Fahrausbildung
Wie der Führerschein günstiger werden soll

Der Pkw-Führerschein gilt als zu teuer. Das Bundesverkehrsministerium will die Kosten mit einer Reihe von Maßnahmen senken – ohne die Verkehrssicherheit zu schmälern. Was genau ist geplant?

    Ein deutscher Führerschein ragt aus einer Hosentasche.
    Bund und Länder sind sich einig, dass der Führerschein günstiger werden soll, ein konkreter Zeitpunkt ist aber noch offen (picture alliance / Michael Bihlmayer )
    „Der Führerschein insgesamt ist einfach zu teuer“, sagt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) – vor ein paar Jahren noch kostete die Fahrerlaubnis deutlich weniger. Mit einer Reform der Fahrausbildung will die Bundesregierung die Kosten nun reduzieren. Das Vorhaben wird viel diskutiert: von Fahrlehrern, Verkehrsclubs und Fahrschülern.

    Die Kosten für den Führerschein: 3.400 Euro und mehr

    Laut Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder kostet der Weg zum Führerschein der Klasse B inzwischen im Schnitt 3.400 Euro; in manchen Regionen auch mehr. Mit dieser Führerscheinklasse dürfen Autos und kleine Transporter gefahren werden.
    Für eine Familie mit zwei Jugendlichen, die beide fahren lernen wollen, ist das häufig kaum zu finanzieren. Auch entscheide der Führerschein gerade im ländlichen Raum oft über gesellschaftliche oder berufliche Chancen, betont Schnieder. Mobilität bedeute gesellschaftliche Teilhabe und dürfe „kein Privileg sein“. 

    Die Ursachen für die hohen Kosten

    Gründe für den deutlichen Anstieg der Führerschein-Kosten gibt es einige. Der Fahrlehrerverband des Saarlandes verweist auf steigende Lohn- und Lohnnebenkosten, erhöhte Ausgaben für den Fahrzeugerwerb, Kraftstoffpreise, Steuern und Abgaben, Mietkosten sowie Versicherungen.
    Auch Fahrschüler selbst verursachen mitunter höhere Kosten. Laut der Fahrlehrerin Jenny Hören haben sich die Lernvoraussetzungen bei den Fahrschülern verändert – Vorkenntnisse und motorische Geschicklichkeiten hätten sich verringert.
    In der Folge sind dann mehr Fahrstunden nötig als früher. Und wer die praktische Prüfung nicht gleich beim ersten Mal schafft, muss ohnehin wegen zusätzlicher Fahrstunden und den Gebühren für eine weitere Prüfung tiefer in die Tasche greifen. 

    Wie die Fahrausbildung günstiger werden kann

    „Unser Kernziel ist, dass wir weniger Bürokratie wollen – dass wir mehr Flexibilität wollen, mehr Digitalisierung“, betont Verkehrsminister Schnieder. Sein Konzept sieht verschiedene Maßnahmen vor: 
    • Keine Präsenzpflicht mehr für die Theorieausbildung. Das nötige Wissen sollen sich Fahrschülerinnen und -schüler auf digitalem Wege, etwa per App, aneignen können. Dementsprechend sollen Fahrschulen auch keine Unterrichtsräume mehr haben müssen.
    • Der Fragenkatalog für die Theorie soll um ein Drittel gekürzt und auf Verkehrssicherheit fokussiert werden. Derzeit umfasst er etwa 1200 Fragen.
    • In der Praxis sollen die Sonderfahrten reduziert werden. Laut Bundesverkehrsminister Schnieder soll es mindestens je eine der drei verschiedenen Sonderfahrten geben. Die Anzahl hänge aber letztlich vom „Lernstand der Schüler“ ab. Derzeit müssen Fahrschülerinnen und -schüler mindestens fünf Fahrstunden von 45 Minuten auf Bundes- und Landstraßen absolvieren, vier Fahrstunden auf der Autobahn und drei bei Dämmerung oder Dunkelheit. Sichere Fahrschüler könnten hier also im besten Fall neun Fahrstunden einsparen.
    • Fahrsimulatoren sollen verstärkt eingesetzt werden.
    • Die praktische Prüfung soll kürzer werden, die Fahrzeit nur noch 25 Minuten betragen. Derzeit dauert die praktische Prüfung 55 Minuten, inklusive Sicherheitskontrollen und der Nachbesprechung.
    • Eine „Laienausbildung“ wie in Österreich soll getestet werden. Das heißt: Schüler fahren in Begleitung von erfahrenen Verkehrsteilnehmern aus dem persönlichen Umfeld. Das ist vergleichbar mit dem „begleiteten Fahren mit 17“, das es bereits gibt, aber eben schon vor der eigentlichen Fahrprüfung, als Teil der praktischen Fahrausbildung.
    • Es soll mehr Transparenz bei den Preisen und Erfolgsquoten der verschiedenen Anbieter geben. So ist etwa eine bundesweite Datenbank geplant, in der die Preise aller Fahrschulen verglichen werden können und bei der einsehbar ist, wie gut die Schüler bei den Prüfungen abschneiden. 

    Warum die Pläne aus dem Verkehrsministerium kontrovers diskutiert werden

    Umstritten ist, inwieweit Ausbildungselemente aus Österreich auf Deutschland übertragen werden können - denn die Verkehrsdichte unterscheidet sich. Auch sei die Mentalität der deutschen Autofahrer eine andere, meint Bernd Brenner, Vorsitzender der Bundesgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten. Er fürchtet, dass Fahrer von Fahrzeugen mit einem „L17“-Kennzeichen wenig respektiert würden.
    Auch müssten Fahrschüler vor einer Laien-Ausbildung bereits sicher beim Fahren sein. Dafür sind in den Reformplänen derzeit sechs Unterrichtseinheiten in der Fahrschule vorgesehen. Das werde aber in vielen Fällen nicht ausreichen, meint Marc-Philipp Waschke vom Autoclub Europa ACE.

    Warnung vor gefährlichen Situationen

    Es gebe Fahrschüler, die könnten nach sechs Unterrichtsstunden noch nicht einmal vernünftig lenken, sagt die Fahrlehrerin Jenny Hören. Zudem könnten Fahrlehrkräfte in einem speziell ausgerüsteten Fahrschulauto bei einer brenzligen Situation besser eingreifen. Das sei in einem „normalen“ Auto bei der Laienausbildung nicht möglich und könne zu gefährlichen Situationen führen. 
    Schließlich seien Fahrlehrer darauf spezialisiert, mit den Schülern spezielle Blicktechniken und Kontrollmechanismen einzuüben, erklärt Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Dadurch könnten die Schüler auch lernen, eine mögliche Gefahrensituation frühzeitig zu erkennen.

     Mehr Chancen für das Bestehen der Prüfung

    Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung. Noch sei das in der deutschen Fahrschulausbildung ein unterbelichtetes Thema, sagt die Psychologin Bianca Bredow vom Institut für Prävention und Verkehrssicherheit. Im Ausland mache Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung teilweise bis zur Hälfte der Ausbildungszeit aus. Ein Langzeitversuch des Instituts konnte nachweisen, dass Fahrschüler mit diesem Ausbildungsschwerpunkt eine dreifach höhere Chance hatten, die praktische Prüfung zu bestehen.

    Onlinetext: Catherine Shelton / Quellen: Deutschlandfunk, Agenturen