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KlimagipfelLima will Fehler von Kopenhagen vermeiden

Beim letzten Klimagipfel sollte ein Vertrag diktieren, was die Länder gegen den Klimawandel tun müssen - ohne Erfolg. Das soll beim laufenden Treffen anders sein. Lima unterscheidet sich vor allen Dingen in drei Punkten von Kopenhagen. Sie könnten den Ausschlag geben.

Von Georg Ehring | 12.12.2014

Ein Mann und eine Frau mit traditioneller Kopfbedeckung tragen Plakate mit aufgemalten Bäumen und Sprüchen vor sich.
Indigene Bewohner von Peru setzen sich auf einer Demonstration in Lima für Maßnahmen gegen den Klimawandel ein. (picture alliance / dpa / Shingo Aikyo)
Tausende von Menschen sind zum Klimagipfel nach Lima gekommen, darunter Veteranen des Klimaschutzes, die schon seit Jahren mitverhandeln. Vielen von ihnen steckt noch das Debakel von Kopenhagen in den Knochen - fünf Jahre ist das jetzt her. In Kopenhagen scheiterte der erste Versuch, die gesamte Weltgemeinschaft zum Klimaschutz zu verpflichten, und dieses Mal soll es anders laufen. Lima arbeitet an der Blaupause für einen Vertrag, der ganz anders werden soll als das, was die Unterhändler damals in Kopenhagen vereinbaren sollten.
Unterschied Nummer eins ist die Zeit - man nimmt sie sich einfach. Die Verhandlungen über einen neuen Klimavertrag laufen jetzt seit drei Jahren; sie sollen Ende 2015 in ein "Protokoll von Paris" münden. Einen ersten Vertragstext gibt es schon, doch er ist mehr ein Wunschzettel als ein Entwurf. Stefan Krug von Greenpeace hofft, dass sich dies schon in den nächsten Monaten ändern wird:
"Man hat jetzt ein Jahr Zeit, über diesen Vertrag so zu verhandeln, dass am Ende nicht das passiert, was damals in Kopenhagen passierte, dass nämlich ein Text auf dem Tisch lag von mehreren hundert Seiten und die Minister völlig überfordert waren. Im Gegenteil: Man soll versuchen, diesen Text jetzt auf einen möglichst knappen und gut ausgehandelten Entwurf zu reduzieren, der dann in Paris zum Erfolg geführt werden kann."
Der Trick der Unterhändler
Unterschied Nummer zwei ist der Vertrag selbst. Die Idee in Kopenhagen war, jedem Land seinen Anteil an den Lasten des Klimaschutzes zuzuschreiben, dabei waren viele Staaten dazu gar nicht bereit. Auch heute würden nur wenige Länder Vorschriften einer internationalen Konferenz einfach so akzeptieren, doch die Unterhändler haben einen Trick gefunden: Jedes Land entscheidet selbst, wie viel es machen will und reicht seine Pläne beim UN-Klimasekretariat ein. Vereinbart ist, dass die Pläne dann geprüft werden - doch wie dies geschehen soll, das ist einer der Hauptstreitpunkte in Lima. Salemuul Huq vom Internationalen Zentrum für Klimawandel und Entwicklung in Bangladesh:
"Aus unserer Sicht sollte der Prüfungsprozess so strikt und soweit rechtlich bindend sein wie möglich. Aber: Verhandlungen sind die Kunst des Kompromisses und am Ende wird vermutlich etwas herauskommen, das nicht so strikt ist, wie wir es gerne hätten, aber solange es strikt genug ist, soll es gut sein."
Für möglichst viel Verbindlichkeit kämpft auch die Europäische Union, dagegen sind vor allem Schwellenländer wie Indien und China, aber auch die USA. Sie befürchten, dass zu viel Verbindlichkeit eher abschreckend wirkt. Sein Land bemühe sich genau wie China, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen, obwohl sie in keinem internationalen Vertrag stehen, sagte US-Unterhändler Todd Stern.
"Im Gegensatz dazu gab es Länder, die beim Kyoto-Protokoll dabei waren und rechtlich verbindliche Ziele hatten. Sie haben sie nicht eingehalten und es gab keine Konsequenzen."
Die Welt ist eine andere geworden
Entschieden werden dürfte diese Frage erst beim nächsten Gipfel in Paris. Bis Ende März sollen die einzelnen Staaten ihre Klimaschutzpläne vorlegen. Die Entscheidung darüber, was sie dort hineinschreiben sollen, muss eigentlich noch auf diesem Gipfel fallen. Stefan Krug von Greenpeace:
"Die Industrieländer sagen überwiegend, dass es bei diesen Verpflichtungen nur um CO2-Reduktion gehen soll. Die Entwicklungsländer dagegen wollen Elemente über Anpassungsfinanzierung drin haben. Das wird noch eine sehr heiße Debatte hier und es ist sehr fraglich, ob in Lima dazu ein sinnvoller Abschluss gefunden werden kann."
Und es gibt noch einen dritten Unterschied: Die Welt ist eine andere geworden. Im Jahr 2009 galten erneuerbare Energiequellen als teuer und unzuverlässig, viele Staaten wollten sich damit noch gar nicht befassen. Das hat sich grundlegend geändert, Solar- und Windkraft gelten auch wirtschaftlich als Zukunftsenergien. Salemuul Huq:
"Es passiert viel mehr vor Ort. Sehr viele Länder sind aktiv geworden, um ihre Emissionen zu verringern und saubere Energie einzuführen und wenn sie das tun, dann merken sie, dass es eigentlich leichter ist als gedacht."