Dienstag, 31. Januar 2023

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Europawahlkampf
EU-Gegner Farage mobilisiert am besten

Eigentlich sollte es diesen Wahlkampf gar nicht mehr geben, doch nach dem Brexit-Chaos in London müssen die Briten nun doch noch einmal an den Europawahlen teilnehmen. Während Labour und Konservative in den Umfragen eingebrochen sind, trumpfen radikale EU-Gegner und ihre Widersacher groß auf.

Von Friedbert Meurer | 20.05.2019

Nigel Farage spricht am 19.04.2019 in Coventry anlässlich der Gründung seiner Brexit-Partei
Prominentester EU-Gegner in Großbritannien: Nigel Farage (Mark Thomas / imago images)
Nigel Farage ist zurück, der Chef der neuen Brexit-Partei genießt hier in Sunderland die stehenden Ovationen seiner Anhänger. Sunderland entpuppte sich in der Nacht des Referendums früh als eine Hochburg der Brexit-Anhänger.
Über 50.000 stimmten damals für "Remain", also für den Verbleib in der EU, aber 83.000 dagegen. Nigel Farage schwelgt aber nicht lange in Erinnerungen, sondern greift Premierministerin Theresa May frontal an:
"Sie hat sich allen Forderungen von Monsieur Barnier unterworfen."
"Sie hat Donald Tusks Beleidigungen hingenommen."
"Sie hat den Angriffen des scheußlichen Guy Verhofstadt auf unser Land nichts entgegengesetzt."
Kampf für den harten Schnitt
Farage attackiert ohne Unterlass Premierministerin May. Und das Publikum geht begeistert mit. Unterstützung erfährt Farage unter anderem von seiner Parteifreundin Ann Widdecombe. Die 71-Jährige greift jetzt alle an, die für ein zweites Referendum sind:
"Sie sitzen dann bei ihren Dinner-Partys und sagen: 'Die wussten nicht, für was sie da gestimmt haben!' Wir haben ganz genau gewusst, wofür wir gestimmt haben!"
Ortswechsel. Ein Wohnzimmer in einem Privathaus in Wandsworth im Londoner Südwesten. Der örtliche Regionalvorsitzende der Liberaldemokraten stellt den etwa 30 Mitgliedern und Anhängern der Partei Irina von Wiese vor. Die gebürtige Deutsche ist Spitzenkandidatin ihrer Partei in London.
Der Parteifunktionär spricht den Nachnamen mit "Weiß" aus. Irina von Wiese korrigiert es kurz. Die Anwältin lebt seit 1996 in London, hat die britische Staatsbürgerschaft angenommen und spricht sich sofort für ein zweites Referendum zum Brexit aus:
"Wir sind die einzige Partei mit der Botschaft, dass wir den Brexit stoppen wollen. Labour gehört nicht dazu, sie bekennen sich nicht eindeutig zu einem zweiten Referendum."
Abgeordnete für den Übergang?
Das ist auch eine Spitze gegen die neue Partei der Unabhängigen "Change UK", deren Position sei doch unklar. Irina von Wieses Wahl gilt zwar als sicher, aber wie lange würde sie dann Abgeordnete in Brüssel sein?
"Ich lebe in Hoffnung. Ich werde natürlich meine ganze Energie daran setzen, dass Großbritannien in der EU bleibt. Das hieße dann, dass ich meinen Job behalte auch über den 31. Oktober hinaus, hoffentlich auch fünf Jahre. Und davon gehe ich im Moment aus."