Freitag, 02. Dezember 2022

Erdgas, Erdöl, Kohle und Uran
Welche Rohstoffe hat Deutschland?

Um seinen Energiebedarf zu decken, ist Deutschland aktuell auf Öl und Gas aus dem Ausland angewiesen. Doch welche Bodenschätze lagern eigentlich noch in Deutschland? Und zu welchem Preis könnte man die Rohstoffe abbauen?

11.11.2022

    Ein Schaufelradbagger arbeitet im Braunkohletagebau Garzweiler. Im Hintergrund ist die Ortschaft Lützerath zu sehen.
    Deutschland hat vor allem große Reserven an Kohle – das meiste davon soll aber im Boden bleiben (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)
    Deutschland stellt sich auf Engpässe bei der Energieversorgung ein: Kohlekraftwerke wurden aus der Reserve geholt, Atomkraftwerke werden nicht wie geplant abgeschaltet.
    Hintergrund der Maßnahmen ist, dass Russland seit Beginn des Angriffskrieges seine Gaslieferungen zurückgefahren hat. Deutschland muss daher sparsamer mit Gas umgehen als zuletzt, doch Haushalte sind beim Heizen zum Großteil auf Gas angewiesen und auch in industriellen Prozessen kann Gas nicht ohne Weiteres ersetzt werden.
    Deutschland hat durchaus eigene Ressourcen, aus denen Energie gewonnen werden könnte. Doch die Vorkommen bestehen vor allem aus Kohle – aus Klima- und Umweltsicht keine gute Wahl. Ein Überblick zu deutschen Bodenschätzen.

    Der Energiegehalt deutscher Bodenschätze in Terawattstunden

    Die Grafik stellt den Energiegehalt der deutschen Bodenschätzen in Bezug, gemessen in Terawattstunden (TWh). Die Werte lauten: 
Deutscher Primärenergieverbrauch 2021: 3.390 TWh
Erdgas: 147,8 TWh Reserve, 14.360 TWh zus. Ressource
Erdöl: 197 TWh Reserve, 2.790 TWh zus. Ressource
Braunkohle: 84.239 TWh Reserve, 89.100 TWh zus. Ressource
Uran: 798 TWh zus. Ressource
Steinkohle: 608.000 TWh zus. Ressource
    Deutschlands Energie-Ressourcen und zusätzliche Reserven (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

    Wie groß sind die Erdgasreserven in Deutschland?

    Zum Jahresende 2021 gab es nach Schätzungen des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie noch eine Reserve von 14 bis 32 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Deutschland, das nach konventionellen Methoden gefördert werden kann – und das auch gefördert wird.
    Das Gas lagert in Sandstein tief in der Erde unterhalb der Grundwasservorkommen und kann durch konventionelles Fracking gewonnen werden. Dabei wird mit Chemikalien versetztes Wasser in die Gesteinsschichten gepumpt. Das Verfahren wird – anders als das umstrittene unkonventionelle Fracking – seit vielen Jahrzehnten in Deutschland angewendet.
    In den vergangenen Jahren wurden jährlich etwa fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert, die Bestände würden dafür also noch drei bis sechs Jahre reichen. Die deutsche Förderung deckt allerdings ohnehin gerade einmal gut fünf Prozent des deutschen Verbrauchs ab. Rund 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas hat Deutschland in den vergangenen Jahren pro Jahr verbraucht.
    Dass die Förderung so gering ausfällt, liegt daran, dass die Lager inzwischen erschöpft sind. Zwischen 1975 und 2004 wurden jährlich ungefähr 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Deutschland gefördert. Seitdem ist die Fördermenge allerdings Jahr für Jahr stetig zurückgegangen.
    Bodenschätze: Der Unterschied zwischen Reserven und Ressourcen

    Bei Bodenschätzen ist natürlich nicht nur relevant, ob sie vorhanden sind. Relevant ist auch, ob man technisch in der Lage ist, die Bodenschätze abzubauen und ob das auch wirtschaftlich wäre. Wenn beides der Fall ist, dann zählen die Rohstoffe zur Reserve. Darüber hinaus gibt es aber natürlich auch Rohstoffe, die man technisch noch nicht erschließen kann, deren Abbau sich nicht lohnt – oder deren Existenz man sogar auch nur vermutet. Diese Rohstoffe zählt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe als Ressourcen.

    Sowohl die Menge der Reserven als auch der Ressourcen kann sich mit der Zeit verändern. Wenn es ausreichend Hinweise auf bisher unbekannte Lagerstätten gibt, können diese zu den Ressourcen gezählt werden. Ebenso könnte technischer Fortschritt den Abbau in bisher unerreichbaren Lagerstätten ermöglichen – so würden aus Ressourcen dann Reserven. Für die politische Debatte ist die Reserve die deutlich relevantere Kennzahl. Denn diese Rohstoffe könnten in absehbarer Zeit tatsächlich abgebaut und gewinnbringend verwertet werden.

