10. Kölner Forum für Journalismuskritik
Was geht noch für Politik, Gesellschaft und Medien?

"Game over?" - über diese Frage haben wir beim 10. "Kölner Forum für Journalismuskritik" mit profilierten Menschen aus Medien und Politik, aber auch aus anderen gesellschaftlichen Bereichen gesprochen. Das Kurzfazit: Es gibt große Risiken, aber eben auch viele Ansatzpunkte, um die demokratische Öffentlichkeit zu retten.

Von: Marco Bertolaso und Sina Fröhndrich |
    10. Kölner Forum für Journalismuskritik
    (© Deutschlandradio)
    Was geht noch in unserem Land? Welche Möglichkeiten haben Politik, Gesellschaft und Medien, um auf krisenhafte Entwicklungen zu reagieren? Diese Fragen bestimmten das 10. Kölner Forum für Journalismuskritik am 8.5.2026. Die Jubiläumsausgabe wurde organisiert von den Deutschlandfunk-Redaktionen Nachrichten, Meinung & Diskurs sowie der Initiative Nachrichtenaufklärung.
    "Eine sehr interessante Veranstaltung", stellte Fußball-Legende Ewald Lienen einige Tage später in seinem Podcast fest. So sah es hoffentlich auch das Publikum, das die Jubiläumsausgabe im Kölner Funkhaus oder via Digitalradio und Livestream verfolgt hat.
    „Ratlose Politik, mutlose Medien? Was wir jetzt tun können.“ So lautete die Überschrift der ersten Diskussionsrunde. Gäste von Christoph Schäfer waren die ehemalige Bundesministerin Annette Schavan, die Podcasterin Dagmar Rosenfeld, der langjährige frühere luxemburgische Außenminister Jean Asselborn und der Newsfluencer Fabian Grischkat. Mit anderen Worten: Es trafen zwei extrem erfahrene Menschen aus der Politik auf zwei Journalisten, die neue Wege im Mediengeschäft beschreiten.
    Das Foto zeigt Moderator Christoph Schäfer, den Newsfluencer Fabian Grischkat, die Journalistin Dagmar Rosenfeld, den früheren luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn und die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf der Bühne.
    Beim 10. Kölner Forum für Journalismuskritik ging es um die Frage, wie die Medien und die Politik in Zeiten der Krise ihren Platz behaupten und neu definieren können. (Thomas Kujawinski)
    Grischkat forderte von den politischen Akteuren mehr Ehrlichkeit und deutlich größere Anstrengungen, um das Vertrauen der jungen Generation zu gewinnen. Rosenfeld beklagte unter anderem ein Übermaß an Meinungsjournalismus. Medien sollten berichten, was ist, und nicht was Redaktionen selbst für gut und richtig hielten. Asselborn brachte seine Sorge um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum Ausdruck. Er hoffe, dass dieser nicht zerschlagen werde – und bekam dafür Applaus aus dem Saal. Schavan forderte mehr Leidenschaft für Demokratie und mehr Respekt vor dem Kompromiss. Eine leicht gekürzte Sendefassung wurde inzwischen im Vollprogramm ausgestrahlt.
    Ratlose Politik, mutlose Medien?
    In der zweiten Gesprächsrunde ging es um die gleichen Grundsatzfrage, allerdings mit Gästen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen jenseits von Politik und Medien. Moderatorin Sina Fröhndrich sprach mit Schwester Emmanuela Kohlhaas, Benediktinerin, Autorin und Coachin, Ewald Lienen, langjähriger Fußballspieler und -trainer, überdies engagiert für den Klimaschutz, sowie mit Juri Rother, Sänger der Kölsch-Band "Planschemalör“.
    Das Foto zeigt Moderatorin Sina Fröhndrich, Schwester Emmanuela Kohlhaas, Ewald Lienen und Juri Rother auf der Bühne im Kölner Funkhaus.
    Was kann die Gesellschaft in Zeiten der Krise tun? Darum ging es in der zweiten Gesprächsrunde beim "Forum für Journalismuskritik". (Thomas Kujawinski)
    Schwester Emmanuela beobachtete wachsende Eskalationen weltweit. Sicher geglaubte Begriffe wie Friedensethik seien verschwunden. Die Frage sei, ob Politik und Journalismus inzwischen Spielbälle anderer Kräfte geworden seien. Lienen forderte, an der gesellschaftlichen Basis anzusetzen. Ob Arbeitswelt, Bildung oder Umgang mit der Natur, alles sei mit allem verbunden. Ohne die gesellschaftlichen Strukturen anzupassen, werde man in den großen Fragen nicht weiterkommen. Rother nannte die Toleranz als einen zentralen Wert. Andernfalls seien viele Gespräche sehr schnell beendet. Außerdem appellierte Rother: „Man muss den richtigen Leuten das Mikro geben. Nicht den lauten Leuten, sondern denen, die komplexe Dinge nicht komplett vereinfachen.“
    Die dritte Diskussion brachte die Medienredaktion ein. Michael Borgers moderierte eine Liveausgabe der Sendung "Nach Redaktionsschluss“. Der Titel lautete: "Vergessene Nachrichten – warum wichtige Themen untergehen“. Mit Michael Borgers auf der Bühne waren Correctiv-Chefredakteurin Anette Dowideit und Hektor Haarkötter, Geschäftsführer der Initiative Nachrichtenaufklärung, die das Forum mitveranstaltet. Die Sendung kann man im Netz hören, wie auch die längere Podcast-Version.
    In zwei Zwischenelementen erinnerte Marco Bertolaso mit Gerd Daaßen an das Schicksal des regierungskritischen saudischen Journalisten Raif Badawi und sprach mit Deutschlandradio-Kommunikationsleiter Christian Sülz über die Denkfabrik, das Publikumsprojekt der drei Deutschlandfunk-Programme.
    Den Abschluss der Veranstaltung bildete wie immer die Verleihung des "Günter Wallraff-Preises für Pressefreiheit und Menschenrechte“. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung ging in diesem Jahr an die Organisation "HateAid“, die gegen Hass im Netz kämpft und Betroffenen Unterstützung bietet.
    Drei Frauen und zwei Männer stehen auf einer Bühne bei einer Preisverleihung.
    Die Verleihung des Günter-Wallraff-Preises 2026 am 8.5.2026 im Deutschlandfunk-Funkhaus. Von links nach rechts: Hektor Haarkötter (INA.e.V), Jule Klemm (HateAid), Marlene Nunnendorf (INA e.V.), Günter Wallraff, Stefanie Zacharias (HateAid). (Deutschlandfunk, Thomas Kujawinski.)
    Aus Anlass des Jubiläums des Forums gab es für das Publikum im Saal, aber auch für die Zuhörerschaft die Möglichkeit, eine Deutschlandfunk-Tasse und ein paar andere Kleinigkeiten zu gewinnen. Zwei der Zuhörerinnen, die gewonnen haben, werden demnächst sogar ins Funkhaus kommen. Sie wollen ihren Gewinn persönlich abholen und sich bei uns umschauen.