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StartseiteTag für Tag"Bätzing hat sich zum Sprachrohr von Woelki gemacht"24.02.2021

Katholische Kirche"Bätzing hat sich zum Sprachrohr von Woelki gemacht"

Die Krise der katholischen Kirche ist auch eine Führungskrise, sagt der Leadership-Experte Benedikt Jürgens. Die Bischöfe würden nicht darauf vorbereitet, Verantwortung zu übernehmen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zeige in der Causa Woelki Führungsschwäche.

Benedikt Jürgens im Gespräch mit Christiane Florin

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Erzbischof Nikola Eterovic (l-r), Apostolischer Nuntius, Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, warten vor dem Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom in der Sakristei. Die deutschen Bischöfe treffen sich traditionell im September am Grab des heiligen Bonifatius in der osthessischen Domstadt. Bei dem dreitägigen Treffen steht der Reformprozess unter dem Stichwort «Synodaler Weg» im Fokus. (picture alliance/dpa | Arne Dedert)
Georg Bätzing (m), Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Kardinal Rainer Maria Woelki (r), Erzbischof von Köln (picture alliance/dpa | Arne Dedert)
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Benedikt Jürgens vom Zentrum für angewandte Pastoralforschung in Bochum (ZAP) ist Mitautor eines Buches über kirchliche Führungskultur: "Wer entscheidet, wer was entscheidet?". Er sieht in der Krise der katholischen Krise auch eine Führungskrise auf allen Ebenen. Es sei nicht erkennbar weil nicht erkennbar, "dass irgendjemand wüsste, in welche Richtung es gehen könnte".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, sei in einem Rollen- und Loyalitätskonflikt, so Jürgens. Einerseits vertrete Bätzing als Vorsitzender alle 27 deutschen Bischöfe, andererseits sei er Bischof "einer Diözese in der Kirchenprovinz Köln, in der Kardinal Woelki der Metropolit ist. Er hat, glaube ich, einen Loyalitätskonflikt. Ihm ist nicht ganz klar, wo die Loyalität stärker liegen muss: Bei den 27 Bischöfen oder bei seinem Metropoliten in Köln."

In der Missbrauchsaffäre im Kölner Erzbistum habe er sich zum Sprachrohr von Kardinal Woelki gemacht. "Er muss ihn ja nicht unbedingt zum Rücktritt auffordern, aber er hätte deutlich machen können, dass das, was in Köln passiert, den anderen Diözesen massiv schadet" sagte Jürgens.

Christliches Kreuz auf einem Buch mit Stichwort MISSBRAUCH liegend (picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/C. Ohde) (picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/C. Ohde)Missbrauch in der Katholischen Kirche - "Nicht nachvollziehbarer Umgang damit" 
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Christiane Florin: Inwiefern ist die Krise der katholischen Kirche in Deutschland eine Führungskrise?

Benedikt Jürgens: Es ist eine Führungskrise, weil die katholische Kirche als führungsschwach erlebt wird, auf allen Ebenen. Die oberste Ebene der Bischöfe ist krisengeschüttelt. Der Synodale Weg wird nur von wenigen Bischöfen mitgetragen und es gibt wenig Beteiligung in den Foren und den Plenen.

Priester wollen Seelsorge, aber nicht führen

Florin:Wird sie so erlebt oder ist sie führungsschwach?

Jürgens: Sie wird so erlebt und sie ist führungsschwach, weil nicht erkennbar ist, dass irgendjemand wüsste, in welche Richtung es gehen könnte. Die Bischofskonferenz ist zerstritten. Man weiß, was einige denken, was die meisten denken, weiß man nicht . Es gibt keine erkennbare Richtung, in die das gehen könnte.

Benedikt Jürgens, Leiter des Kompetenzzentrums Führung in Kirche und kirchlichen Einrichtungen in Bochum (Martin Steffen/zap)Benedikt Jürgens, Leiter des Kompetenzzentrums Führung in Kirche und kirchlichen Einrichtungen in Bochum (Martin Steffen/zap)

Hinzu kommt noch etwas anderes: Es gibt Führungsschwäche, aber auch so etwas wie eine Verzagtheit. Das kennt man aus Seelsorge-Studien. Da geht es um die Priester. Das ist ja eigentlich die Gruppe in der Kirche, die einen Führungsanspruch anmeldet. Da kann man mittlerweile eindeutig feststellen, dass die Priester in der überwiegenden Mehrzahl überhaupt nicht führen wollen. Sie wollen Seelsorge, aber sie wollen nicht führen.

