Donnerstag, 02. Februar 2023

1000. Spiel als Trainer
Jürgen Klopp: Synonym für Erfolg

Seit 20 Jahren steht der Trainer Jürgen Klopp für Erfolg. In Mainz, Dortmund und Liverpool hat sich der Schwabe Denkmäler gebaut. Am Wochenende hat er sein 1000. Spiel als Trainer bestritten – und die Wegbegleiter schwärmen noch immer von ihm.

Von Constantin Eckner | 22.01.2023

Künstler in Liverpool haben Jürgen Klopp in der Straßenlandschaft verewigt.
In Liverpool wird Trainer Jürgen Klopp wie ein Heiliger verehrt. Er hat den Verein nach vielen erfolglosen Jahren wieder titelfähig gemacht. So gewann er mit den Reds die Champions League 2019, die Premier League 2020 und den FA Cup 2022. (dpa / picture alliance / Martin Rickett)
Es ist eine beliebte Metapher, wenn gesagt wird: Eine Person sei über Nacht zu Ruhm und Ehren gekommen. Im Fall von Jürgen Klopp entspricht dieser Satz der Wahrheit. Im Februar 2001 befindet sich das Team des FSV Mainz 05 in der 2. Bundesliga in Abstiegsgefahr – die Verantwortlichen rund um Manager Christian Heidel sehen die Notwendigkeit zum Handeln.
Der damalige Mainzer Spieler Sandro Schwarz erinnert sich: „Wir sind ins Trainingslager gefahren. Da war noch Eckhard Krautzun Trainer. Der Plan war auch so, dass wir dorthin fahren und von dort aus direkt zum Spiel fahren. Wir sind mit Eckhard Krautzun hingefahren, aber mit Jürgen Klopp als Cheftrainer dann zum Spiel. Von daher war das schon eine kuriose Situation im Kurztrainingslager, dass sich das so ergeben hat.“ Schwarz, der heute Hertha BSC als Cheftrainer verantwortet, ist bei Mainz erst Mitspieler von Flügelläufer Klopp und anschließend einige Jahre Spieler unter ihm.

"Die Jungs haben ihm schon sehr interessiert zugehört"

Noch kurz zuvor steht Jürgen Klopp selbst bei der 1:3-Niederlage gegen die Spielvereinigung Fürth auf dem Rasen, doch so wie der Schwabe über Nacht zum Trainer wird, so beendet er auch über Nacht seine Spielerkarriere.
Klopp wird in den Jahren zu einer prägenden Figur im deutschen und internationalen Trainerwesen. Das findet auch Erich Rutemöller, sein Trainerausbilder beim DFB: „An eine Aussage erinnere ich mich noch heute: Er möchte als Trainer der sein, den er als Spieler gerne gehabt hätte. Das fand ich damals schon gut. Er hat natürlich viel über Taktik erzählt, seine Spielidee hat er uns mitgeteilt. Die Jungs haben, ich will nicht sagen, an seinen Lippen geklebt, aber die haben schon sehr interessiert zugehört. Denn er stellte etwas dar, er hatte schon einen Namen, er war erfolgreich. Er hatte den Sprung geschafft vom Profifußballer zum Trainer.“

Pressingfallen, Intensität, Spielkontrolle durch Gegenpressing

Und nicht nur das. Mit der Zeit steht der Name Klopp fast synonym für Erfolg. Er etabliert Mainz unter den Top 25 im deutschen Fußball, holt das Double mit Borussia Dortmund und führt den BVB ins Champions-League-Finale. Drei weitere Endspielteilnahmen folgen mit Liverpool – 2019 gelingt der Sieg in der Königsklasse, 2020 der erste englische Meistertitelgewinn der Liverpooler nach 20 Jahren.
Der Name Klopp steht auch für eine spezielle Art von Fußball: Pressingfallen, Intensität, Spielkontrolle durch Gegenpressing. Er führt auf gewisse Weise die Spielidee von seinem Ex-Trainer in Mainz fort –das hat Christof Babatz beobachtet, Klopps damaliger Teamkollege in Mainz: „Wolfgang Frank hat allen ehemaligen Mainzer Spielern die Viererkette bis in den Schlaf beigebracht und die jetzigen Trainer, sprich Kloppo und wie sie alle heißen, zehren immer noch von Wolfgang Frank.“

Wolfgang Frank öffnete Klopp die Augen

Das kann die Journalistin Mara Pfeiffer, die ein umfangreiches Buch zu Frank verfasst hat, bestätigen: „Was den Einfluss auf Jürgen Klopp angeht, ist eigentlich die schönste Geschichte, dass Klopp damals, als er zum ersten Mal im Finale der Champions League stand, seinem alten Mentor eine Nachricht geschrieben hat: ‚Ohne dich wäre ich gar nicht hier.‘ Ich glaube, schöner lässt sich das nicht auf den Punkt bringen. Klopp hat über sich selber mal gesagt: Er war bis zu dem Zeitpunkt, als Wolfgang Frank nach Mainz gekommen ist, ein ganz normaler Kicker. Er war Sportstudent, er hatte ein Interesse am Spiel, aber die Art und Weise, wie Wolfgang Frank ihm das Spiel vermittelt und wie er mit ihm über das Spiel gesprochen hat, hat ihm komplett die Augen geöffnet. Er hat das mal beschrieben mit den Worten: ‚Der Platz hat auf einmal ganz andere Maße gehabt.‘“
So wie Frank ein Vorbild für Klopp ist, so entwickelt sich Klopp mittlerweile zum Vorbild vieler jüngerer Kollegen. Seine taktische Herangehensweise kann bis zu einem gewissen Punkt kopiert werden. Aber sein ehemaliger Mitspieler Christof Babatz hebt eine persönliche Eigenschaft von Jürgen Klopp hervor, die ihn besonders auszeichne: „Das war und ist meiner Meinung nach seine Art, wie er a) mit Menschen umgeht und b) mit einer Mannschaft umgeht, wie er eine Mannschaft führt, weil er kann unglaublich gut motivieren. Er kann unglaublich gut Sachen erklären. Das funktioniert auch immer.“
Die Leistung von Jürgen Klopp sind nicht die vielen Titel, sondern dass er sich selbst auch nach 1000 Partien und zahlreichen Erfolgen treu bleibt und seine Art seit dem ersten Spiel nicht verändert hat.