Samstag, 28. Mai 2022

Konflikte im Norden von Mosambik
Terror und die Hoffnung auf einen Neuanfang

Trotz massiver Militärhilfe aus dem Ausland ist der Terror in Nordmosambik noch immer nicht gestoppt. 800.000 Menschen sind inzwischen vor Kämpfen und Anschlägen geflohen. Sie wünschen sich eine Perspektive, wissen aber nicht, wo sie ihr Leben wiederaufbauen können.

Von Stefan Ehlert | 17.01.2022

Die Regierung von Mosambik hat im Bezirk Mueda in der Provinz Cabo Delgado Hunderte Menschen angesiedelt, die vor Terrorangriffen geflohen waren. Verschiedene NGOs helfen
Die Regierung von Mosambik hat im Bezirk Mueda in der Provinz Cabo Delgado Hunderte Menschen angesiedelt, die vor Terrorangriffen geflohen waren. Verschiedene NGOs helfen (imago images/Le Pictorium)
Ancha Omar Malique sitzt auf dem Zementboden eines kleinen Hauses am Strand von Pemba im Norden von Mosambik. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sie hier Zuflucht gefunden, traumatisiert, erschöpft, kurz vor der Niederkunft ihres sechsten Kindes.
„Im Moment habe ich keine klare Vorstellung davon, was ich in Zukunft machen werde. Es geht darum, von Tag zu Tag zu überleben. In Mucojo, wo ich herkomme, ist ja immer noch Krieg.“

Opfer des Terrors islamistischer Milizen

Vita, sagt sie in ihrer Sprache Kimwani. Vita bedeutet Krieg. Und der ist dort, wo Ancha Omar herkommt, noch längst nicht beendet. Sie stammt aus Mucojo, 250 Kilometer nördlich von Pemba. Pemba ist die Provinzhauptstadt von Cabo Delgado im Norden Mosambiks. Seit mehr als vier Jahren überziehen islamistische Milizen große Gebiete dieser Provinz mit tödlichen Angriffen. Mehr als 3.500 Tote und 800.000 Vertriebene – das ist die Bilanz dieser Terrorkrise, die inzwischen auch eine Nachbarprovinz erreicht hat. Eine der vielen Geflüchteten ist Ancha Omar. Während sie spricht, zieht sich ihre jüngste Tochter an ihrer Schulter in den Stand. Amina heißt sie, den Namen habe ihr Vater ihr nach der Geburt in Pemba noch gegeben, berichtet die Mutter. Aber die kleine Amina wird ihren Vater nie kennenlernen: „Mein Mann ist von den Al-Shabaab umgebracht worden. Jetzt bin ich allein und ohne Einkünfte.“

Sicherheit finden für ein neues Leben

Aminas Vater war der 40-jährige Fischhändler Anlawe Almasse. Er ist den Worten seiner Frau zufolge kurz nach Aminas Geburt vom sicheren Pemba aus in die Gegend von Mucojo gefahren, seine alte Heimat, weil er dort Langusten und Trockenfisch kaufen wollte. Möglicherweise war es eine Falle. Im Küstendorf Olumbua fiel er den Aufständischen in die Hände. Die Täter raubten den Außenborder und das Geld. Sie sollen allen, die auf dem Boot mitgereist waren, die Kehlen durchgeschnitten haben. Nur einen hätten sie am Leben gelassen. Vermutlich, damit er von den Gräueln berichtet.
Angst zu erzeugen – das ist das Kerngeschäft der Terroristen, auch in Mosambiks Krisenprovinz Cabo Delgado, hoch im Norden des südostafrikanischen Landes, gute 2000 Kilometer von der Hauptstadt Maputo entfernt. Vor einem Jahr schilderte Ancha Omar - damals noch hochschwanger - wie sie vor ihrer Flucht aus dem Ort Mucojo dort den Anblick abgeschnittener Köpfe ihrer Nachbarn habe ertragen müssen. Nun wolle sie mit der alten Heimat nie mehr etwas zu tun haben: „Ich habe dort so schreckliche Dinge erlebt, dass ich nicht mal für einen einzigen Tag zurück will. Meine Idee ist, mich hier in der Gegend so einzurichten, dass wir überleben können. Ich will hier ein Stück Land finden, wo es sicher ist, und dann die Kinder wieder zur Schule schicken und hier ein neues Leben beginnen.“