!!Florin:! Es gab gestern auch ein Grußwort aus dem Vatikan, vom päpstlichen Nuntius in Deutschland. Darin stand, man solle nicht Konflikte austragen, es gehe um Vergebung und Barmherzigkeit. Was ist davon zu halten? Das ist sozusagen eine Führungsanweisung von der Spitze der katholischen Kirche, vom Vatikan.

"Macht der Kirche soll versteckt werden"

Jürgens: Ja, das ist richtig. Das ist ein Versuch, das eigentliche Thema, um das es geht, nämlich um die Macht in der Kirche, zu verstecken. Indem suggeriert wird, dass Meinungsverschiedenheiten auf negative Weise in Konflikte eskalieren, versteckt man, dass es eigentlich darum geht, Konflikte notwendigerweise austragen zu müssen. Und das ist eine Rationalisierungsstrategie.

Florin: Auf der Tagesordnung stand, bevor die Vollversammlung begann, nicht offiziell das Thema, das nicht nur uns Medien beschäftigt, sondern auch viele Gläubige: die Situation im Erzbistum Köln. Erst auf Nachfrage von Journalistinnen und Journalisten hat sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz dazu geäußert. Wie erklären Sie sich das Vorgehen, die Agenda auf eine solche Weise zu setzen oder eben auch nicht zu setzen?

Bätzing im Loyalitätskonflikt

Jürgens: Ich denke, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz einen Rollenkonflikt empfindet. Einerseits ist er der Vorsitzende der Bischofskonferenz, das heißt, er vertritt alle 27 deutschen Bischöfe. Auf der anderen Seite ist er Bischof einer Diözese in der Kirchenprovinz Köln, in der Kardinal Woelki der Metropolit ist. Er hat, glaube ich, einen Loyalitätskonflikt. Ihm ist nicht ganz klar, wo die Loyalität stärker liegen muss: Bei den 27 Bischöfen oder bei seinem Metropoliten in Köln.

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Florin: Hören wir doch mal, was er dann doch auf Nachfrage zum Thema Erzbistum Köln und Erzbischof von Köln gesagt hat:

Georg Bätzing: "Ich glaube Kardinal Woelki, dass sein Aufklärungswille wirklich deutlich und klar ist. Die Unruhe, die entstanden ist, insofern das erste Gutachten zurückgehalten wird, ist mir aber genauso verständlich, und sie treibt mich auch. Der Kardinal hat seine Entscheidung getroffen und ich glaube, wir werden jetzt warten müssen bis zum 18. März und möglichst keine Vorverurteilungen treffen. Dann werden wir messen können: Was ist das erste Gutachten? Was ist das zweite Gutachten? Und was folgt daraus im Erzbistum Köln an Aufklärung und Aufarbeitung."

Florin: Also er glaubt dem Erzbischof von Köln. Er glaubt an den Aufarbeitungswillen. Er bittet um Geduld, keine Vorverurteilung. Er sagt aber andererseits, dass er die Unruhe wahrnimmt, spricht daraus Führungsstärke? Vor einigen Wochen hatte Georg Bätzing noch anders geklungen, kritischer in Richtung Köln.

Jürgens: Nein, aus meiner Sicht überhaupt nicht. Das ist aus meiner Sicht Führungsschwäche. Bischof Bätzing hat sich in dieser Situation zum Sprachrohr von Kardinal Woelki gemacht. Er muss ihn ja nicht unbedingt zum Rücktritt auffordern, aber er hätte deutlich machen können, dass das, was in Köln passiert, den anderen Diözesen massiv schadet. Das hat er eben nicht getan. Er hat ihn im Prinzip verteidigt. Er hätte auch die Option gehabt, deutlich zu machen, welche Auswirkungen die Ereignisse in Köln auf die anderen deutschen Bistümer haben. Und das hat er eben nicht gemacht.

