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StartseiteInterview"Europäer brauchen Empathie füreinander"07.10.2018

Europäische Integration"Europäer brauchen Empathie füreinander"

Der Historiker Andreas Rödder fordert mehr Empathie im politischen Handeln der europäischen Länder. Er sagte im Dlf, die Staaten sollten sich nicht ständig selbst zum Opfer der anderen machen. Durch die europäische Einigung sei viel erreicht worden - man müsse aber auch Unterschiede aushalten.

Andreas Rödder im Gespräch mit Birgid Becker

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Der Historiker Andreas Rödder (Bert Bostelmann)
Der Historiker Andreas Rödder (Bert Bostelmann)
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An vielen Stellen werde sichtbar, wie groß die kulturellen Differenzen in Europa seien, so Rödder: "Größer als man lange gedacht hat!" Deutschland neige dazu, mit Hochmut auf diejenigen zu schauen, die nicht so denken wie sie. Es sei jedoch nicht sinnvoll, Dinge vereinheitlichen zu wollen, die nicht gleich seien. In der Vielfalt liege Europas Stärke. 

Mit den grundsätzlichen Ideen wie Rechtsstaat, Demokratie, Marktwirtschaft, Freihandel und dem friedlichen Umgang miteinander habe man aus historischer Perspektive "enorm viel" erreicht. Das werde gefährdet, wenn man die europäische Integration durch die Idee, dass alles immer enger zusammenwachsen müsse, "ideologisch überdehne". 

"Nicht sich ständig zum Opfer durch die anderen machen"

Die europäischen Staaten sollten versuchen, sich in die anderen hineinzuversetzen, so Rödder: "Was die Europäer noch sehr viel stärker lernen müssten, wäre gegenseitige Empathie füreinander. Das ist eine Frage der Haltung in Europa: Nicht sich ständig selbst zum Opfer durch die anderen zu machen, sondern sich versuchen klarzumachen: Warum denken die anderen über mich so, wie sie denken? Und wie wirke ich möglicherweise auf die anderen? Ja, wenn Sie so wollen, ist das psychotherapeutisch - aber in diesen Emotionen liegt doch die Grundlage für politisches Verständnis. Es klingt banal, aber es wäre entscheidend für ein wirkliches europäisches Verständnis füreinander."

Zur Rolle Deutschlands in Europa sagte Rödder, die Bundesrepublik befinde ich in einem Dilemma: "Auf der einen Seite hören Sie allenthalben, dass von den Deutschen Führung erwartet wird. Wenn die Deutschen dann aber Führung ausüben, dann wird das als Vormacht kritisiert." Man könne Deutschland jedoch kein Vormachtstreben unterstellen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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