Mehr als 800.000 Menschen auf der Flucht

Aber wo kann das neue Leben beginnen, wenn mehr als 800.000 Menschen ihre Heimat verlassen mussten? Seit Oktober 2017 dauert der Aufstand in Cabo Delgado nun schon an. Die Islamisten nennen sich selbst unter anderem „Ahla Sunna Wal-Jamâa“, Gemeinschaft der Anhänger der Sunna. Sie bekunden ihre Treue zum Islamischen Staat und gelten als Teil der zentralafrikanischen Provinz des IS, kurz ISCAP. Die Bevölkerung nennt sie Al-Shabaab, die Jugend, wie in Somalia, oder kurz „Mashababos“. Aber Mosambiks Islamisten sind den meisten Experten zufolge aus lokalen Gruppen hervorgegangen. Die Ursachen dieser Entwicklung sind vielfältig: Armut, religiöse Radikalisierung, politische Vernachlässigung und Frustration darüber, dass vom Rohstoffreichtum der Provinz – etwa Erdgas und Rubine - bei den Armen nichts ankommt.
In Mosambik helfen Organisationen wie das Welternährungsprogramm (WFP) bei der Versorgung der vertriebenen Menschen mit Nahrungsmitteln
In Mosambik helfen Organisationen wie das Welternährungsprogramm (WFP) bei der Versorgung der vertriebenen Menschen mit Nahrungsmitteln (imago images/Le Pictorium)
Aus ihren wenigen Videobotschaften geht hervor, was die Aufständischen wollen: Sie fordern ein eigenes Kalifat, in dem die Scharia gilt, das islamische Recht. Und sie verlangen die Abdankung der Regierungspartei Frelimo und ihrer Funktionäre in Cabo Delgado.

Welternährungsprogramm musste Rationen halbieren

Jedes zweite Toddesopfer dieses Konflikts war Zivilist. „Kap der Angst“ – so nannte ein portugiesischer Journalist die Provinz, wo nach Regierungsangaben rund ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht ist. Wer versorgt die Menschen mit Essen, wo können ihre Kinder zur Schule gehen? Und vor allem: Wann dürfen sie wieder zurück in die Heimat? Vor einem Jahr war der heute 57-jährige Geraldo António noch neu in seiner Rolle als mittel- und landloser Flüchtling. Er floh aus dem Landkreis Quissanga, ca. 100 Kilometer nördlich von Pemba, und lebt heute mit Angehörigen im Flüchtlingszentrum Nangau in der Nähe der Provinzhauptstadt.
„Den Umständen entsprechend geht es mir normal. Aber wir haben hier viele Probleme in der Umgebung und im Camp. Uns fehlen Töpfe, wir haben keine wasserdichten Planen über den Hütten.“ Und an Nahrungsmitteln fehle es auch, von Feuerholz ganz zu schweigen – es sind dieselben Klagen wie vor einem Jahr. António sagt, er wolle gern einen eigenen Acker bestellen, um nicht vollständig von den Lieferungen des Welternährungsprogramms WFP abhängig zu sein. Das WFP musste die Rationen von Bohnen, Reis und Öl von 50 Kilogramm pro Haushalt vor Weihnachten halbieren, weil es an Geld fehlte.

Konflikte mit alteingessenen Bewohnern

Doch außerdem fehlt es dort, wo Geraldo António lebt, an freiem Land. Er sagt, es gebe Konflikte mit den alteingesessenen Dorfeinwohnern um Wasser, das Recht an den Ernte-Erträgen und Plätze in der Schule. Geraldo António hofft - anders als die traumatisierte Ancha Omar - dass er bald nach Hause kann, dorthin, wo er und seine Frau Rabia fünf Kinder großgezogen haben und noch nie auf Hilfe angewiesen waren: „Ich für meinen Teil will wieder nach Quissanga zurück und dort leben. Aber die Lage ist ja nicht normal, oder vielleicht ist sie normal, aber solange uns die Regierung nicht wirklich auffordert heimzugehen, stecken wir hier fest.“
Nach seiner Vorstellung muss die Regierung die Sicherheit in seiner Heimat garantieren, bevor er dorthin zurückkehrt. Doch mitten in einem Anti-Terror- und Guerillakrieg ist das möglicherweise zu viel verlangt. Momentan zeichnet sich ab, dass die Sicherheit zunächst dort wiederhergestellt werden soll, wo strategische Städte, Straßen, Häfen und Industrieanlagen der Erdgasgewinnung betroffen sind. Cabo Delgados gewählter Gouverneur Valige Tauabo bittet die Bevölkerung um Geduld: „Die Arbeit, die unsere Truppen und die Verbündeten geleistet haben, erlauben festzustellen, dass es eine gewisse Sicherheit gibt, es gibt weniger Leid in den Dörfern, weil unsere Truppen dort sind. Aber das heißt nicht, dass dies das Ende der terroristischen Überfälle ist.“