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Florin: Aber das liegt nicht oder jedenfalls nicht alleine in seiner Person. Das liegt ja auch in seiner Funktion, denn der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist nicht den anderen Bischöfen vorgesetzt, schon gar nicht dem Erzbischof von Köln. Wie lässt sich dieser Rollenkonflikt lösen, dass wir Medien auf den Mann an der Spitze gucken, der aber in Wirklichkeit gar nicht der Mann an der Spitze ist?

Jürgens: Das ist richtig. Aber Bischof Bätzing ist von den 27 deutschen Bischöfen gewählt worden. Das heißt, er ist sozusagen deren Sprecher. Und es ist jetzt ein Bischof, der durch seine Entscheidung dafür sorgt, dass 27 Bistümer in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz als der Sprecher der anderen Bischöfe hätte ja sagen können, was das für die 26 anderen möglicherweise bedeutet. Und das hat er nicht getan.

Wahl von Beate Gilles: "Dazu kann man die Deutsche Bischofskonferenz nur beglückwünschen"

Florin: Seit gestern ist bekannt, dass auf den Sekretär der Bischofskonferenz eine – Sekretärin wollte man es wohl nicht nennen – Generalsekretärin folgt, die promovierte Theologin Beate Gilles. Sie ist die erste Frau in diesem Top-Management-Posten. Eine Frau unter lauter Männern – was ändert das?

Jürgens: Das ist eine starke Entscheidung, muss ich sagen. Man hat sich dazu entschlossen, eine Frau zu wählen. Dazu kann man die Deutsche Bischofskonferenz nur beglückwünschen, dass sie die Entscheidung so getroffen hat. Ich wünsche Frau Dr. Gilles alles Gute bei dieser Tätigkeit, das ist eine gute Entscheidung.

Florin: Und was ändert das jetzt? Der Posten war zwar formal nicht für einen Priester ausgeschrieben. Das stand ja nirgendwo, dass das ein Priester sein müsste, wurde aber de facto immer von einem Priester besetzt. Das macht jetzt eine Frau, also eine Person, die qua Geschlecht gar nicht geweiht sein kann, und sich jetzt unter lauter Geweihten bewegen muss.

Jürgens: Das muss man abwarten. Es ist einfach ein starkes Signal, dass eine der wichtigsten Führungspositionen der katholischen Kirche in Deutschland jetzt durch eine Frau besetzt wird. Das muss man erstmal zur Kenntnis nehmen. Das ist eine gute Entscheidung. Was das konkret bedeutet, wird man abwarten müssen. Ich kenne Frau Gilles nur flüchtig. Ich denke, dass sie erst mal ganz gute Voraussetzungen hat. Da muss man abwarten, welche Akzente sie setzen will, welche Akzente sie setzen kann. Und man muss natürlich auch abwarten, wie stark dann doch wieder das System ist und ob sich tatsächlich etwas ändern kann.

"Führungskräfte werden nicht vorbereitet"

Florin: Sie haben sich intensiv mit dem Thema Führen in der katholischen Kirche befasst. Ganz einfache Frage: Wie werden Führungskräfte eigentlich auf das Führen vorbereitet? Die Weihe allein kann es ja wohl nicht sein.

Jürgens: Da gibt es mittlerweile eindeutige Belege auch aus der Forschung. Führungskräfte in der katholischen Kirche werden überhaupt nicht vorbereitet, die werden identifiziert. Man weiß nicht genau, wie das passiert. Die werden dann der Bischofskongregation in Rom vorgeschlagen. Und die werden dann berufen auf ihre Stelle. Die meisten nehmen dann auch den Ruf an und werden dann Bischof oder Generalvikar. Aber eine systematische Vorbereitung gibt es nicht.

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Florin: Die katholische Kirche ist eine hierarchische Organisation. Jedes Bistum ist ja ein kleines Königreich und an der Spitze, im Monarchen, im Bischof, laufen alle Gewalten zusammen. Der Vorteil einer Hierarchie ist eigentlich, dass man weiß, wo die Verantwortung ist, nämlich oben, also bei denen, die etwas plakativ gesagt die Mütze, die Bischofsmütze aufhaben. Wie wird Verantwortungsübernahme gelehrt in diesem System?