    Wieviel Gas lagert in Deutschland in der Nordsee?

    Weiteres Erdgas lagert vor der deutsch-niederländischen Küste unter dem Meer. 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas werden hier im Grenzgebiet auf der See vermutet. Ab 2024 könnten nach Schätzungen jährlich fünf Milliarden Kubikmeter gefördert werden – die Hälfte davon, also 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas würde dann nach Deutschland fließen.
    Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, dass sie die völkerrechtlichen Voraussetzungen schaffen möchte, damit das Gas in der Grenzregion abgebaut werden kann. Seit dem Sommer 2022 sei man in Verhandlungen mit den Niederlanden, teilte die Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am 13. Oktober 2022 mit.
    Und unter der Nordsee werden auch weitere Erdgasvorkommen vermutet. Doch diese zu finden und zu erschließen, nimmt erhebliche Zeit in Anspruch. Unternehmen, die früher nach Lagerstätten gesucht haben, haben ihr Engagement in diesem Bereich heruntergefahren. Denn Gasförderprojekte stoßen oft auf Widerstand – und hatten bis zuletzt auch kaum noch politischen Rückhalt.
    Schließlich peilt die Europäische Union die Klimaneutralität bis 2050 an. Und Niedersachsen hat sich per Gesetz verpflichtet, bis 2040 die Energieversorgung auf Erneuerbare umzustellen. „Da wird es wenig Sinn machen, in acht Jahren oder in zehn Jahren mit einer Förderung zu beginnen, die man dann nur acht oder zehn Jahre vorhalten kann“, sagte der ehemalige niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) im Frühjahr 2022 zum Deutschlandfunk. Die niedersächsische Große Koalition hatte kurz vor Ende ihrer Amtszeit dennoch ihre Zustimmung zum Erdgas-Projekt mit den Niederlanden gegeben. Doch nach der Landtagswahl im Oktober 2022 sondiert die SPD mit den Grünen – und die sind entschieden gegen die Erdgas-Förderung.
    14 bis 32 Milliarden Kubikmeter Erdgas liegen in Lagerstätten, aus denen in Deutschland aktuell gefördert wird. Jährlich werden 5 Mrd. Kubikmeter gefördert. 30 Milliarden Kubikmeter könnte Deutschland aus einem Vorkommen in der Grenzregion zu den Niederlanden erhlatne. Deutschland verbraucht aktuell pro Jahr etwa 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas. In Schiefergesteinen liegen weitere 380 bis 2340 Milliarden Kubikmeter Erdgas, im Mittel geschätzt auf 700 Milliarden Kubikmeter.
    Deutschlands Erdgasreserven (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

    Weitere Erdgasvorkommen durch unkonventionelles Fracking?

    In Deutschland gibt es durchaus noch große Vorkommen von Erdgas. Diese lagern allerdings überwiegend in Schiefergestein, deutlich näher an der Erdoberfläche und damit auch näher am Grundwasser. Um sie zu fördern, müsste man unkonventionelles Fracking anwenden – das ist allerdings seit 2017 in Deutschland verboten. Die weiteren Vorkommen gelten daher aktuell nicht als Reserve, sondern lediglich als Ressourcen.
    Bei unkonventionellem Fracking würde mit anfangs hohem Druck Frackflüssigkeit in die Gesteinsschichten gepumpt, um diese aufzubrechen. Es müsste mehr Flüssigkeit eingesetzt werden als bei konventionellem Fracking und der Vorgang müsste häufiger wiederholt werden.
    Sollte Deutschland das Verbot zur Debatte stellen, könnte das den Zugang zu enormen Mengen Erdgas eröffnen. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover könnten in Deutschland 380 bis 2340 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Schiefergestein gefördert werden, im Mittel erwarten die Autoren 700 Milliarden Kubikmeter.
    Die große Spannweite zeige allerdings auch die großen Wissenslücken und die Unsicherheit auf, sagt der Geologe Stefan Ladage, der die Studie zusammen mit einem Team verfasst hat. „Das sind technische Ressourcen, die wir ermittelt haben. Das heißt, aus geowissenschaftlicher und technischer Sicht könnten es in dieser Größenordnung sein. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Ressourcen auch tatsächlich wirtschaftlich erschließbar wären“, sagt Ladage. Die größten Vorräte liegen der Studie zufolge in Niedersachsen. Es gibt jedoch beispielsweise auch Vorkommen im Oberrheingraben in Südwesten des Landes oder in Nordrhein-Westfalen.
    Und es gibt auch noch Erdgasressourcen in Kohleflözen. Auch hier müsste unkonventionelles Fracking angewendet werden. Insgesamt schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe die Erdgasressourcen auf 1.360 Milliarden Kubikmeter. Den aktuellen deutschen Jahresverbrauch von 90 Milliarden Kubikmetern Erdgas könnte das über 15 Jahre lang vollständig abdecken.

