Mittwoch, 18. Mai 2022

Einigung mit neuem Investor
Konsortium um US-Amerikaner kauft Chelsea für drei Milliarden Euro

Mit der Übernahme durch die Investoren um Todd Boehly ist das wirtschaftliche Überleben des FC Chelsea zunächst gesichert. Nach der Abramowitsch-Ära brauche der Klub allerdings dringend weitere Investitionen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte der britische Finanzexperte Kieran Maguire im Dlf.

Kieran Maguire im Gespräch mit Maximilian Rieger | 07.05.2022

Chelsea-Fans im Stadion an der Stamford Bridge
Ende der Ungewissheit für Fans und Klub: Der FC Chelsea hat einen neuen Besitzer gefunden. (JUSTIN TALLIS / AFP)
Die Sanktionen gegen den bisherigen Klubbesitzer Roman Abramowitsch haben den FC Chelsea in große wirtschaftliche Unsicherheit gestürzt und wirtschaftlich handlungsunfähig gemacht. Der englische Spitzenklub bekam strikte Finanzauflagen auferlegt, durfte unter anderem keine neuen Spieler oder über Verträge verhandeln.
Nach Wochen des Bangens hat der englische Spitzenklub am Samstag (07.05.2022) nun die Einigung mit einer Investorengruppe um den US-Amerikaner Todd Boehly bekannt gegeben, die Chelsea übernehmen will. Für eine Gesamtinvestition, die sich laut englischen Medienberichten auf 4,25 Milliarden Pfund, rund fünf Milliarden Euro, beläuft.

Fünf Milliarden Euro Gesamtinvestition - Boehly-Gruppe übernimmt Chelsea

Der Verkauf werde "voraussichtlich Ende Mai abgeschlossen sein, vorbehaltlich der Erlangung aller erforderlichen behördlichen Genehmigungen", hieß es in einem Klubmitteilung. Stimmen die britische Regierung und die Premier League der Übernahme zu, könnte das frische Kapital schon im Mai fließen.
Kieran Maguire, Dozent für Finanzwirtschaft im Fußball an der Universität Liverpool und Betreiber des Podcasts "Price of Football", hat die Bedeutung der Übernahme für den FC Chelsea im Interview mit dem Deutschlandfunk eingeordnet.
Maximilian Rieger: Mr. Maguire, der FC Chelsea soll von einem Konsortium übernommen werden, das von Todd Boehly angeführt wird - wer ist das?
Kieran Maguire: Ein amerikanischer Investor, er besitzt unter anderem die L.A. Dodgers, neben einigen anderen amerikanischen Sport-Franchises. Offensichtlich erscheint es ihm und seinen Mitinvestoren ein lukratives Geschäft, den Chelsea Football Club zu kaufen. Das ist insofern bemerkenswert, weil Chelsea in der Ära von Roman Abramowitsch mehr Geld für Spielertransfers oder Gehälter ausgegeben hat und zugleich mehr Verluste eingefahren hat als jeder andere Klub in der Premier League.

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Rieger: Fünf Milliarden Euro, das ist eine gewaltige Investition - wie will Boehly daraus Profit erzielen?
Maguire: Die Zahl von fünf Milliarden ist mit Vorsicht zu genießen. Die eigentliche Kaufsumme dürfte etwa bei drei Milliarden liegen. Darüber hinaus hat Boehly zugesagt, im Laufe der kommenden zehn Jahre weitere zwei Milliarden Euro zu investieren. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, dass man ein Haus kauft, für 300.000 Euro. Mit dem Wissen, dass man in Zukunft noch einmal 200.000 Euro investiert, etwa für einen Anbau. Die Kaufsumme beträgt dann aber trotzdem nur 300.000 Euro. Das ganze Konstrukt der Übernahme ist auf den ersten Blick etwas verwirrend. Aber am Ende werden drei Milliarden Euro auf ein Konto überwiesen, sobald der Vertrag unterzeichnet ist.

Neue Milliardenspritze für Chelsea - bitter benötigt

Rieger: Drei Milliarden Euro jetzt, später noch einmal Investitionen von zwei Milliarden - was bedeutet das für Chelsea?
Maguire: Zunächst einmal wird Chelsea weiter als Fußballklub existieren. Dieser Status war tatsächlich gefährdet: Denn die Lizenz, die es Chelsea erlaubt, weiter wirtschaftlich tätig zu sein - im Gegensatz zu Abramowitschs anderen Geschäftszweigen in Großbritannien - läuft zum 31. Mai aus. Deshalb ist die gute Nachricht für den Klub, dass es nun wohl eine gewisse Sicherheit gibt, dass er weiter als Profiverein bestehen kann.
Wie der FC Chelsea zum Spekulationsobjekt wurde
Sanktionen gegen Abramowitsch - Chelsea sucht neue Eigentümer
Bei den weiteren, künftigen Investitionen dürfte vor allem das Stadion im Vordergrund stehen: Die Stamford Bridge hat eine Kapazität von gerade einmal 41.000 Zuschauern. Dies ist relativ wenig, vor allem im Vergleich zu Manchester United (75.000 Zuschauer). Oder Manchester City und Liverpool, deren Stadien ungefähr 55.000 Zuschauer fassen, beide Klubs planen außerdem, die Kapazität zu erweitern. Arsenal und Spurs haben ein Fassungsvermögen von etwa 60.000. Chelsea hat hier also einen Standortnachteil. Deshalb ist damit zu rechnen, dass die neuen Besitzer wohl Geld investieren werden, um die Kapazität zu erweitern. Oder andere Wege zu verfolgen, ein größeres Stadion zu bekommen. Ihnen wird auch gar nichts anderes übrig bleiben, gerade im Hinblick auf die neuen, komplizierten Finanzrichtlinien der UEFA: Dadurch wird es künftig noch wichtiger, möglichst hohe Einnahmen aus dem Kerngeschäft zu generieren.
Nimmt man die letzten vorliegenden Zahlen, erhält Chelsea geschätzt 40 bis 50 Millionen Euro weniger pro Saison als etwa Manchester United oder Tottenham. Wenn man schon von vornherein mit diesem Rückstand auf die Konkurrenz ins Rennen geht, wird es umso schwieriger, im Wettbewerb zu bestehen und die nötigen Ausgaben dafür zu bestreiten.

Abramowitsch-Milliarden bleiben eingefroren

Rieger: Sie haben Roman Abramowitsch und die drei Milliarden Euro erwähnt, mit denen der Verein gekauft wird. Was passiert mit diesem Geld?
Laut Abramowitschs Worten sollte dieses Geld in einen Fonds gehen, der Zitat: "den Opfern des Konflikts in der Ukraine" zugutekommen sollte. Aber diese Aussage war immer etwas nebulös. Die britische Regierung hat die klare Bedingung aufgestellt, dass von dem Geld nichts zurück an Abramowitsch fließen darf. Denn es gab konkret die Sorge, dass es heißen könnte: Vladimir Putin ist auch ein Opfer des Ukraine-Konflikts. Dies könnte dann bedeuten, dass das Geld zurück nach Russland fließt.
Deshalb ist nun vorgesehen, dass das Geld nur auf ein Konto überwiesen werden soll, das gewissermaßen eingefroren wird. Beziehungsweise ein Konto, von dem das Geld nur mit Zustimmung der britischen Regierung abgehoben werden kann. Es ist davon auszugehen, dass die Regierung Treuhänder einsetzen wird, um das Konto zu verwalten. Und die Weiterverwendung zu überwachen, bei welcher Wohltätigkeitsorganisation das Geld am Ende landet.