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StartseiteWirtschaft und GesellschaftErste konkrete Pläne für Stromautobahnen27.09.2016

Erdkabel für EnergiewendeErste konkrete Pläne für Stromautobahnen

Deutschland braucht für die Energiewende neue Stromautobahnen von Nord nach Süd, damit Windstrom durch das Land transportiert werden kann. Ursprünglich sollten die Trassen oberirdisch verlaufen, doch dagegen gab es massive Bürgerproteste. Nun plant die Bundesregierung Erdkabel und dafür gibt es erstmals konkrete Pläne.

Von Theo Geers

In Raesfeld (NRW) werden bei Bauarbeiten Erdkabel zum Stromtransport verlegt. (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)
In Raesfeld (NRW) werden bei Bauarbeiten Erdkabel zum Stromtransport verlegt. (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)
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Erdkabel statt Monstertrassen – so werden die drei wichtigsten neuen Stromautobahnen einmal aussehen: Nicht als Freileitung an hohen Masten, sondern als 20 bis 25 Meter breite Schneise, in der die mehr als armdicken Kabel - fünf bis acht an der Zahl - knapp zwei Meter tief im Boden liegen. "Wenn's fertig ist sieht man das Kabel nicht mehr, es wird eine unsichtbare Verbindung sein", verspricht Lex Hartmann, der Vorstandschef des Netzbetreibers Tennet.

Drei Trassen sollen 2025 in Betreib gehen. Die erste knapp 800 Kilometer lange Trasse von Brunsbüttel nach Heilbronn soll mit Windstrom den Norden Baden-Württembergs versorgen. Die zweite gut 600 Kilometer lange Trasse beginnt beim Atomkraftwerk Brokdorf an der Elbe und führt ins fränkische Grafenrheinfeld, wo im letzten Jahr das Atomkraftwerk stillgelegt wurde. Hinzu kommt als drittes der Süd-Ost-Link von Magdeburg zum Atomkraftwerk Isar bei Landshut. Insgesamt werden die drei Stromautobahnen fast 15 Milliarden Euro kosten. Teuer wird es vor allem wegen der Erdverkabelung. Allein die ersten beiden sogenannten Süd-Link-Leitungen kosten jetzt zehn Milliarden Euro – sieben Milliarden mehr als die ursprünglichen Freileitungen.

"Das ist eine Frage, wie viel ist unsere Umgebung uns wert. Und das ist eben dieser Betrag", sagt dazu Tennet-Chef Lex Hartmann.

Umgelegt werden die Baukosten auf die Stromkunden über die Netzentgelte. Nach 2025 dürfte dies die jährliche Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts um 30 Euro im Jahr verteuern. Andererseits wird es auch billiger. Derzeit müssen bei viel Wind im Norden Windparks abgeregelt und für Süddeutschland Stromkontingente dazu gekauft werden, weil zwischen Nord und Süd die Leitungen fehlen. Allein dies kostet die Stromkunden pro Jahr über eine Milliarde Euro; unnütze Kosten, die mit den neuen Stromautobahnen wegfallen.

Dialog mit Bürgern geplant

Der genaue Trassenverlauf soll im Dialog mit den betroffenen Bürgern festgelegt werden, auch wenn das die Bauherren ins Dilemma stürzen kann, so Lex Hartmann. "Der eine sagt: 'Mach es doch neben der Autobahn, die ist schon hier.' Ein anderer: Bürger sagt zurecht 'Ich hab schon eine Autobahn, soll ich auch noch ein Kabel haben?' Obwohl man es nicht sieht."

Die offiziellen Planfeststellungsanträge sollen Ende März nächsten Jahres gestellt werden. "Dann fängt der Prozess erst an. Das alles davor ist Austausch von Ideen. Und dann wird die Bundesnetzagentur Konferenzen organisieren, damit jeder sich beteiligen kann. Und dann am Ende werden die eine Entscheidung treffen, welche Trassen untersucht werden. Die werden wir dann untersuchen, das wird dann festgestellt. Und dann kommt erst die Planung. Und bei jedem Schritt kann der Bürger mitreden und sich beschweren - selbstverständlich."

Ganz so selbstlos ist das Entgegenkommen aber auch wieder nicht. Die Netzbetreiber wollen endlich bauen – und jeder Einspruch könnte die Trassen noch einmal verzögern. Dabei werden diese schon jetzt drei Jahre später fertig als die ursprünglich geplanten Freilandleitungen.

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