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Vor 225 Jahren
Der Friede von Campoformio beendet den Ersten Koalitionskrieg

1797 endete mit dem Frieden von Campoformio der langjährige Krieg zwischen der Französischen Republik und der restaurativen "Koalition". Von Dauer war er nicht. Vielmehr bildete er den Auftakt zur besonders gewalterfüllten napoleonischen Epoche.

Von Bert Oliver Manig | 17.10.2022

Friede von Campo Formio 1797 Französische Revolutionskriege / Holzstich von Georges Perrichon (gest. 1907) nach Felix Philippoteaux (1815- 1884).
Die Verhandlungen mit dem österreischen Verhandlungsführer Ludwig Graf Cobenzl setzten Napoleon Bonaparte (rechts im Bild) zu - bei den Verhandlungen ging versehentlich ein Porzellan zu Bruch. In seinen Memoiren stellt der Franzose dies als kalkulierten Affront seinerseits dar. (picture-alliance / akg-images)
Die Französische Revolution von 1789 setzte ungeheure Energien frei. Niemand verkörperte die neue Dynamik mehr als Napoleon Bonaparte. Der junge, charismatische General brachte auf dem italienischen Kriegsschauplatz zahlenmäßig überlegenen österreichischen Truppen Niederlage um Niederlage bei. Fünf Jahre, nachdem eine Allianz reaktionärer Mächte damit gedroht hatte, Paris in Schutt und Asche zu legen, standen Bonapartes Truppen 150 Kilometer vor Wien. Im April 1797 willigte Kaiser Franz II. in einen Waffenstillstand ein.
Der lang ersehnte Frieden war in Sichtweite. In Paris entstand ein patriotischer Personenkult um den erst 27 Jahre alten Bonaparte:
„Ruhm dem Sieger von Italien!
Ruhm dem Helden des Universums!
Ihr kämpftet für den Sieg,
Er kämpfte für den Frieden!“

Österreichs Verhandlungsführer: mit allen Wassern gewaschen

Die Friedensverhandlungen, die im Herbst 1797 in der Nähe von Udine stattfanden, führte Bonaparte selbst. Doch hier erwiesen sich die Österreicher als weit hartnäckigere Widersacher als auf dem Schlachtfeld. Ihr Verhandlungsführer, Ludwig Graf Cobenzl, war ein mit allen Wassern gewaschener Diplomat.
Selbst die Drohung mit einer Fortsetzung des Krieges verstand Cobenzl in ein gefälliges Kompliment an Bonaparte zu kleiden:
„Der Kaiser wünscht den Frieden, aber er fürchtet auch den Krieg nicht. Was mich angeht, so bleibt mir wenigstens die Genugtuung, die Bekanntheit eines ebenso berühmten wie interessanten Mannes gemacht zu haben.“
Die Österreicher hatten es tatsächlich nicht nötig, Frieden um jeden Preis zu schließen. Der russische Zar schickte sich an, ihnen zu Hilfe zu kommen. Auch war die Einnahme Wiens kein Kinderspiel, wie Bonaparte besser als jeder andere wusste.

Friedensvertrag 1797 – ein kühl berechnetes Geschäft

Das zähe Gefeilsche um die Friedensbedingungen zerrte an seinen Nerven. Am 16. Oktober verließ er wütend den Verhandlungstisch in Cobenzls Quartier in Udine. Dabei ging versehentlich ein Teil des Porzellans zu Bruch, das der Diplomat einst von Zarin Katharina der Großen geschenkt bekommen hatte. In seinen Memoiren stellte Bonaparte diesen Eklat als kalkulierten Affront dar. Er will ausgerufen haben:
„Gut! So ist also der Waffenstillstand gebrochen und der Krieg erklärt! Aber denken Sie daran, dass ich, bevor der Herbst zu Ende geht, Ihre Monarchie zerschmettern werde, wie ich dieses Porzellan zerschmettere.“
Doch der am 17. Oktober 1797 geschlossene Friedensvertrag war nicht das Ergebnis hitziger Drohgebärden, sondern ein kühl berechnetes Geschäft. Kaiser Franz verzichtete auf Belgien und die Lombardei; als sehr großes Trostpflaster erhielt Österreich Venedig und dessen Besitz in Istrien und Dalmatien, wurde also Seemacht. Die Opferung der neutralen Republik Venedig war skrupelloser Länderschacher. Auch Geheimklauseln, mit denen Frankreich die linksrheinischen Gebiete und Österreich das Erzbistum Salzburg samt dem bayrischen Wasserburg zugeschanzt wurden, waren kein Ruhmesblatt – am wenigsten für Kaiser Franz, der hier nicht als Oberhaupt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, sondern als Mehrer des Hauses Habsburg handelte.
Sein aufs Abstellgleis gestellter Außenminister Graf Thugut schimpfte daher über den Friedensvertrag:
Niemand sorgt sich um die Ehre der Monarchie und was aus ihr in 10 Jahren geworden sein wird, wenn man nur jetzt auf die Redoute laufen und in aller Ruhe sein Backhähndl verspeisen kann. Wie soll man mit solchen Gefühlen der Energie eines Bonaparte Widerstand leisten?“

Napoleon will den Umsturz der internationalen Ordnung

Der Frieden von Campoformio – benannt nach dem Heerlager der Österreicher nahe Udine – hatte kaum länger als ein Jahr Bestand. Das lag am Hass der europäischen Reaktionäre auf die Französische Republik, aber auch an den Ambitionen Napoleon Bonapartes. Als er am 10. Dezember 1797 den Friedensvertrag der Regierung im Hof des Palais du Luxembourg übergab, deutete er zum ersten Mal öffentlich an, was von ihm zukünftig zu erwarten war – nämlich der komplette Umsturz der innenpolitischen wie der internationalen Ordnung unter dem Vorwand von Freiheit und Vernunft:
„Wenn einmal das Glück des französischen Volkes auf die besten Gesetze gegründet sein wird, dann wird auch ganz Europa frei werden.“