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Golfstaaten
Angst vor einem starken Iran

Israel und die arabischen Golfstaaten fürchten schon lange eine schiitische Vormachtstellung durch den Iran in der Region. Der Konkurrenzkampf um den Einflussbereich rund um den persischen Golf und die Levante wird immer aggressiver. Sowohl Saudi-Arabien als auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben aufgerüstet.

Von Reinhard Baumgarten | 06.06.2015

    Der neue saudische König Salman bin Abdul-Aziz al-Saud bei einer Trauerfeier für seinen Vorgänger Abdullah.
    Saudischer König Salman bin Abdul-Aziz al-Saud: Riad verfolgt knallharte Wirtschaftsinteressen in der Region. (picture alliance / dpa / Yoan Valat)
    Die Aufrüstung der Golfaraber hat mächtig zugelegt, seitdem Washington und Teheran im Zuge der Atomgespräche aufeinander zugehen. Vor allem Riad ist gegenüber einer möglichen Einigung im Atomstreit extrem skeptisch.
    "Vergessen sie nicht", versuchte US-Präsident Obama jüngst die Führer der arabischen Golfstaaten zu beschwichtigen, "dass ein atomar bewaffneter Iran potenziell erheblich gefährlicher und rücksichtsloser wäre."
    Der Iran weite seinen Einfluss immer weiter, so die Befürchtung der Golfaraber. Irak, Syrien, Libanon und der Jemen seien dafür beredte Beispiele. Teheran bestreitet, auf Kosten seiner arabischen Nachbarn nach Vorherrschaft im Nahen Osten zu streben.
    Die Sicherheit im Persischen Golf nutze allen, wirbt Irans starker Mann, Ayatollah Ali Khamenei, dessen Sicherheit sei aber allein die Aufgabe derer, die dort lebten.
    "Die USA haben im Persischen Golf nichts verloren und sie dürfen hier auch keine Verbündete anwerben."
    Noch sehen die USA das anders. Noch ist die Fünfte US-Flotte im Persischen Golf stationiert. Noch verkaufen die USA wie kein zweites Land Waffen in die Region. Doch das Band wird schwächer. Nur widerspenstig sind unlängst Vertreter des Golf-Kooperationsrats einer Einladung Barack Obamas nach Camp David gefolgt.
    "Ihr Brüder und Nachbarn", spottete daraufhin Irans Präsident Rohani: "Sucht Schutz im Lager des Propheten und des Korans und nicht in Camp David!"
    Der saudische König war der Einladung Obamas gar nicht erst gefolgt. Er musste von seinem opulenten Palast in Riad aus den brüchigen Waffenstillstand im Jemen beäugen. Saudi-Arabien probt im Jemen den Ernstfall. Erstmals setzen die saudischen Streitkräfte die teuren amerikanischen Waffensysteme ein und sammeln Erfahrung für eine mögliche Konfrontation mit dem Iran. Irans Führer Khamenei zürnt:
    "Jene, die heute das jemenitische Volk bombardieren und in Trauer stürzen, begehen schlimmere und hässlichere Untaten als die vor-islamischen Heiden."
    100 bis 120 Milliarden Dollar iranisches Ölgeld sind derzeit eingefroren
    Die mutmaßliche Erbfeindschaft zwischen Schiiten und Sunniten dient gerne als vorgeschobene Begründung. Doch Riad und Teheran verfolgen knallharte Macht- und Wirtschaftsinteressen. Beide Länder sind Rohstoffgiganten. Saudi-Arabien verkauft deutlich mehr Öl, aber der Iran hat gewaltige ungenutzte Ressourcen, die entwickelt werden könnten, wenn das Land aus seiner Isolation zurückkehrt. Die Atomfrage sei der einzige Grund, Iran zu misstrauen, argumentieren die Golfaraber. US-Präsident Obama stimmt dem zu.
    "Selbst bei einem effektiven Umgang mit der Atomfrage teile ich die Sorgen, die es wegen destabilisierender Aktivitäten Irans gibt. Viele fürchten, der Iran könne Mittel, die er aufgrund aufgehobener Sanktionen bekommen würde, für weitere destabilisierende Aktionen umleiten."
    100 bis 120 Milliarden Dollar iranisches Ölgeld sind derzeit eingefroren. Das Geld gehört dem Iran und soll nach einem Atomabkommen nach und nach freikommen. Ob Teheran dann ähnlich gigantische Summen für Rüstung und Verteidigung wie die arabischen Golfstaaten ausgeben wird, sei eher unwahrscheinlich, beschwichtigt Obama.
    "Wenn sie dieses Geld bekommen, dann müssen zunächst einmal ihre Wirtschaft auf Vordermann bringen, die ziemlich drastisch abgestürzt ist während meiner Amtszeit und aufgrund von uns verhängter internationaler Sanktionen."
    Klingt vernünftig. Die Führung in Teheran bezichtigt andere gerne, irrational und unvernünftig zu agieren. Viel Vernunft wird nötig sein, damit die Lage am Golf nicht außer Kontrolle gerät.