Risiken bei der Bestellung der Felder

Doch inmitten der Pflanzzeit, das weiß auch Gouverneur Tauabo in der Provinzhauptstadt Pemba, sind viele Bürgerinnen und Bürger bereit, gewisse Risiken in Kauf zu nehmen, um ihre Äcker zu bestellen, ihre Versorgung zu verbessern und deutlich zu machen: Das ist unser Land: „Unsere entwurzelte Bevölkerung aus den Gebieten, wo sich eine gewisse Sicherheit abzeichnet, hat eine Tendenz zurückzukehren – auch ohne Anweisung der Regierung.“
Frühere Frelimo-Soldaten werden in Mosambik in der Provinz Cabo Delgado zum Schutz von Dörfern vor islamistischen Angriffen reaktiviert
Frühere Frelimo-Soldaten werden in Mosambik in der Provinz Cabo Delgado zum Schutz von Dörfern vor islamistischen Angriffen reaktiviert (imago images/Le Pictorium)
Erfahrungsgemäß wird es diese Tendenz zur Heimkehr nicht mehr lange geben. Der Analyst Borges Nhamirre in der Hauptstadt Maputo beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen der Sicherheitspolitik. Der 37-Jährige ist bestens vernetzt und forscht auch für das renommierte südafrikanische Institut für Sicherheitsfragen ISS. Er sagt, die Menschen suchten nach dauerhaften Perspektiven. Jeder Rückschlag, jeder weitere Angriff auf Dörfer in Cabo Delgado untergrabe das Vertrauen der Menschen in die Fähigkeit des Staates, dem Terror dort wirklich ein Ende zu setzen. „Im Moment sagen die Leute noch, dass sie zurückkehren wollen. Aber die Bereitschaft sinkt. Je länger der Konflikt dauert, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen zurückkehren.“

2022 soll das Ende des Terrors bringen

Seit Dezember meldet das Beobachternetzwerk „Cabo Ligado“ auf seiner Online-Plattform wieder vermehrt Angriffe der militanten Islamisten in Cabo Delgado. Im November hatte sich der Konflikt sogar bis in die Nachbarprovinz Niassa ausgeweitet. Ist die Regierung in Maputo mit ihrem neuen Kurs in der Sicherheits- und Anti-Terror-Politik gescheitert?
Das Jahr 2022 muss das Ende des Terrors bringen. Mit diesem Aufruf hat sich Präsident Filipe Nyusi kurz vor Weinachten an die Truppen gewandt, die diesen Sieg erringen sollen. Wenige Tage zuvor hatte er in seiner Eigenschaft als Oberkommandierender der Streitkräfte in einer Militärakademie erklärt, was genau er von den Forças Armadas erwarte: „Die Intensivierung des Kampfes gegen den Terror in den Gebieten, die davon betroffen sind – die Wiederherstellung der Sicherheit in allen isolierten Orten, die von der Geißel betroffen sind – Schaffung von Sicherheit dergestalt, dass die Bevölkerung an ihre Herkunftsorte zurückkehren kann.“

