Marine Hitzewellen
Wie ein Waldbrand unter Wasser

Hitzewellen gibt es nicht nur an Land, sondern auch in den Ozeanen. Sie treten immer häufiger auf und haben gravierende Folgen für marine Ökosysteme, das Klima und die Fischerei.

    EIn Fischer stakt Boot im golfarbenen Meer
    Marine Hitzewellen gefährden auch die Lebensgrundlage von Fischern. (picture alliance / Bob Gibbons)
    Die Ozeane erwärmen sich: Die Durchschnittstemperatur lag im Juni 2026 den Messungen des EU-Beobachtungsprogramms Copernicus Marine Service zufolge bei fast 21 Grad Celsius. Damit waren die Weltmeere noch nie so warm wie derzeit. Der bisher höchste Wert stammt von Juni 2024.
    Die hohen Temperaturen werden laut Copernicus vermutlich anhalten oder noch weiter steigen. Damit einher gehen sogenannte marine Hitzewellen, die Meeresbewohnern, Klima und auch der Wirtschaft schaden.

    Inhalt

    Hitzewellen in den Ozeanen nehmen zu

    Hitzewellen gibt es nicht allein an Land, sondern auch in den Ozeanen. Marine Hitzewellen (MHW) sind laut der Definition des Copernicus Marine Service "vorübergehende, aber lang anhaltende (fünf Tage oder mehr) extreme Temperaturanstiege im Meer". Sie können an verschiedenen Stellen im Meer auftreten.
    Die Anzahl von marinen Hitzewellen hat sich seit 1982 verdoppelt. Auch Ausmaß und Dauer haben zugenommen. Infolge des menschengemachten Klimawandels wird sich der Trend Prognosen zufolge fortsetzen.

    Korallen sterben, Fische wandern ab

    Marine Hitzewellen gefährden die Ökosysteme der Meere und das Leben der Meeresbewohner. So beobachten Meeresforscher, dass Korallenarten wie die weißen Gorgonien infolge von marinen Hitzewellen teilweise absterben oder sich nicht mehr fortpflanzen. In untersuchten Gebieten in Italien und vor der Küste Kataloniens zeigt sich, dass die Korallenart heute weniger dicht wächst als noch vor wenigen Jahren.
    Diese Korallen könnten im flachen Wasser schon in den nächsten Jahren aussterben, befürchtet die Meeresbiologin Júlia Sardà. Die Gorgonien leiden besonders stark unter den Hitzewellen. Ähnlich geht es jedoch fast allen Korallen, den für das Mittelmeer typischen Algenwäldern und vielen Muschelarten. Auch Zooplankton, eine der wichtigsten Nahrungsgrundlagen für größere Meeresbewohner, ist von den MHW betroffen.
    Zudem leiden die Fische. Fischarten, die das warme Wasser nicht vertragen, sterben ab – oder versuchen, in kältere Regionen zu entkommen. Gerade im Mittelmeer gelingt das jedoch oft nicht, weil dort die Temperaturen generell erhöht sind und die Tiere zum Teil nicht den Weg in den kühleren Atlantik finden.

    Meereserwärmung begünstigt extreme Wetterereignisse

    Ozeane spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung des globalen Klimas. Sie nehmen sowohl einen Großteil der überschüssigen Wärme auf, die durch die CO2-Emissionen der Menschheit verursacht wird, als auch das CO2 selbst. Doch die CO2-Aufnahmekapazität der Ozeanes nimmt bei höheren Temperaturen ab. Steigende Temperaturen der Weltmeere können daher schädliche Folgen für die gesamte Erde haben.
    Meeresforscher sehen zudem einen Zusammenhang zwischen marinen Hitzewellen und der Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse wie Stürme und Starkniederschläge: Haben Ozeane eine stark erhöhte Oberflächentemperatur, verdunstet mehr Wasser. Dieser zusätzliche Wasserdampf in der Atmosphäre produziert wiederum starke Regenereignisse, erklärt die Physikerin Katja Matthes, Direktorin des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung. Und dies nicht allein im Mittelmeerraum, sondern auch in anderen Teilen Europas.
    Dazu kommt: Durch die Erwärmung der Ozeane schmilzt weltweit verstärkt das Eis von Eisschilden, Eiskappen und Gletschern. Bei Eisströmen, die im Meer enden, tritt vermehrt das sogenannte submarine Schmelzen auf. Dies trägt wiederum zu einem Anstieg des globalen Meeresspiegels bei.

    Große Schäden für Fischerei und Aquakulturen

    Hitzewellen sind nicht nur für Ökosysteme ein zunehmendes Problem, sondern auch für die Wirtschaft – besonders für Fischerei und Aquakulturen.
    Dies zeigen die Folgen der starken marinen Hitzewellen der Jahre 2023 und 2024. Allein Peru verbuchte in beiden Jahren einen Verlust von 1,4 Milliarden US-Dollar im Bereich der Sardellenfischerei. Das wärmere Wasser hatte die Tiere aus den Küstengewässern vertrieben.
    Auch Aquakulturbetriebe wie für Muscheln verzeichneten große Verluste. Denn bei hohen Wassertemperaturen breiten sich Krankheiten aus, wodurch die Tiere sterben oder nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet sind.
    Der Fischfang könnte aufgrund mariner Hitzewellen durchschnittlich um sechs Prozent zurückgehen, prognostiziert eine Studie der University of British Columbia. Demnach sinken die Einnahmen der Fischerei weltweit durchschnittlich um drei Prozent – und die Beschäftigung in der Fischerei um zwei Prozent, ein Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen.
    Auch der Tourismus bekommt die Folgen der Hitzewellen zu spüren. In Thailand mussten durch die Wärme gestresste Korallenriffe für den Tauchtourismus gesperrt werden, um sie zu schützen. Das trifft gerade die kleineren Tourismusbetriebe vor Ort schwer.

    Ein Frühwarnsystem für Fischerei und Tourismus

    Um die Schäden zu begrenzen, ist es wichtig, Anpassungsstrategien zu entwickeln, sagt die Meeresbiologin Katie Smith. Denn mithilfe von Satellitenmessungen ließen sich marine Hitzewellen bis zu zwei Monate vorhersagen. Aquakulturbetriebe oder Muschelzüchter könnten sich auf anstehende Hitzewellen vorbereiten – in dem sie die in Tanks an Land gezüchtete Fischbrut erst später im Meer ausbringen oder Muscheln früher ernten. Das Wichtigste sei jedoch, die Ökosysteme selbst zu schützen, betont Smith.

    Onlinetext: Catherine Shelton / Quellen: Deutschlandfunk