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StartseiteWirtschaft und GesellschaftAKW Grohnde geht vom Netz - Weser zu warm25.07.2019

HitzewelleAKW Grohnde geht vom Netz - Weser zu warm

Die Betreiber von Atomkraftwerken nutzen Flusswasser, um ihre Anlagen zu kühlen. Das geht aber nur, solange die Flüsse nicht zu warm werden. Durch die Hitzewelle musste die E.ON-Tochter Preussenelektra das Kraftwerk Grohnde in Niedersachsen vom Netz nehmen - ein Schaden in Millionenhöhe.

Von Theo Geers

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Wasserdampf steigt am 9.9.2016 in Emmerthal (Niedersachsen) aus den Kühltürmen des Kernkraftwerk Grohnde. (dpa / Sebastian Gollnow)
AKW Grohnde in Niedersachsen: Ab welchen Wassertemperaturen ein Kernkraftwerk abgeschaltet werden muss, ist jeweils individuell geregelt (dpa / Sebastian Gollnow)
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Auf diese Art von Premiere würde Preussenelektra gerne verzichten. Zum ersten Mal muss das Tochterunternehmen von E.ON sein Atomkraftwerk Grohnde südlich von Hameln witterungsbedingt vom Netz nehmen. Der Pegel in der Weser ist mit 1,39 Meter nur noch 13 Zentimeter über dem kritischen Bereich und je weniger Wasser im Fluss ist, desto schneller heizt es sich auf. Mit 26 Grad, die ab morgen erwartet werden, ist die Weser schlicht zu warm, erklärt Volker Raffel, Sprecher von Preussenelektra:

"Es geht darum, dass das Wasser, das wir für die Kühlung brauchen, beim Entnehmen aus der Weser nicht zu warm sein darf, um die Kühlung der Anlage jederzeit gewährleisten zu können. Das ist ab 26 Grad der Fall. Und das führt dazu, dass wir die Anlage wohl für drei Tage vom Netz nehmen."

Rhein, Main und Neckar noch nicht betroffen

Morgen Mittag soll das Atomkraftwerk Grohnde deshalb heruntergefahren werden. Zunächst bis Sonntag in der Hoffnung, dass sich bis dahin das Wasser in der Weser wieder abgekühlt hat. Dann könnte ab Montag wieder Volllast gefahren werden. Grohnde ist mit 1300 Megawatt ein Großkraftwerk, entsprechend spürbar ist der Schlag ins Kontor für den Betreiber Preussenelektra:

"Also der Wert des Stroms, den wir nicht erzeugen können, beträgt ungefähr eine Million Euro am Tag. Das ist jetzt nicht der Gewinn, das ist das, was wir an zusätzlichen Kosten haben, um unseren Lieferverpflichtungen nachkommen zu können. Was wir selbst erzeugen wollten, müssen wir uns jetzt am Markt beschaffen, und das kostet ungefähr eine Million Euro am Tag."

Trotz der aktuellen Hitzewelle und der fehlenden Niederschläge ist Grohnde noch ein Einzelfall in diesem Jahr. An Rhein, Main und Neckar, wo ungleich mehr Kraftwerke vom Kühlwasser dieser Flüsse abhängen, sind die Pegelstände noch im grünen Bereich, erklärt Dennis Meißner, beim Bundesamt für Gewässerkunde in Koblenz zuständig für die Vorhersage von Pegelstände:

"Noch profitieren wir auch noch im Rheingebiet davon, dass wir aus dem alpinen Bereich Zufluss von Schneeschmelze dort haben, aber wenn jetzt dieser Einfluss nachlässt und keine weiteren Niederschläge dazu kommen, dann kommen wir auch in den Bereich, dass wir in den unteren Niedrigwasserbereich abdriften."

Kritische Schwelle bei 28 Grad Celsius

Bis dahin sind es am Rhein noch 60 bis 40 cm. Kritisch, auch für die Binnenschifffahrt, würde die Lage somit erst im Laufe des August. Aber auch im Rhein steigen die Wassertemperaturen. Von Mainz flussabwärts Richtung Köln sind es schon mehr als 25 Grad, am Oberrhein sind es gut 24 Grad, kritisch für Kraftwerksbetreiber wird es dort ab 26 Grad. Wann abgeschaltet oder die Leistung reduziert werden muss, ist für jedes Kohle- oder Atomkraftwerk individuell geregelt. Doch bei 28 Grad ist aus ökologischer Sicht das Ende der Fahnenstange erreicht, das ist der Höchstwert der Oberflächengewässerverordnung für eine gute Gewässerqualität. Und durch die niedrigen Pegelstände können sich Entwicklungen auch schnell hochschaukeln, betont Dennis Meißner:

"Verstärkend wirkt natürlich der Einfluss: Je weniger Wasser im Fluss vorhanden ist, desto stärker heizt sich dann das Wasser auch auf."

Größer als hierzulande sind bereits die Probleme in Frankreich. Wegen der Hitzewelle und der zu hohen Wassertemperaturen in der Rhone und der Garonne musste der staatliche Energieversorger EDF 6 Atomkraftwerke vom Netz nehmen. Das entspricht knapp zehn Prozent seiner Erzeugungskapazitäten.

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