Erdgasförderung soll ausgebaut werden

Anders als in den Vorjahren ist Mosambiks Führung im Jahr 2021 über den eigenen Schatten gesprungen, um das Terrorproblem mit militärischer Hilfe aus dem Ausland effektiver anzugehen. Anlass zum Umdenken war der Sturm der Islamisten am 24. März 2021 auf die Stadt Palma, ganz im Norden der Provinz Cabo Delgado. Dort in der Nähe sind milliardenschwere Investitionen in die Erdgasgewinnung geplant, unter Federführung des französischen Total-Konzerns. Doch nach der Erstürmung Palmas durch die Terroristen legte Total das Projekt auf Eis und hat bis heute die Arbeiten nicht wieder aufnehmen lassen. Es geht um mehr als 20 Milliarden Euro an Investitionen allein in Cabo Delgado. Zum Vergleich: Mosambik mit rund 31 Millionen Einwohnern hat ein Jahres-Budget wie die Stadt Frankfurt am Main, umgerechnet unter fünf Milliarden Euro. Die Bürgerinnen und Bürger verdienen im Schnitt pro Kopf unter 400 US-Dollar – im Jahr. Wenige Staaten der Welt sind materiell ärmer.
Soldaten aus Botswana sollen in Mosambik im Kampf gegen den Terror islamistischer Milizen helfen
Soldaten aus Botswana sollen in Mosambik im Kampf gegen den Terror islamistischer Milizen helfen (imago images/Xinhua)

Disziplin der Streitkräfte als Problem

Die Erdgasförderung aufzugeben, weil das eigene Militär versagte, war für Maputo keine Option. Deshalb wurden zusätzlich Söldner beschäftigt, um den Traum vom Gas zu retten. Doch sowohl ihnen als auch der regulären Armee legt die Organisation Amnesty International schwere Menschenrechtsverbrechen zur Last, ebenso wie den radikalen Islamisten. Sie haben nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in wenigen Jahren Hunderte Frauen und Mädchen entführt. Vor diesem Hintergrund wäre es für die heimischen Sicherheitskräfte möglich gewesen, Sympathie in der Bevölkerung zu gewinnen, auch um den Verstecken der Terrormilizen auf die Spur zu kommen. Doch das Gegenteil scheint der Fall gewesen zu sein, meinen Beobachter wie Borges Nhamirre: „Eines der großen Probleme unserer Streitkräfte ist die Disziplin. Die haben keine Disziplin. Es sind Militärs, die in Palma Banken ausrauben statt sie zu schützen. So etwas lässt sich durch Ausbildung verbessern.“

Ausländische Militärinterventionen helfen

Analyst Nhamirre pflegt eine eher positive Sicht auf die diversen ausländischen Militärinterventionen, die vergangenes Jahr verabredet wurden. Im April 2021 reiste Präsident Nyusi nach Ruanda und bat um Unterstützung. Schon im Juli kamen 1000 ruandische Soldatinnen und Soldaten an, später waren es 2000. Sie brauchten keine vier Wochen, um die ein Jahr lang von den Islamisten kontrollierte Hafenstadt Mocímboa da Praia zu befreien. Nach Ruanda begann die Militär-Mission SAMIM der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC, Truppen ins Gefecht zu schicken. Darüber hinaus ersetzte Nyusi die zivilen Innen- und Verteidigungsminister durch Kommandeure des Militärs und der Polizei. Im November dann nahm eine Europäische Trainingsmission in Mosambik die Arbeit auf. Die EUTM soll Spezialkräfte ausbilden, die dem Terror etwas entgegensetzen können. Außerdem sagten die Europäer 40 Millionen Euro für den Einkauf von Drohnen, Nachtsichtgeräten und Fahrzeugen zu. Nur keine tödlichen Waffen, wie EU-Botschafter Antonio Sanchez-Benedito Gaspar mehrfach betonte.

Europa hilft mit Militärausbildern

„Die EUTM Mosambik wird in den kommenden zwei Jahren Spezialkräfte der Armee ausbilden und ausrüsten. Das Training zielt anfänglich auf eine Verstärkung der operativen Kapazität ab, enthält aber auch eine Ausbildung in Menschenrechten und Internationalem Humanitären Recht – das sind Fragen, die fundamental sind, um die Unterstützung der Bevölkerung zu verstärken und den Frieden zu sichern.“
Wer kann die Hand dafür ins Feuer legen, dass Europas Trainingsmission in Mosambik nicht genauso scheitert wie in Mali oder Afghanistan? Nicht unwahrscheinlich ist, dass Frankreich sich für Ruandas Einsatz in Nordmosambik erkenntlich zeigt, weil es um französische Energieoptionen geht. Mosambiks Regierung betonte, Ruandas Beitrag sei unbezahlbar und es gebe keine Gegenleistung. Zum Jahresbeginn beschlossen beide Seiten in Ruandas Hauptstadt Kigali, die Zusammenarbeit zu intensivieren. 

