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StartseiteKultur heuteGelder aus Saudi Arabien nicht mehr willkommen30.11.2018

Förderung für MuseenGelder aus Saudi Arabien nicht mehr willkommen

Die Misk-Foundation spendet in großem Rahmen an internationale Museen. Ihr Gründer ist Kronprinz Mohammed bin Salman, der den Mord an Journalist Khashoggi in Auftrag gegeben haben soll. Das Metropolitan Museum in New York lehnt daher weitere Spenden ab. Doch nicht alle Museen wählen diesen Weg.

Von Georg Schwarte

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Der prächtig verzierte Eingang des Shubra Palace Museum in Taif, Saudi Arabien. (imago / Aldo Pavan / Danita Delimont)
In Taif, Saudi Arabien, wurde aus dem Shubra Palace ein Museum - doch das Land investiert auch im Ausland in die Kulturförderung (imago / Aldo Pavan / Danita Delimont)
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Museen und Moral? Wo beginnt die Moral und wo hört sie auf? Der Präsident des Metropolitan Museums von New York, Dan Weiss, hat im ARD-Interview ziemliche klare Vorstellungen, wenn es beispielsweise um Sponsorengelder von Regierungen geht:

"Wir wollen nicht helfen, ein Image reinzuwaschen, politische Umstände zu verwässern oder Regime zu legitimieren."

Saudi-Arabien vermarkten

Was theoretisch klingt, ist gerade sehr konkret geworden. Saudi-Arabien nämlich steht im schwerwiegenden Verdacht, den Journalisten Jamal Khashoggi ermordet zu haben. Der Kronprinz selbst soll den Auftrag erteilt haben. Nun aber hat eben jener Kronprinz 2011 die Misk-Foundation, eine Kulturstiftung begründet. Der Auftrag: saudi-arabische Kultur, saudisches Leben, Saudi-Arabien generell weltweit zu vermarkten. Und die Misk-Foundation verteilt großzügigst auch an Museen weltweit. Auch an das Metropolitan Museum in New York. Nach der Ermordung Khashoggis aber zog Präsident Dan Weiss die Reißleine.

"In dem Moment, als klare Beweise für die Verantwortung der saudischen Regierung für das Verbrechen da waren, haben wir die Misk-Gelder abgelehnt."

Konkret sollte es eine Diskussionsrunde im Met-Museum geben. 20.000 Dollar von der Misk-Stiftung. Das Met-Museum sagte Danke nein. Heuchelei? Luxus? Präsident Dan Weiss winkt ab:

"Ich denke nicht, dass es Luxus ist, sondern eine moralische Verpflichtung. Wir sind eine Einrichtung, die kulturelles Verständnis und Zivilisation fördert. Da gibt es keinen Platz für Partner, die in illegale Aktivitäten verwickelt sind."

Werte über Kontakte vermitteln

Das Met-Museum lehnte ab, das Brooklyn Art Museum ebenfalls. Luxus? Es kommt offenbar auf den Standpunkt an. Stephen Stapleton, Begründer der 15 Jahre alten Organisation Edge of Arabia, ebenfalls gefördert von der Misk-Foundation, sagt im ARD-Gespräch, sich als Kultureinrichtung jetzt zurückzuziehen sei nicht der beste Schritt:

"Jetzt die Kontakte abzubrechen, ist nicht sehr mutig. Wir haben so viele Dichter, Künstler Schriftsteller, die wollen nicht, dass wir Ausstellungen, Lesungen absagen, Reisen stornieren."

Also Gelder nehmen von Saudi-Arabien - wissend um die Verbrechen, die Menschenrechtsverletzungen?  Stapleton sieht das Problem, setzt aber weiter auf Kooperation mit dem Regime in Saudi-Arabien, um über die Kontakte zu versuchen, die Werte zu verteidigen, für die viele Museen und Kultureinrichtungen stehen. Stapleton kannte Jamal Khashoggi, dessen Kinder. Sagt, alle seien geschockt, alle wüssten um die dunklen Zeiten

"Alle Organisationen, die in der Golfregion arbeiten, werden jetzt ihre Kontakte, ihr Verhältnis zur saudischen Regierung überprüfen."

Propaganda fürs Regime?

Die Misk-Foundation des saudischen Kronprinzen: Sie gibt reichlich. Ein aufrichtiger Versuch, saudische Kultur für die Welt zu öffnen oder nützliches Werkzeug, um die Welt für ein übel beleumundetes Regime zu erwärmen?

"Die Frage ist, was ist die wirkliche Motivation. Und wenn sie Menschenrechte verletzen und sich dann hinter dieser Kulturförderung verstecken, muss man das wissen."

Sagt Met-Präsident Dan Weiss. Die Gates-Stiftung hat gerade Gelder der Misk-Foundation zurückgegeben. Amerikanische Eliteuniversitäten aber freuen sich weiterhin über vollzahlende saudische Studenten und Schenkungen der Regierung. Ebenso europäische Museen. Die lakonische Antwort des Met-Präsidenten Dan Weiss:

"Jede Kultureinrichtung, jede Regierung, jeder muss selbst entscheiden, mit wem man zusammenarbeitet und kooperiert."

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