Samstag, 25. Juni 2022

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Klima und Corona
Philosoph Warkus: Es braucht keine Hoffnung, um sinnvolle Dinge zu tun

Hoffnung könne die eigene Stimmung aufhellen, sei aber nicht notwendig, um motiviert an Problemen zu arbeiten, sagte der Philosoph Matthias Warkus im Dlf. So habe er zwar einen sehr pessimistischen Blick auf die Entwicklung des Weltklimas, trotzdem versuche er jeden Tag, das Richtige zu tun.

Matthias Warkus im Gespräch mit Birgid Becker | 06.06.2021

Eine rote Mohnblume wächst aus Beton- und Asphaltboden.
Die Entwicklung der Corona-Pandemie gebe Anlass zur Hoffnung, sagte Matthias Warkus im Interview (IMAGO/Achille Abboud)
Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen machen gerade vielen Menschen Hoffnung. Hoffnung, dass die Trendwende in der Corona-Pandemie erreicht ist, das das Leben wieder normal sein wird. Dass wir reisen können, Freunde treffen, Konzerte besuchen – unser normales Leben wieder leben können.
Hoffnung könne ganz allgemein oft helfen, sich gut zu fühlen, sagte der Philosoph Matthias Warkus im Interview mit dem Deutschlandfunk. "Zu glauben, dass alles irgendwie ganz schlimm ausgeht, drückt natürlich auf die eigene Stimmung", das habe er selbst in der Pandemie erlebt, weil er an einen schlimmen Verlauf der dritten Welle geglaubt habe. "Diese Vorstellung hat mir auch wirklich nachhaltig den Tag ruiniert, obwohl sie noch nicht eingetroffen ist."
Terminbestaetigung für eine Coronaimpfung und Impfpass. Foto: Winfried Rothermel
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Warkus: Kaum Hoffnung in der Klimakrise

Für Warkus leitet sich daraus allerdings nicht ab, dass man entgegen jeder realistischen Einschätzung hoffnungsvoll sein solle: "Das ist wirklich ein Blick auf Hoffnung, den finde ich so einen zweckoptimistischen Blick. Den finde ich persönlich ziemlich anstrengend." Er erlebe diesen Blick zum Beispiel, wenn er Menschen nach Gründen für Hoffnung in der Klimakrise fragt. "Dann kommt häufig gar nichts, gar keine Aussage zurück über irgendetwas, was gut ist oder schlecht ist, sondern es kommt zurück: 'Ja, aber du darfst nicht ohne Hoffnung sein.'" Reine Appelle zur Hoffnung seien aber nicht ausreichend, man müsse auch Gründe anführen können, die Grund zur Hoffnung geben. Er selbst klammere sich da an Tagesmeldungen, beispielsweise an die Verurteilung des Öl-Konzerns Shell durch ein niederländisches Gericht. Shell muss nun seine Dekarbonisierung beschleunigen.
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Doch trotz solcher Meldungen habe er einen sehr pessimistischen Blick auf die Entwicklung des Weltklimas, "aber trotzdem stehe ich halt morgens auf und versuche, irgendwie, das Richtige zu tun." Es brauche nicht zwingend ein fernes postives Ziel, um mit Motivation durchs Leben zu gehen und sinnvolle Dinge zu tun. "Leidensvermeidung ist ja immer noch sinnvoll, auch wenn man glaubt, dass irgendwie alles einem schlimmen Ende zustrebt." Auch in der Erwartung eines schlechten Endes könne man stets versuchen, zu retten, was zu retten ist.

"Feiern, dass das einigermaßen gut aussieht im Moment"

In der aktuellen pandemischen Lage dürfe man ruhig mal den Moment als Erfolg wahrnehmen und "feiern, dass das einigermaßen gut aussieht im Moment." Natürlich solle man es nicht übetreiben und niemanden dabei gefährden.