Grönland-Streit
EU-Sondergipfel zu Trumps Zoll-Drohungen angesetzt - Politik und Industrie fordern harte und rasche Gegenmaßnahmen Europas

EU-Ratspräsident Costa hat einen EU-Sondergipfel zu den Zolldrohungen von US-Präsident Trump wegen des Grönland-Streits einberufen. Dieser solle in den nächsten Tagen stattfinden, erklärte Costa am Abend. Im Raum steht eine Verschiebung des Handelsabkommen mit den USA und damit Zölle von 93 Milliarden Euro auf US-Produkte.

    António Costa, Präsident des Europäischen Rates
    António Costa, Präsident des Europäischen Rates, lädt zu einem Sondergipfel. (Michael Kappeler / dpa / Michael Kappeler)
    Aus EU-Kreisen verlautete, dass der Sondergipfel am Donnerstag in Brüssel stattfinden soll. Auslöser ist die Ankündigung von US-Präsident Trump, ab dem 1. Februar einen zusätzlichen zehnprozentigen Zoll auf Waren aus bestimmten EU-Ländern zu erheben, die sich gegen einen US-Kauf des zu Dänemark ​gehörenden Grönlands wehren. Deutschland und die übrigen betroffenen Länder kritisierten die angekündigten Sonderzölle in einer gemeinsamen Erklärung scharf.
    Mit dem Thema befassten sich auch die EU-Botschafter bei einem Treffen in Brüssel. Laut der Nachrichtenagentur Reuters einigten sie sich noch nicht auf die Verhängung von Gegenzöllen für die USA. Wenn es keine Einigung mit den USA in der neuesten Runde des Zollstreits wegen Grönland geben sollte, würden allerdings die bereits im Juli beschlossenen Gegen-Strafzölle im Volumen von 93 Milliarden Euro für verschiedene Handelswaren automatisch am ​6. Februar in Kraft treten. Die EU hatte die Verhängung dieser Zölle ​nur ausgesetzt, nachdem sie sich mit den USA auf ein Handelsabkommen geeinigt hatte. Das Europäische Parlament hat nach Angaben von EVP-Chef Weber aber jetzt die nötige und für Mittwoch vorgesehene Verabschiedung dieses Abkommens auf unbestimmte Zeit verschoben.
    Bundesaußenminister Wadephul sagte dazu im ARD-Fernsehen, er glaube nicht, dass in dieser aktuellen Situation die Umsetzung des Handelsabkommens möglich sei. Die Entscheidung hätten natürlich die Kolleginnen und Kollegen im Europaparlament zu treffen, fügte der CDU-Politiker hinzu. Er sei aber sehr skeptisch, dass das jetzt gelingen könne.

    "Stärke und Geschlossenheit zeigen"

    In der deutschen Politik und Industrie werden harte und rasche Maßnahmen gegen die von US-Präsident angedrohten Sonderzölle wegen dessen Ansprüche auf Grönland gefordert. Bundesfinanzminister Klingbeil, SPD, erklärte, eine gemeinsame deutliche Antwort der Europäer sei wichtig. Der CDU-Außenpolitiker Kiesewetter sagte der "Rheinischen Post", man dürfe nicht durch Zögerlichkeit zum Opfer werden. Die Grünen-Vorsitzende Brantner betonte, Europa müsse Stärke und Geschlossenheit zeigen. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer und der Außenhandelsverband BGA forderten gegenüber dem Nachrichtenportal "Politico", klare Grenzen zu ziehen und alle Instrumente des EU-Handelsschutzes zu prüfen.
    Diese Nachricht wurde am 19.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.