Verantwortungsgefühl gegenüber dem Papst, nicht gegenüber den Gläubigen

Jürgens: Verantwortung wird nur von oben nach unten wahrgenommen. Das heißt, die Bischöfe fühlen sich aufgrund ihres Gehorsamsgelübdes dem Papst gegenüber verantwortlich. Das ist, denke ich, ein ganz großes Problem, was jetzt sichtbar wird: Es ist überhaupt kein Verantwortungsgefühl gegenüber den Gläubigen ausgeprägt.

Florin: Also nicht von oben nach unten, dass man sich gegenüber dem sogenannten Kirchenvolk rechtfertigen muss.

Jürgens: Genau, also die Rechtfertigung geschieht immer nach oben. Aber ich meine auch noch: Das ist das eine, also die Rechenschaft-Abgeben. Das ist ein wichtiger Punkt, den Sie ansprechen.

Ich meine aber auch etwas anderes. Es ist überhaupt nicht erkennbar, dass Bischöfe die Interessen der Gläubigen, für die sie verantwortlich sind, nach oben vertreten. Es geht immer nur andersherum. Die Bischöfe versuchen immer nur, den Gläubigen zu vermitteln, welche Vorgaben sie von Rom bekommen, welche weltkirchlichen Einschränkung sie haben, aber in die andere Richtung geht es nie. Also, dass sie mal nach Rom transportieren, was eigentlich die Gläubigen in Deutschland denken und dass sich vielleicht auf weltkirchlicher Ebene etwas ändern muss.

Florin: Kann man ihnen das denn vorwerfen? Oder liegt es nicht im System?

Jürgens: Das liegt definitiv im System. Aber trotzdem kann man sich ja fragen, wenn man sich das Ganze anguckt, ob man nicht zu dem Ergebnis kommen müsste, diese Haltung zu ändern und letztlich dann auch die Strukturen zu ändern.

"Man fragt in Rom, ob man alles richtig gemacht hat"

Florin: Jetzt muss ich doch auch persönlich werden. Wir haben gestern über das Ergebnis einer Recherche berichtet, die ich im Bistum Trier gemacht habe. Ich habe sehr ausführlich den Leidensweg einer Frau geschildert, die auf Geheiß zweier Priester ihr Kind abgetrieben hat. Einer der Priester wäre der Vater dieses Kindes gewesen. Sie leidet an diesen Erlebnissen, aber sie leidet auch daran, wie das Bistum mit ihr umgegangen ist. Die beiden Bischöfe, die mit ihrem Fall befasst waren, haben Stellung bezogen. Es sind noch aktive Bischöfe, nämlich Stephan Ackermann, Bischof von Trier, und sein Vorgänger Reinhard Marx, Erzbischof von München. Stephan Ackermann hat erklärt, er habe sich persönlich für diese Frau eingesetzt, aber er sei an seine Grenzen gestoßen. Ich muss sagen, ich hätte eigentlich erwartet, dass der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz sagt: "Heute würde ich vieles anders machen. Es tut mir leid, wie ich mich verhalten habe." Ist da meine Erwartung überzogen? Geht es nicht zu sagen, ich habe konkret das und das falsch gemacht, als Bischof?

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Jürgens: Ich würde Ihnen da zustimmen. Also das wäre wünschenswert gewesen. Hier wird sichtbar, dass die katholische Kirche systemisch Probleme mit Autonomie hat, also mit Selbstbestimmung. Das wird einerseits erkennbar an dem perversen Missbrauch, also der Missachtung von Autonomie in der schlimmsten Form, die man sich vorstellen kann. Da werden Grenzen auf eine fürchterliche Weise überschritten. Aber die andere Seite der Autonomie gibt es eben auch, dass man nicht in der Lage ist, persönliche Verantwortung zu übernehmen. Das heißt, man respektiert die Autonomie bei anderen nicht. Und man erkennt auch nicht, dass es eine persönliche Autonomie gibt, dass ich Verantwortung nicht an andere delegieren kann und selber sagen muss: Das habe ich getan, dafür bin ich verantwortlich. Stattdessen fragt man dann in Rom nach, ob man alles richtig gemacht hat.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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