Mittwoch, 08. Dezember 2021

FrauenfußballUngleichheit und veraltete Geschlechterrollen

Die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern sind im Fußball größer als in anderen Branchen. Noch immer greifen Vermarktung und Sponsoring veraltete Geschlechterrollen auf. Wie kann der beliebteste Sport weiblicher und damit demokratischer werden? Ein Schwerpunkt anlässlich der Frauen-Fußball-WM.

28.05.2019

Foto aufgenommen durch das Netz eines Fußballtors: Torfrau in einem hellblauen Trikot kniet auf dem Rasen
Torfrau (EyeEm / Flusi Man)

Serie: Frauen im Fußball - Angriff oder Verteidigung

Aktivistin Khalida Popal
Aktivistin Khalida Popal (Ronny Blaschke / Deutschlandfunk)
Mit Fußball gegen kulturelle Barrieren
Seit der Premiere 1991 spielen immer mehr Teams bei der Fußball-WM der Frauen. Dennoch ist der Frauenfußball noch keine wirklich globale Bewegung. In etlichen Regionen, etwa auf dem Balkan, in der arabischen Welt oder in Afrika fehlt es an nachhaltigen Strukturen und es kommt zu Übergriffen.

Daphna Goldschmidt
Daphna Goldschmidt (Deutschlandradio / Blaschke)
Spitzenämter fast unerreichbar
In Politik, Wirtschaft und Kultur bekleiden Frauen längst wichtige Spitzenämter. Im Fußball ist das anders: Aufsichtsräte und Vorstände im deutschen Fußball sind zu mehr als 95 Prozent männlich.

"25 Prozent Frauen in den Gremien"
Seit 2014 ist Sandra Schwedler Aufsichtsrats-Chefin bei St. Pauli. Sie sagt: "Wir haben im Schnitt 25 Prozent Frauen im Stadion, also sollten mindestens 25 Prozent Frauen in den Gremien sein."


Der Gender Pay Gap
2016 wollte der DFB jedem männlichen Nationalspieler 300.000 Euro zahlen, wenn die Mannschaft den EM-Titel geholt hätte. Bei den Frauen wären 37.500 Euro geflossen. Die Einkommenslücke zwischen Spielern und Spielerinnen ist extrem hoch.

Der Trend geht nach unten
In der Frauenfußball-Bundesliga ist der Zuschauerschnitt gesunken, in der Jugend sind weniger Teams angemeldet. Eine der Ursachen: Es fehlen sichtbare Vorbilder, denn Frauenfußball spielt im Fernsehen und im Sponsoring kaum eine Rolle.
Das Foto zeigt Martina Voss-Tecklenburg, Bundestrainerin der Frauen-Nationalmannschaft. Sie kommt vor der Abreise zur Weltmeisterschaft nach Frankreich an.
Exotinnen an der Linie
Im deutschen Männerfußball haben Imke Wübbenhorst und Inka Grings zuletzt für Schlagzeilen gesorgt. Beide Beispiele täuschen darüber hinweg, dass Frauen im Trainingswesen nur eine Nebenrolle spielen.

Die ehemalige US-Fußballnationalspielerin Joanna Lohman, die sich zu ihrer Homosexualität bekannt hat
Der Kampf mit dem Coming-Out
In Deutschland hält ein Drittel der Schwulen und Lesben ihre sexuelle Orientierung am Arbeitsplatz geheim, das berichtet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Noch größer ist das Tabu im Fußball. Auch bei den Frauen, obwohl in vielen Teams viele Spielerinnen lesbisch sind.

FIFA Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2019

Megan Rapinoe, Nationalspielerin der USA
Megan Rapinoe, Nationalspielerin der USA (imago sportfotodienst)
Krieg der Worte
US-Nationalspielerin Megan Rapinoe hat mit einer abschätzigen Äußerung über das Weiße Haus den US-Präsidenten auf den Plan gerufen. Mit drastischen Worten hatte die Spielführerin deutlich gemacht, dass sie überhaupt keine Lust auf einen Besuch bei Donald Trump habe.

Fußball-WM in Frankreich: Das deutsche Team freut sich über ein Tor von Alexandra Popp im Achtelfinale gegen Nigeria.
Fußball-WM in Frankreich: Das deutsche Team freut sich über ein Tor von Alexandra Popp im Achtelfinale gegen Nigeria. (imago / Frederic Chambert )
"In vielen Ländern wird die Arbeit professioneller"
Die Fußball-WM werde in der K.o.-Phase offener, vermutet Taktik-Experte Philipp Eitzinger im Dlf – weil die kleineren, vorsichtiger spielenden Mannschaften bereits ausgeschieden sind. Der Frauenfußball weltweit habe sich weiterentwickelt, doch der deutsche sei nach der Heim-WM 2011 stehengeblieben.

Bernd Schröder
Bernd Schröder (imago sportfotodienst)
Kein Anlass für Euphorie
Man sollte sich nicht von den Ergebnissen täuschen lassen, sagte der langjährige Erfolgstrainer Bernd Schröder nach dem Viertelfinaleinzug der deutschen Mannschaft bei der FIFA Frauen WM. "Es kommen jetzt Gegner, die uns mehr zu schaffen machen."

Das Bild zeigt eine Szene ais dem Frauenfußball-WM-Spiel Südafrika gegen Deutschland. Die deutschen Spielerinnen Alexandra Popp und Marina Hegering freuen sich über ein Tor.
Frauenfußball-WM: Deutschlands Torschützin zum 0:3, Alexandra Popp (l), jubelt neben Marina Hegering (dpa / Sebastian Gollnow)
"Grundsätzlich traue ich den Mädels alles zu"
ARD-Expertin Nia Künzer hofft, dass die deutsche Mannschaft bei der WM in Frankreich zumindest ins Halbfinale einzieht und damit die olympische Qualifikation erreicht. Im Bereich der Ballsicherheit und der Chancenauswertung gebe es noch Luft nach oben..

Lieke Martens (l.) vom FC Barcelona gegen Losada von Atlético Madrid.
Spaniens Fußballerinnen drängen ins Rampenlicht
Der spanische Frauenfußball erhält heute viel mehr Aufmerksamkeit als früher. Ein Spiel zog zuletzt 60.000 Zuschauer an, die Zahl der eingetragenen Spielerinnen steigt - und danach sah es lange Zeit nicht aus.
"Eine vergessene Pioniergeneration"
Die Spielerinnen der SSG 09 Bergisch Gladbach holten 1981 den ersten "WM-Titel" in der Geschichte des Frauenfußballs. In einer Dokumentation erzählt der Regisseur John Seidler das "Underdog-Fußballmärchen" - aus einer Zeit, in der es weder eine weibliche Nationalmannschaft noch eine offizielle Frauen-WM gab.
Nadine Angerer von den Portland Thorns lacht
"Almuth Schult ist die beste Torhüterin der Welt"
Deutschland startete mit zwei Siegen in die WM, übte aber Selbstkritik. Ex-Nationaltorhüterin Nadine Angerer äußerte Verständnis dafür, dass sich das junge Team ins Turnier spielen müsse.
Mädchen vom FC Flerzheim beim Fußballspielen.
Mädchen vom FC Flerzheim (Deutschlandfunk / Jessica Sturmberg)
Ende eines Booms
Etwa 313.000 Mädchen spielen in Deutschland Fußball im Verein. Vor ein paar Jahren waren es – beflügelt durch Männer- und Frauen-WM im eigenen Land – schon mal 340.000. Die Gründe für den Rückgang der aktiven Jugendspielerinnen sind vielschichtig.