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StartseiteInformationen am Mittag"Wir haben in der SPD viele, die es könnten"18.11.2016

Kanzlerkandidatur"Wir haben in der SPD viele, die es könnten"

Die Entscheidung, wer für die SPD als Kanzler kandidiert, fällt laut Johannes Kahrs, Sprecher des Seeheimer Kreises in der SPD, Anfang Januar. "Martin Schulz hält sich wie alle anderen an das, was abgesprochen ist, nämlich dass wir abwarten", sagte der Bundestagsabgeordnete im DLF. Er äußerte sich auch zur möglichen Außenminister-Nachfolge durch Schulz.

Johannes Kahrs im Gespräch mit Martin Zagatta

Johannes Kahrs, haushaltspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag. (Imago / Metodi Popow)
Johannes Kahrs über Martin Schulz: "Er ist ein guter Mann. Selbstverständlich! Aber erst mal warte ich ab, was mein Parteivorstand, mein Parteivorsitzender, mein Fraktionsvorsitzender sagt." (Imago / Metodi Popow)
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Martin Zagatta: Am Telefon ist jetzt der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD. Guten Tag, Herr Kahrs!

Johannes Kahrs: Moin!

Zagatta: Herr Kahrs, wir haben das eben gehört. Zu einer Kanzlerkandidatur von Martin Schulz, zu diesen Meldungen sagen die Beteiligten jetzt "Unsinn". Aber - auch das war in dem Bericht zu hören - ein klares Dementi klingt anders. Oder wie haben Sie dieses Lavieren da eben von Martin Schulz verstanden?

Kahrs: Martin Schulz hält sich wie alle anderen auch an das, was abgesprochen ist, nämlich dass wir abwarten und Anfang des Jahres entscheiden. Wir haben in der SPD viele, die es könnten, und wir haben einen Fahrplan. Und außerdem gilt der alte Spruch bei uns in der SPD: Der Parteivorsitzende hat das alleinige Vorschlagsrecht und das erste Zugriffsrecht. Und so ist das!

Zagatta: Wenn Sigmar Gabriel jetzt sagen würde, ich will das machen, dann wäre die Entscheidung gefallen?

Kahrs: So ist das!

Zagatta: Warum macht er das nicht jetzt?

Kahrs: Weil wir verabredet haben, dass wir bis Januar warten. Wir haben da im Moment überhaupt keine Eile. Ich glaube, dass man sich auch festlegen muss auf die Themen, die da kommen, und das kann man dann in Ruhe angehen.

Zagatta: Ändert da jetzt die Entscheidung der Kanzlerin, dass Angela Merkel am Sonntag wahrscheinlich bekanntgeben wird, dass sie antritt, ändert das irgendwas? Unser Korrespondent meinte ja gerade, das setzt auch die SPD vielleicht unter Zugzwang. Oder wollen Sie dann immer noch weiter warten?

"Ich glaube, besser wird es für Frau Merkel nicht werden"

Kahrs: Wir haben ja relativ viel gelesen und ich verstehe auch, dass einige ihre Seiten füllen müssen. In den letzten Tagen konnte man da ja viel lesen. Im Kern ist es so: Ob Merkel kandidiert oder nicht, ist für die SPD nicht von Belang. Wir treten an als Partei mit Inhalten und dem Ziel, den Bundeskanzler zu stellen, und das werden wir vor Sonntag tun, nach Sonntag tun. Deswegen ist es erst mal nicht unser Problem.

Zagatta: Ist nicht von Belang, weil egal ob Gabriel oder Schulz jetzt antritt, da sagen ja die Meinungsforscher, beide hätten relativ wenig Chancen, Schulz sogar noch die besseren nach den Meinungsforschern.

Kahrs: Ach wissen Sie, was die Meinungsforscher so erzählen, habe ich in den letzten Jahren erlebt. Das haben Sie in den USA erlebt, das hat man überall erlebt. Ich glaube, im Kern geht es darum, ob man eine vernünftige Alternative anbieten kann, ob man Inhalte anbieten kann, die die Menschen begeistern. Dazu haben wir ein Verfahren entschieden, das entscheiden bei uns die Mitglieder, und ich glaube, dass Frau Merkel genau sich überlegen muss, ob sie wieder antreten will oder nicht. Ich glaube, besser wird es für sie nicht werden.

Zagatta: Können Sie denn sagen, worauf Sie jetzt überhaupt hoffen, denn die einzige Alternative zu einer Großen Koalition ist doch ein rot-rot-grünes Bündnis. Und ich kann mir vorstellen, weder Gabriel noch Schulz wären sonderlich begeistert, mit der Linkspartei zusammenarbeiten zu müssen.

Kahrs: Ich halte nichts davon, ein knappes Jahr vor der Bundestagswahl irgendwelche Koalitionsoptionen zu diskutieren, die von den jetzigen Umfragewerten ausgehen. Natürlich muss die SPD stärker werden, und wenn die SPD stärker wird, dann muss ich auch nicht über eine Dreierkoalition reden. Deswegen ist es für mich wichtig, dass wir mit vernünftigen Inhalten antreten. Dazu gibt es eine Verabredung im Parteivorstand, dass man sich zehn oder 20 Schwerpunktthemen sucht. Dann werden die Mitglieder befragt. Dann wird man mit Themen wie zum Beispiel Bürgerversicherung im Gesundheitsbereich antreten. Das betrifft jeden Menschen in Deutschland. Damit verbinden viele auch etwas. Und ich glaube, dass man mit guten Inhalten und einem vernünftigen Kandidaten durchaus in der Lage ist, über 30 Prozent zu kommen. Hat Olaf Scholz vor kurzem gesagt, in Hamburg sind wir deutlich über 40, sollte doch machbar sein.