    Welche Probleme wären mit der Erdgas-Förderung per Fracking verbunden?

    2017 wurde unkonventionelles Fracking in Deutschland verboten. Das Verbot gründete sich auf fehlende Erfahrung und drei potentielle Gefahren: das unkontrollierte Freisetzen des Treibhausgases Methan, die Verschmutzung von Grundwasser und von Oberflächengewässern und das Auslösen von Erdbeben. Um diese Risiken beurteilen zu können, rief die damalige Bundesregierung eine Expertenkommission ins Leben, die 2021 ihren Abschlussbericht vorlegte – zusammengetragen aus dem Wissen anderer Länder.
    Das Ergebnis der Kommission: Es sei möglich, die Risiken auf ein Minimum zu reduzieren. Unter anderem durch eine genaue Vorabuntersuchung potentieller Standorte. So sollten beispielsweise Gebiete mit zu hoher Erdbebentätigkeit ausgeschlossen werden. Anderswo könne man passende Überwachungssysteme etablieren. Auch durch technischen Fortschritt können die Risiken weiter minimiert werden. Inzwischen gibt es beispielsweise Frack-Flüssigkeiten, die als nicht umweltgefährdend eingestuft werden. Restrisiken blieben aber immer.
    Und klar ist auch: Eine Lösung für die akute Energieknappheit bietet Fracking-Gas nicht. Denn es bräuchte zunächst eine gesellschaftliche Diskussion, dann Gesetzesänderungen, weitere Erkundungen und Probebohrungen – und das dauert. Nach zwei bis vier Jahren wäre eine Förderung möglich – frühestens.
    Und natürlich stehen der Förderung auch die Klimaziele entgegen. Nach einer Studie des Energie- und Umweltökonomen Dan Welsby aus dem Jahr 2021 müssen circa 60 Prozent der bekannten globalen Erdgasreserven im Boden bleiben, um das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen zu können. Dafür müsse die Gas-Förderung jährlich etwa drei Prozent zurückgehen.

    Wieviel Erdöl lagert in Deutschland?

    Zum Jahresende 2021 gab es nach Schätzungen des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie noch 17 bis 23 Millionen Tonnen Erdöl in Deutschland. Fast zwei Millionen Tonnen wurden in den vergangenen Jahren jährlich gefördert, Tendenz rückläufig. Der größte Teil der Erdölreserven lagert im Norddeutschen Becken, vor allem in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
    In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland allerdings jährlich 90 bis 100 Millionen Tonnen Erdöl verbraucht. Die eigene Förderung deckt also nur etwa zwei Prozent des Verbrauchs ab – und die sicher und wirtschaftlich erschließbaren Vorkommen würden gerade einmal für ein Vierteljahr reichen.
    Über die Reserve hinaus gibt es in Deutschland Vorkommen, die zwar ansatzweise bekannt, aber technisch und wirtschaftlich nicht erschließbar sind. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt zusätzliche 240 Millionen Tonnen Erdöl. Aber selbst diese Menge würde den deutschen Verbrauch nur für gute zwei Jahre abdecken.
    Grafik zeigt Erdölbestände und -verbrauch in Deutschland
    Erdölbestände und -verbrauch in Deutschland (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

    Wieviel Kohle lagert in Deutschland?

    Hier liegen noch üppige Vorkommen in Deutschland. Auf über 35.000 Millionen Tonnen Braunkohle schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe die Reserve im Boden. In dieser Kohle steckt so viel Energie, dass man damit den aktuellen deutschen Stromverbrauch etwa 150 Jahre lang abdecken könnte. Dafür bräuchte es aber dann auch die entsprechende Infrastruktur für den Abbau und die Verstromung. Und man müsste erhebliche Schäden an Klima und Umwelt in Kauf nehmen.
    Der Ausstieg aus der Kohle ist beschlossen – und auch die Energieknappheit führt da bisher nicht zu einer größeren Kursänderung. Die Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass die Kohleverstromung „idealerweise“ bis 2030 beendet werden soll.
    Grafik zeigt Braunkohlevorkommen und -verbrauch in Deutschland
    Braunkohlevorkommen und -verbrauch in Deutschland (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
    Der Energiekonzern RWE hat am 4.10.2022 bereits bekannt gegeben, seine Braunkohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2030 abzuschalten. Zwei Kraftwerksblöcke, die eigentlich Ende 2022 abgeschaltet werden sollten, bleiben wegen der Knappheit aber jetzt mindestens bis Ende März 2024 am Netz. Anschließend würden sie auf Reserve gehalten. Zur Abmachung zwischen RWE und Nordrhein-Westfalen zählt aber auch, dass Lützerath noch für den Braunkohle-Abbau weichen muss.
    Braunkohle ist der klimaschädlichste Rohstoff, den Deutschland für seine Stromerzeugung nutzt. Nach Daten des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) entsteht bei der Verfeuerung von einer Tonne Rohbraunkohle etwa eine Tonne CO2. Das ist zwar weniger als bei einer Tonne Steinkohle, weil Steinkohle pro Gewichtseinheit mehr Kohlenstoff als Braunkohle enthält. Eine Tonne Steinkohle wirft aber auch deutlich mehr Strom ab.
    In der Praxis bezieht man Vergleiche von Energierohstoffen üblicherweise nicht auf das Gewicht des Rohstoffs, sondern auf die Energie, die man damit erzeugen kann. Eine in Deutschland übliche Einheit dafür ist die Tonne Steinkohleeinheit, kurz t SKE, definiert als die Energiemenge, die beim Verbrennen von einer Tonne einer (hypothetischen) Steinkohle mit einem Heizwert von exakt 7.000 kcal/kg frei wird. (*)
    Pro verbrannter Tonne SKE entstehen bei verschiedenen Brennstoffen die folgenden CO2-Emissionen
    • Braunkohle 3,25 t
    • Steinkohle 2,68 t
    • Erdöl 2,30 t
    • Erdgas 1,50 t
    (Quelle: BUND)

