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StartseiteWirtschaftsgesprächLufthansa will mehr Puffer für die Sommersaison einplanen14.03.2019

FlugverkehrLufthansa will mehr Puffer für die Sommersaison einplanen

Die Lufthansa hat ihre Jahresbilanz vorgelegt. Von den Problemen um den neuen Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 ist der Konzern nicht betroffen. Eine Herausforderung ist dagegen der überfüllte deutsche Luftraum.

Von Klemens Kindermann

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Ein Airbus A380 der Lufthansa (imago / Rüdiger Volk)
Weniger Gewinn, stabile Dividende: Die Lufthansa kommt das Flugchaos vom vergangenen Jahr teuer zu stehen. (imago / Rüdiger Volk)
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Das Flugchaos von letztem Sommer haben viele Reisende noch gut in Erinnerung. Und es hat auch in der Bilanz des Lufthansa-Konzerns Spuren hinterlassen. Europas größte Fluggesellschaft muss einen Gewinnrückgang hinnehmen um acht Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Aber immerhin: die Zahlen sind besser als erwartet. Und die Dividende bleibt stabil.

Bisher keine Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max 8 im Einsatz

Von den Problemen des neuen Flugzeugtyps Boeing 737 Max 8 ist die Lufthansa nicht betroffen. Deutsche Fluggesellschaften nutzen derzeit keine Maschinen, die baugleich mit diesem Modell sind. Auch dass die Lufthansa nun Vorteile daraus zieht, dass andere Fluggesellschaften wie etwa der Ferienflieger Tuifly zunächst nicht mehr mit diesem Flugzeug fliegen können, ist nicht zu erwarten. Denn noch ist die 737 Max 8 nicht sehr stark im Markt vertreten. In Europa zum Beispiel waren bis zur aktuellen Sperre gerade einmal 70 dieser Flieger im Einsatz. Zum Vergleich: Insgesamt fliegen gut 5 300 Kurz- und Mittelstreckenjets in Europa.

Da derzeit noch Wintersaison ist, gibt es zudem ausreichend Flugzeuge, die man noch chartern kann. Schwieriger könnte es werden, wenn sich die Sperre für die Boeing-Flugzeuge bis in die Osterferien zieht – dann könnten erste Engpässe auftreten.

Flugchaos vom Sommer 2018 wird sich wohl nicht wiederholen

Dennoch ist die Gefahr, dass sich das Flugchaos aus dem vergangenen Jahr in diesem Sommer wiederholen wird, deutlich geringer. Denn viele der damaligen Probleme traten auf, weil das Erbe des 2017 pleite gegangenen Ferienfliegers Air Berlin nicht zügig genug angetreten wurde. Die Übernahme von Strecken und Flugzeugen ging zu langsam, die Flugpläne waren zu eng gestrickt, bei den Wartungen gab es Verzögerungen.

In dieser Hinsicht wollen sich die Fluggesellschaften nun besser aufstellen. Condor, Tuifly und auch die Billigtochter der Lufthansa, Eurowings, die allein 77 Flugzeuge von Air Berlin hat, haben offenbar mehr Reserven und mehr Puffer geschaffen. Welche genau, das werden sie voraussichtlich in 14 Tagen beim nächsten Fluggipfel mit Verkehrsminister Andreas Scheuer in Hamburg präsentieren.

Weitere Gründe für die Probleme im Flugverkehr im vergangenen Sommer waren Unwetter und Streiks. Dabei hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr zuvor, im Mai 2018 auf der Hauptversammlung noch ziemlich selbstbewusst angekündigt: "Der Kranich verspricht Leistung auf höchstem Niveau. Er verspricht Premium. Er steht für erstklassige Qualität." Bleibt abzuwarten, ob es in diesem Jahr besser gelingt, dieses Versprechen einzuhalten.

Ein grundsätzliches Problem bleibt

Eine große Herausforderung für die Branche ist dabei, dass immer mehr und eigentlich schon zu viel geflogen wird. Die Wachstumsraten im Flugverkehr steigen stark, besonders im deutschen. So gab es allein im vergangenen Jahr rund 3,4 Millionen Flugbewegungen - eine Steigerung von 4,4 Prozent. Diese riesige Menge an Flügen ist im deutschen Luftraum kaum noch unterzubringen. Zusammen mit Belgien gibt es hierzulande den dichtesten Luftraum Europas, fast ein Drittel aller Flüge verlaufen über die Bundesrepublik.   

Auf den Hauptverkehrsstrecken im oberen Luftraum ist zu Stoßzeiten daher alles so voll, dass die Flieger von den deutschen Flughäfen gar nicht mehr hochgelassen werden können. Deshalb verlagert die Deutsche Flugsicherung jetzt schon viele Flüge vom oberen Luftraum in tiefer gelegene Bereiche. Das wiederum ist bei den Airlines äußerst unbeliebt, weil sie dann mehr Geld ausgeben müssen für Kerosin. Ein Appell wäre daher: Manches Ziel, natürlich nicht jedes, lässt sich auch mit etwas mehr Zeit mit der Bahn erreichen.

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