
Deutschland und Europa bekommen die Folgen der Erderwärmung in diesem Sommer in einem bisher ungekannten und auch unerwarteten Ausmaß zu spüren. Es zeigt sich, wie wichtig es ist, dass Journalistinnen und Journalisten aller Themenbereiche Basiswissen in puncto Klimawandel haben.
Es reicht nicht, das Wissen in speziellen Fachredaktionen zu verankern, etwa in einer Umwelt- oder Klimaredaktion. Denn der Klimawandel hat Auswirkungen auf alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche. Entsprechend muss auch das Wissen über Ursachen und Folgen überall verankert sein – ausdrücklich auch in der Wirtschafts-, Kultur- und natürlich Politikredaktion.
Zu oft zeigt sich in diesen Tagen aber, dass genau das nicht der Fall ist. Können sich Ministerinnen und Minister der Bundesregierung durchmogeln, weil die entscheidenden Fragen ungestellt bleiben. Oft aufgrund mangelnden Wissens, nicht selten aber wohl auch, weil die politische Dimension des Themas verkannt wird.
Politische Narrative hinterfragen
Das Niedrigwasser in den Flüssen ist nun mal kein reines Wirtschaftsthema, sondern auch eine menschengemachte ökologische Katastrophe, die die Politik hätte verhindern oder abmildern können.
Der Landwirtschaftsminister beklagt, er könne keinen Regen machen, der Verkehrsminister spricht davon, man könne ja das Wetter nicht ändern, der Bundeskanzler will die Lage beobachten und sich vielleicht zu gegebenem Zeitpunkt äußern, ließ er auf seiner Sommerpressekonferenz wissen. Teile der Bundesregierung tun so, als könnten sie gar nichts machen, um die Lage zu verbessern, als sei es gar nicht ihre Aufgabe.
Es ist unsere journalistische Aufgabe, genau das zu hinterfragen. Tut die Bundesregierung genug, wird sie ihren Aufgaben gerecht, eignen sich die Mittel des Handelns, um das Problem in den Griff zu bekommen? Diese Fragen gehören im Klimanotstand an die oberste Riege der Politik adressiert.
Basiswissen über den Klimawandel ist unabdingbar
Dass sich die Bundesregierung vor Antworten drücken kann, liegt auch am mangelnden Fragen seitens vieler Journalistinnen und Journalisten. Wer das aus klimajournalistischer Perspektive anspricht, dem wird schnell aktivistisches Handeln unterstellt. Dabei mahnen wir Fachjournalistinnen und Fachjournalisten nicht, weil uns das Thema persönlich so am Herzen liegt, sondern weil unsere Arbeitgeber uns stellvertretend für unser Publikum den Auftrag gegeben haben, Experten für diese Themen zu sein.
Nicht jeder muss ein Nerd sein. Aber mehr Basiswissen über die Zusammenhänge, das zeigt sich in diesen Zeiten, wäre gut – und mehr Mut, Regierungshandeln zu hinterfragen. Denn das ist doch schließlich unsere Aufgabe.










