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StartseiteWirtschaft am MittagUmstieg auf E-Autos gefährdet Arbeitsplätze05.06.2018

Fraunhofer-Studie Umstieg auf E-Autos gefährdet Arbeitsplätze

Der Umstieg auf E-Mobilität in Deutschland könnte bis 2030 zum Wegfall von 75.000 Arbeitsplätzen führen, so das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer Instituts. Die IG Metall fordert deswegen Politik und Wirtschaft auf, Anreize zu setzen, dass Innovationskraft für E-Mobilität in Zukunft auch aus Deutschland kommt.

Von Brigitte Scholtes

Motorenfertigung im VW-Motorenwerk Chemnitz (picture alliance / dpa / Jürgen Lösel)
Unter Zugzwang: Die Politik müsse Anreize dafür setzen, dass die Batteriezellen der nächsten Generation in Deutschland gefertigt werden, fordert die IG Metall (picture alliance / dpa / Jürgen Lösel)
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Es sind drei Szenarien, die das Fraunhofer-Institut in seiner Studie für die IG Metall untersucht hat. Doch allein die vorsichtigste Annahme, dass bis 2030 25 Prozent der PKW rein elektrisch angetrieben werden, könnte zum Wegfall von 75.000 Arbeitsplätzen führen - und das nur in der Antriebstechnik, in der heute noch 210.000 Menschen arbeiten. Dabei sind 25.000 Jobs schon eingerechnet, die neu entstehen könnten.

Für den langen Zeitraum von zwölf Jahren klingt das zunächst nicht so schlimm, doch einzelne Standorte und Regionen könnten besonders stark betroffen sein. Etwa bei Bosch, erklärt Hartmut Geisel, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Autozulieferers. Da seien allein 30.000 Menschen in der Sparte Verbrennungsmotor beschäftigt, davon 5.000 etwa im strukturschwachen Homburg an der Saar.

Neun von zehn Arbeitsplätzen könnten betroffen sein

"Das Unternehmen Bosch schätzt ein, der Technologiewandel von den Produkten, die Bosch für den Dieselmotor herstellt, also das Produkt, was Bosch dann für die Elektromobilität herstellt, ist zehn zu eins, dass also von zehn bisherigen Arbeitsplätzen dann ein Arbeitsplatz noch übrig bleibt hier in Deutschland."

Diese Wertschöpfung fehlt dann - und nicht nur in der Autoindustrie, sondern auch in anderen Branchen, meint IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Und neben der Elektromobilität gebe es auch noch andere Umbrüche wie etwa die Automatisierung oder die Digitalisierung in der Industrie.

"Das heißt, wir haben eine Vielzahl von Treibern, die da in den nächsten Jahren massiv auf Veränderungen wirken werden, und die Frage, wie kann man die Beschäftigten sicher und auch mit Perspektive in die Arbeitswelt einer möglichst dekarbonisierten und auch digitalen Gesellschaft bringen - das ist die Herausforderung, die man bewältigen muss."

"Innovationszentrum von Elektromobilität nach China verlagert"

Die IG Metall fordert deshalb zum einen die Unternehmen auf, sich frühzeitig auf diese neuen Strukturen einzustellen, etwa durch Qualifizierung. Aber auch die Politik müsse handeln: Denn kleinen und mittleren Unternehmen fehle es oft an finanziellen Mitteln, um in die Umstrukturierung zu investieren - und noch mehr.

"Dass das an Grenzen stößt dort, wo es uns heute auch in Großunternehmen an ausreichenden Instrumenten fehlt, berufliche Neuorientierung und auch durchzusetzen, was uns an Infrastruktur im Bildungssystem fehlt, dass Weiterbildung und neue berufliche Orientierung möglich wird auch für alle. Das sind Rahmenbedingungen, die mitwirken, um die Fragen sozial verträglich - ja oder nein - gestaltbar deutlich mit entscheiden."

Die Politik müsse auch Anreize setzen dafür, dass die Batteriezellen der nächsten Generation in Deutschland gefertigt werden. Das dürfe die deutsche Industrie nicht verschlafen, sagt IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, sonst hätte das gravierende Folgen für die deutsche Wirtschaft.

"Wenn die nicht kommt, dann befürchte ich eins: Dann wird sich das Innovationszentrum von Elektromobilität nach China verlagern, und das könnte dann auch langfristig dazu führen, dass innovative Elektrofahrzeuge von China nach Europa exportiert werden und nicht das heutige Modell gilt: Innovationskraft findet in Europa statt."

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