    Deutsche Steinkohle zählt nicht zur Reserve

    Auch aus Steinkohle wird in Deutschland noch Strom produziert – doch die Kohle dafür wird inzwischen vollständig importiert. 2018 wurden die letzten deutschen Steinkohle-Bergwerke stillgelegt. Der Abbau in Deutschland konnte wirtschaftlich schon lange nicht mehr mit den Weltmarktpreisen konkurrieren, denn die deutsche Steinkohle liegt in über 1.000 Metern Tiefe. Hierzulande gelten außerdem hohe Sozial-, Sicherheits- und Arbeitsstandards. Deshalb ist es billiger, sie per Schiff um die halbe Welt zu schicken, als sie von der Zeche nebenan zu holen.
    Die deutsche Steinkohle zählt daher nicht mehr zur Reserve. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt, dass noch 83.000 Millionen Tonnen Steinkohle in Deutschland im Boden liegen. Mit so viel Steinkohle ließen sich theoretisch 680.000 Terawattstunden Strom erzeugen. Das würde den aktuellen Strombedarf für über 1.000 Jahre abdecken.
    Doch auch wenn Deutschland keine Steinkohle mehr abbaut, laufen die Kosten für den Steinkohleabbau weiter – und zwar ewig. Denn die ehemaligen Schächte, Gruben und Stollen füllen sich täglich mit Wasser. Riesige Pumpen sind notwendig, damit ehemalige Abbaugebiete nicht zu einer Seenplatte werden.
    Und auch aus der Verstromung von Steinkohle möchte Deutschland schließlich aussteigen. Langfristig sollen erneuerbare Energien die Stromversorgung sicherstellen. (*)

    Wieviel Uran lagert in Deutschland?

    Auch Uran liegt in Deutschland unter dem Boden. Im Jahr 1991 wurde die Förderung allerdings eingestellt - die bekannten und vermuteten Vorkommen waren da fast vollständig abgebaut, 220.000 Tonnen Uran hatte man zuvor zu Tage gefördert. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt, dass noch 7.000 Tonnen Uran vorhanden sind, zählt diese aber lediglich als Ressource und nicht als Reserve.
    Theoretisch ließen sich aus dem Uran etwa 798 Terawattstunden Strom produzieren. Damit könnte man den aktuellen deutschen Stromverbrauch für etwa 17 Monate decken. Vom Abbau des Urans bis zum Einsatz in einem Atomkraftwerk ist es allerdings ein weiter Weg. Brennstäbe müssen zuvor passgenau für die jeweiligen Reaktortypen produziert werden.

    Deutschland auf dem Weg zum Atomausstieg

    Bundeskanzler Olaf Scholz hat Mitte Oktober 2022 ein Machtwort im Streit um den Atomausstieg gesprochen: Die drei noch aktiven Atomkraftwerke in Deutschland dürfen bis zum 15. April 2023 weiterlaufen. Danach soll Schluss sein mit Atomstrom aus Deutschland. Ein Wiedereinstieg in den Abbau von Uran ist daher sicherlich ein ziemlich abwegiges Szenario.
    Quellen: Dagmar Röhrlich, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V., BDEW, Statista, dpa, pto

    (*) Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle wurde ein Einheitenfehler korrigiert: Eine Energiegröße war irrtümlich in der Masseneinheit Tonne (t) angegeben, statt in Tonne Steinkohleeinheit (t SKE). Im Zuge der Korrektur haben wir auch die Verständlichkeit der Passagen verbessert.