren, dann haben Sie verschiedene Anbieter, verschiedene Infrastruktur-Betreiber, die verschiedene Authentifizierungs- und Bezahlungsmodalitäten haben. Sie müssen sich mit einer RFID-Card identifizieren, mit einer App, Sie haben eine Chipkarte- das ist höchst uneinheitlich und macht auch das spontane Laden sehr kompliziert."
    Das soll sich ändern: Eine Neuerung der so genannten Ladesäulenverordnung schreibt vor, dass bundesweit alle neuen Ladesäulen spontanes Laden möglich machen müssen.
    "Das Ladekabel habe ich hinten im Kofferraum und steck es jetzt an die Ladesäule."
    Der Stecker passt - und: Hier lädt das E-Auto derzeit sogar noch umsonst. Viele Stromversorger bieten den Strom an E-Ladesäulen bislang noch testweise kostenlos an. Andere Anbieter berechnen nach unterschiedlichen Tarifen.
    Stimme aus dem Navigationssystem: "Bitte links abbiegen."
    Ein Elektroauto der Polizei auf der  Insel Hiddensee
    Im September 2015 wurde die Polizei auf Hiddensee (Landkreis Vorpommern Rügen) mit einem Elektroauto ausgestattet. (imago/BildFunkMV)
    Intransparente Kosten
    Live-Aufsager: "Ich bin jetzt an einem Ladepunkt von Ampido, die stellen eigentlich Parkplätze zur Verfügung. Und entsprechend kostet der Strom hier zwar nichts, aber ich muss nach der Zeit, die ich hier parke, also pro Stunde einen Euro bezahlen. Und wie lang das dauert, das hängt vom Auto und von der Ladesäule ab, kann aber schon mehrere Stunden in Anspruch nehmen."
    Die Kosten für das Laden seien derzeit vielerorts noch sehr intransparent, sagt Gregor Kolbe von der Verbraucherzentrale: "Das ist ein Dschungel mehr oder weniger. Das ist für den Nutzer nicht wirklich nachvollziehbar und verständlich, wo er wann wie viel zahlen muss. Alles höchst intransparent. Und das hält die Leute natürlich davon ab. Das muss auch geändert werden. Der Kunde muss sich drauf verlassen können, dass er schnell die Information bekommt: Was zahl ich an der Ladesäule, was kostet mich mein Ladevorgang? Und dann darf auch nicht mehr abverlangt werden von ihm."
    Bislang verlassen sich aber viele E-Auto-Fahrer ohnehin gerade häufig noch auf den eigenen Haushaltsstrom: Laut Bundesverband E-Mobilität laden aktuell rund 80 Prozent der E-Auto-Fahrer an privaten Ladepunkten.