Wahlniederlage
FDP-Bundesvorstand soll neu gewählt werden - Parteichef Dürr tritt wieder an

Als Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden der FDP bei den jüngsten Landtagswahlen soll der gesamte Bundesvorstand im Mai neu gewählt werden. Das kündigte der Vorsitzende Dürr in Berlin an. Er selbst will auch wieder kandidieren. Die Vorstandswahlen finden damit ein Jahr früher statt als eigentlich vorgesehen.

    FDP-Bundesvorsitzender Christian Dürr spricht während einer Wahlkampfveranstaltung für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz auf dem Jesuitenplatz in Koblenz.
    FDP-Chef Dürr beim Abschluss des Landtagswahlkampfs in Rheinland-Pfalz (picture alliance / dpa / Sascha Ditscher)
    Dürr sagte vor der Presse, er halte eine neue Legitimation der Parteiführung für entscheidend. Er selbst habe eine klare Vorstellung vom künftigen Kurs der FDP und diesen Kurs werde er zur Wahl stellen. In der heutigen Sitzung des Vorstands habe er zunächst angeboten, die Vertrauensfrage zu stellen, erläuterte Dürr. Das sei nicht gewünscht worden. Daraufhin habe er vorgeschlagen, dass der gesamte Vorstand Verantwortung übernehme.
    Die FDP war bei der Wahl in Rheinland-Pfalz mit 2,1 Prozent und zwei Wochen zuvor in Baden-Württemberg mit 4,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. In beiden Ländern kamen die Liberalen nicht mehr in den Landtag. In Rheinland-Pfalz gehörten sie bisher sogar der Ampel-Landesregierung an. Baden-Württemberg sieht die FDP als ihr Stammland an. Dort war sie seit dem Krieg kontinuierlich im Landesparlament vertreten gewesen.

    Strack-Zimmermann will offenbar als Doppelspitze antreten

    Die FDP-Europapolitikerin Strack-Zimmermann hat laut einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" im Parteipräsidium angeboten, als Teil einer Doppelspitze für die FDP-Führung zu kandidieren. Außerdem kritisierte sie den Umgang mit der Niederlage bei der Bundestagswahl.
    Eine Doppelspitze sehen die Parteistatuten bisher nicht vor. Allerdings liegt ein Antrag dazu für den kommenden Parteitag vor. Die FDP hatte bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz nur gut zwei Prozent erreicht und ist im kommenden Landtag nicht mehr vertreten. Ähnlich sah es in Baden-Württemberg aus.

    Kritik an Parteiführung

    Strack-Zimmermann sieht die Ursachen für das desaströse Wahlergebnis ihrer Partei in Rheinland-Pfalz in falschen strategischen Entscheidungen. "Nach Monaten ohne erkennbare Strategie fehlt vielen die Zuversicht, dass sich etwas zum Besseren ändert", sagte Strack-Zimmermann dem "Tagesspiegel".
    Das liege einerseits weiterhin am verpassten Einzug in den Bundestag Anfang 2025, sagte Strack-Zimmermann: "Dieser Schock steckt immer noch allen in den Knochen." Doch ihre Partei habe es verpasst, die richtigen Lehren daraus zu ziehen: "Einmal nicht mehr in den Bundestag gewählt worden zu sein, ist tragisch, ein zweites Mal ein politisches Versagen."
    Mit Blick auf die Parteispitze um Christian Dürr kritisierte Strack-Zimmermann: "Ich befürchte, dass viele in und außerhalb der FDP das Gefühl haben, dass wir seit der Bundestagswahl noch nicht einmal losgelaufen sind." Die FDP-Europaabgeordnete sieht ihre Partei nun in einer höchst bedrohlichen Lage: "Wenn eine Partei nur noch zwei Prozent der Stimmen bekommt, ist das existenziell."

    Kritik auch vom früheren Bundesverkehrsminister Wissing

    Der frühere Bundesverkehrsminister und FDP-Landeschef von Rheinland-Pfalz, Wissing, macht den libertären Kurs seiner ehemaligen Partei für deren Niedergang mitverantwortlich. "Seitdem die FDP sich libertärer aufgestellt hat, verliert sie eine Wahl nach der anderen", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus".
    Wissing beklagte, in der Partei gebe es offenbar keine ausreichende Debatte darüber, diese Entwicklung sachlich zu analysieren. Erfolgreich sei die FDP in einer Zeit gewesen, in der sie versöhnlicher kommuniziert habe, kompromissfähiger und bündnisfähiger gewesen sei. Mit dem Kurs der "radikalen Mitte" sei sie dagegen erfolglos.
    Die FDP hat nach Wissings Einschätzung in Rheinland-Pfalz ein Glaubwürdigkeitsproblem. "Man hat im Land konstruktiv in einer Ampel regiert, während die FDP im Bund die Ampel abgelehnt hat. Das passt nicht zusammen." Die Partei müsse sich jetzt entscheiden, ob sie einen libertären oder einen liberalen Kurs fahren wolle. "Beides gleichzeitig geht nicht."
    Diese Nachricht wurde am 23.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.