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Startseite@mediasresWenn Dutzende Journalisten an einem Strang ziehen26.11.2018

Investigative RechercheWenn Dutzende Journalisten an einem Strang ziehen

Journalisten aus der ganzen Welt schultern immer wieder zusammen große Recherchen. Nach Ansicht von Georg Mascolo, Leiter des Rechercheverbunds von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", ist die Zusammenarbeit unter anderem nötig, um große Datenmengen zu bewältigen. Manchmal gehe es aber auch schlicht um die Pressefreiheit.

Georg Mascolo im Gespräch mit Mirjam Kid / Text: Christoph Sterz

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Der Journalist Georg Mascolo als Studiogast in einer Talkshow  (dpa / Paul Zinken)
Georg Mascolo, Leiter des Rechercheverbunds von WDR, NDR und SZ (dpa / Paul Zinken)
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Dass fehlerhafte Medizinprodukte immer häufiger Verletzungen und auch Todesfälle verursachen, ist das Ergebnis der jüngsten großen Recherche internationaler Medien. An den "Implant Files" waren aus Deutschland NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" beteiligt.

Nach Ansicht von Georg Mascolo, Leiter des Rechercheverbunds der drei deutschen Medienpartner, sind internationale Recherchen unabdingbar. "Wir haben festgestellt, dass es bestimmte globale Missstände gibt, wo es Sinn hat, eben auch einen globalen Journalismus entgegenzusetzen", sagte Mascolo gegenüber @mediasres.

Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien

Auch unabhängig von internationalen Partnern arbeiten WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" immer wieder zusammen. Innerhalb ihrer Recherchekooperation haben sie zum Beispiel bereits über Steuersparmodelle in Luxemburg und anderen Ländern, einen Hackerangriff auf die Netzwerke der Bundesregierung oder die VW-Abgasaffäre berichtet.

Laut dem Norddeutschen Rundfunk handelt es sich "um eine freiwillige, anlass-  und themenbezogene Zusammenarbeit". Es gebe keine gemeinsamen Etats, schreibt der NDR auf seiner Homepage.

Der Privatsenderverband VPRT hatte vor einigen Jahren eine Rechtsaufsichtsbeschwerde bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung eingelegt. Der VPRT kritisierte, dass der Rechercheverbund den privaten Wettbewerb zugunsten der "Süddeutschen" verzerre. Daraufhin erließ der WDR eine Richtlinie, wann Kooperationen zulässig sind und wann nicht. Seitdem muss der bei Kooperationen mit öffentlich-rechtlichen und privaten Medien "diskriminierungsfrei" vorgehen.

Mascolo wies den Vorwurf zurück, der "Süddeutschen Zeitung" einen ungerechtfertigten Vorteil gegenüber anderen privaten Medienhäusern zu schaffen. "Wir achten schon darauf, dass nur dann, wenn alle Partner eine eigenständige journalistische Leistung bei dieser Recherche gemacht haben, dass sie dann hinterher auch genannt werden", sagte Mascolo.

Gemeinsam gegen die Datenflut

Zudem seien gemeinsame Recherchen gerade bei großen Datenmengen "manchmal der einzige Weg, um in der Flut nicht unterzugehen". Eine ganz andere Motivation habe es bei einem Projekt gegeben, bei dem es um Recherchen auf Malta ging. Damit sollten die Recherchen der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia zu Ende gebracht werden.  

Ziel sei es gewesen, "denjenigen, die versuchen, Journalistinnen und Journalisten zum Schweigen zu bringen, zu zeigen: Das funktioniert nicht. Wir kommen und schauen sehr viel genauer hin, wenn ihr versucht, journalistische Recherche unmöglich zu machen", sagte Mascolo.

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