Lebensmittelhilfen sind keine Dauerlösung

Zurück zu den Geflüchteten. In Milamba, 40 Kilometer entfernt von Cabo Delgados Provinzhauptstadt Pemba, warten etwa 100 Menschen unter hohen Mangobäumen darauf, dass ihnen das Welternährungsprogramm und sein lokaler Partner Saatgut aushändigen. Die Regenzeit steht bevor, die Leute sind ungeduldig, sie wollen die Mais- und Bohnensaat möglichst schnell ausbringen. Einer von ihnen ist Ali Omar, der vor einem Jahr mit Frau und fünf Kindern aus Quissanga entkam: „Das Dorf hier hat mir anderthalb Hektar Land zur Verfügung gestellt. Wenn die Regierung nicht anordnet, dass wir zurückkehren müssen, bleibe ich mit meiner Familie hier.“
Das Welternährungsprogramm in Cabo Delgado setzt verstärkt auf Hilfe zur Selbsthilfe, sagt seine Provinzdirektorin Cristina Graziani. „900.000 Menschen zu versorgen, ist in logistischer Hinsicht nicht so einfach. Wir haben ein Zentrallager in Pemba, wir haben dezentrale Lager in den meisten Distrikten, wir leisten Luft-, Land- und Seetransport. Die Lage verändert sich ständig und ist sehr komplex, es gibt nicht die eine Lösung für alle. Manche Gebiete sind jetzt sicherer, wir haben Rückkehrer gesehen, ganz gewiss im Gebiet von Palma, außerdem gibt es Belege dafür, dass Menschen nachschauen wollen, ob ihr Land noch da ist und ob sie es vielleicht bestellen können.“

Wertschätzung für Schulkinder wächst

Saatgut, Werkzeug, Ausbildung, Gutscheine – die Formen der Unterstützung sind vielfältig. Besonderen Anklang findet die auch von Deutschland mitfinanzierte Verteilung von fünf Kilo Lebensmittelhilfe pro Kind und Lehrkraft an ausgesuchten Schulen. Damit kommen wir eine Woche weiter, sagt die 18-jährige Schülerin Messina Manuel, als sie ihre Zuteilung - verpackt in blaue Plastiktüten - auf dem Schulhof abholt. Sie hat den Schulbesuch wieder aufgenommen, obwohl sie schon ein Baby auf dem Rücken trägt. Schuldirektor Agostinho Chicapa gibt an, dass er und sein 17-köpfiges Kollegium inzwischen ein Viertel mehr Schülerinnen und Schüler begrüßen können als vor der monatlichen Lebensmittelausgabe, insgesamt 850: „Die Veränderung ist deutlich sichtbar. Wir haben eigentlich alle Schüler wiedergewonnen, die schon aufgegeben hatten. Jetzt kann ja keiner mehr wegbleiben, weil es diesen Anreiz in Form von Lebensmitteln gibt.“
In den Familien wächst die Wertschätzung für die Schulkinder – weil sie zum Unterhalt beitragen. Statt Wasserholen und Feuerholzsammeln steht für viele Kinder nun wieder der Schulbesuch auf dem Programm: Schreiben, Rechnen, Portugiesisch. Lernen für eine mögliche Zukunft jenseits von Krieg und Armut.

Hoffnung auf Waffenstillstand in diesem Jahr

Was ist die Perspektive für Cabo Delgado? Allein mit militärischen Mitteln, sagt Analyst Borges Nhamirre, sei ein Ende der Gewalt dort nicht zu erreichen. Er plädiert dafür, zunächst den militärischen Druck auf die Terroristen zu erhöhen, um dann mit ihnen über Lösungen zu sprechen: „Es ist immer möglich jemanden zu finden, mit dem man reden kann. Die entscheidende Frage dabei ist, wann? Sie können nicht verhandeln, wenn sie gerade dabei sind zu verlieren. Sie müssen verhandeln, wenn sie im Vorteil sind, sie müssen den Handlungsspielraum des Gegners einschränken und dann Gespräche führen.“
Wann das sein wird? Verhandlungen, Gespräche, ein Waffenstillstand in Mosambiks Norden? Nicht nur Borges Nhamirre hofft, dass es noch in diesem Jahr dazu kommt.