Zagatta: Warum sind Sie denn in Umfragen immer noch so weit entfernt davon?

Kahrs: Das ist immer das Problem. Wenn Sie in einer Koalition sind, dann setzen Sie zwar Inhalte durch. Ich glaube, wir sind diejenigen, die in dieser Koalition die meisten Inhalte durchgesetzt haben. Aber Sie stehen natürlich immer im Schatten desjenigen, der den Bundeskanzler stellt. Im Wahlkampf wird sich zeigen, wer was geleistet hat, und wer was will. Und dann werden beide Parteien gegeneinander antreten, und dann muss die CDU einfach mal sagen, was sie denn in den letzten vier Jahren so geleistet hat und was sie die nächsten vier Jahre machen will. In dem Vergleich werden wir deutlich besser abschneiden, und deswegen glaube ich, dass die SPD gute Chancen hat, stärkste Partei zu werden.

"Ich bin ich froh, dass die SPD so gut dasteht"

Zagatta: Wenn die Wähler das so sehen, Herr Kahrs - Sie sagen, die Inhalte sind da wichtig. Nun ist aber, das erleben wir ja immer bei den Wahlen, auch die Beliebtheit von Politikern wichtig, darauf kommt es ja auch häufig an bei diesen Wahlen, wie sie herüberkommen. Was sagt denn das aus, dass die Meinungsforscher da deutlich unterscheiden zwischen Gabriel und Schulz, dass sie Schulz die viel, viel besseren Chancen einräumen? Spielt das keine Rolle?

Kahrs: 2005 war Frau Merkel eine der unbeliebtesten Politikerinnen in diesem Land. Das ändert sich! Das kommt und das geht. Das hängt davon ab, wie man auftritt, wie man Wahlkampf macht. Das hängt davon ab, für was man steht. Und ich glaube, in dem Jahr kann da sehr viel passieren. Deswegen gebe ich da nicht wirklich viel drauf. Ich glaube, dass wir viele Kandidaten haben, die es können, und die Panik bei der Union, die man jetzt ja erlebt, und geradezu das flehentliche Anbitten, dass sie doch bitte kandidieren möge, liegt ja daran, dass die Union hinter Angela Merkel niemanden hat, weder für eine Bundespräsidentenwahl, noch für eine Kanzlerschaft. Ansonsten würden ja nicht alle stellvertretenden Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten im Stundentakt sie anbetteln, doch bitte noch mal zu kandidieren.

Zagatta: Bei Ihnen werden auch nicht allzu viele Namen genannt. Frauen sind da auch auf der Liste nicht unbedingt ganz oben.

Kahrs: Im Moment haben wir mehrere Kandidaten, die es können, und ehrlicherweise bin ich froh, dass die SPD so gut dasteht. Wenn Sie sich die Minister der SPD angucken, die machen alle einen guten Job. Bei der Union können wir das ja gerne mal diskutieren. Ich glaube, dass die SPD inhaltlich und personell hervorragend aufgestellt ist. Und da kann man auch als Partei ganz entspannt sein. Wir haben einen Fahrplan, an den halten wir uns, und nur damit jemand seine Seite vollkriegt, müssen wir uns nicht in Hektik bringen lassen. In der Ruhe liegt die Kraft, sagt mein alter Spieß immer.

Zagatta: Bei der Bundeswehr. Machen wir da einen Punkt, was jetzt die Kanzlerkandidatenfrage angeht. Da sagen Sie, da haben Sie auch noch Zeit. Wie ist das jetzt mit der Nachfolge von Steinmeier? Das steht ja demnächst schon an. Ist da Martin Schulz für Sie eine gute Lösung?

Kahrs: Ich persönlich mag Martin Schulz, aber ich bin Bundestagsabgeordneter. Ich habe einen Parteivorstand, ich habe einen Parteivorsitzenden, ich habe einen Fraktionsvorsitzenden.

"Ich finde, dass Frank-Walter Steinmeier eine großartige Wahl ist"

Zagatta: Aber auch eine Meinung!

Kahrs: Ich finde, die sollen einen Vorschlag machen. Ich mag Martin Schulz. Ich glaube, dass Martin Schulz vieles kann. Er ist ein guter Mann. Selbstverständlich! Aber erst mal warte ich ab, was mein Parteivorstand, mein Parteivorsitzender, mein Fraktionsvorsitzender sagt. Wenn jeder auf einmal losrennt und seine Vorschläge in die Welt pustet, wird die Welt auch nicht schöner und nicht besser.

Zagatta: Eine letzte Frage noch, Herr Kahrs. Frank-Walter Steinmeier hat jetzt erklärt, er wolle als Bundespräsident weiterhin Unbequemes sagen. Ist mir da was entgangen? Wann hat denn Steinmeier irgendwann mal was Unbequemes gesagt?

Kahrs: Ich finde, dass Frank-Walter Steinmeier eine großartige Wahl ist. Und parteiintern hat er schon häufiger auch unbequeme Wahrheiten ausgesprochen. Ansonsten ist er als Außenminister sehr diplomatisch gewesen. Das gehört zur Jobbeschreibung. Ich glaube, wir haben hier den Kandidaten gesucht, der es am besten kann. Ich freue mich, dass CDU und CSU das jetzt unterstützen. Ich glaube, dass wir einen wunderbaren Bundespräsidenten kriegen werden, und ich bin stolz wie Bolle, dass er sich durchgesetzt hat, und freue mich darauf, ihn wählen zu dürfen.

Zagatta: Johannes Kahrs, stolz wie Bolle - ich bedanke mich für das Gespräch beim Sprecher des Seeheimer Kreises der SPD.

Kahrs: Immer gerne! Glück auf!

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