Freihandel
Kritik an Grünen nach Mercosur-Abstimmung auch in eigenen Reihen

Das Mercosur-Abstimmungsverhalten der Grünen im Europaparlament hat auch in den eigenen Reihen Kritik ausgelöst. Ex-Bundesminister Trittin sprach von fehlendem Kompass: Acht deutsche Grüne und drei deutsche Linke hätten dazu beigetragen, dass eine rechte Bauernlobby und Anti-Europäer mit zehn Stimmen Mehrheit einen Schritt zu mehr Souveränität der EU blockieren konnten.

    Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin auf der Frankfurter Buchmesse 2024
    Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin hat die Anrufung des EuGH durch das Europaparlament kritisiert. (Imago / Dwi Anoraganingrum)
    Die Ex-Parteichefs Kuhn und Bütikofer nannten das Vorgehen "richtig traurig" und einen "schweren Fehler". Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Wagener kritisierte das Parlamentvotum als "zu zögerlich". Der Grünen-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Özdemir, erklärte, zu viele hätten den Ernst der Lage nicht verstanden. Wenn Europa im Kräftemessen mit Chinas aggressiver Subventionspolitik und Trumps eskalierender Zollspirale bestehen wolle, müsse man erwachsen werden. Er ermuntere die EU ausdrücklich, das Abkommen vorläufig in Kraft zu setzen. Das hatte auch Bundeskanzler Merz gefordert.
    Mehrere Europaabgeordnete der Grünen hatten gestern dafür gestimmt, den Mercosur-Vertrag dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen. Die Ratifizierung des über 25 Jahre verhandelten Freihandelsabkommens mit südamerikanischen Staaten dürfte sich nun verzögern.
    Diese Nachricht wurde am 22.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.