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StartseiteSport am WochenendeGegen die Wand 09.05.2020

Lacrosse-Training in der Coronakrise Gegen die Wand

Lacrosse gilt als die schnellste Teamsportart auf zwei Beinen. Manchmal geht es auf dem Feld recht ruppig zu. Deshalb wird es noch eine Weile dauern, bis die Lacrosserinnen und Lacrosser wieder ins Teamtraining einsteigen können. Bis dahin gibt es für sie eine gute Alternative.

Von Andrea Schültke

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Michael Wolter und Constanze Höhn beim Training (Deutschlandradio/ Andrea Schültke)
Michael Wolter und Constanze Höhn beim Training (Deutschlandradio/ Andrea Schültke)
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Ein sonniger Maimorgen unter einer Eisenbahnbrücke und ein Lacrosse Ball knallt hier gegen eine Wand. An der Brückenwand - eine Betonwand - sind Graffiti. Davor steht Michael Wolter, Nationalspieler im Lacrosse. Michael Wolter, was genau machen Sie hier?
 
"Wallballs. Einfach gesagt, den Ball gegen die Wand werfen und wieder fangen. Wirklich das Spiel mit sich selbst, mit einer Wand und dem Lacrosseschläger."
 
Michael Wolter ist nicht allein zur Eisenbahnbrücke gekommen. Seine Freundin Constanze Höhn ist dabei. Beide spielen beim Kölner Lacrosse Club Schwarz-Weiß in der Bundesliga. Zehn gegen zehn auf einem Fußballfeldgroßen Platz. Das Ziel: einen Gummiball mit dem Schläger ins Tor schleudern. Normalerweise:
 
"Zum einen ist das komplette Vereinsgelände gesperrt, darum geht’s nicht. Wir haben, wie gesagt, einen Kontaktsport und stehen mit mehreren Menschen auf dem Feld. Das funktioniert einfach nicht, weil die Ansteckungsgefahr zu groß wäre."

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Alle großen Events wurden verschoben

Die Coronakrise hat den Ligabetrieb im Lacrosse gestoppt. Die Deutschen Meisterschaften und Playoffs im Juni sind ebenfalls abgesagt, EM und U 19-WM um ein Jahr verschoben.
 
Michael Wolter und Constanze Höhn halten sich unter anderem mit Wallball fit. Wie viele Spielerinnen und Spieler, vermutet Simon Krause, Präsident des Deutschen Lacrosse-Verbandes:
 
"Wallball ist eigentlich eine fest etablierte Möglichkeit, um seine Fertigkeiten am Lacrosse-Schläger das ganze Jahr über zu verbessern. In Coronazeiten rückt es noch ein bisschen mehr in den Vordergrund, weil man hier natürlich alle Regeln bezüglich "Social Distancing" einhalten kann und trotzdem weiter Spaß am Sport haben kann."
 
Vorausgesetzt, die passende Wand ist da. Die finden Constanze Höhn, Michael Wolter und alle Lacrosser in Corona-Zeiten sogar noch leichter. Auf einer interaktiven Karte im Netz.
 
"Wo jeder Lacrosser aus Deutschland seine Lieblingswände kennzeichnet, an denen man wunderbar Wallballs machen kann."

Michael Wolter und Constanze Höhn beim Training in Köln (Deutschlandradio/ Andrea Schültke)Michael Wolter und Constanze Höhn beim Training in Köln (Deutschlandradio/ Andrea Schültke)
 
Zu finden: Wände von Schulen, Parkhäusern, Baumärkten oder Tiefgaragen. Sportlerinnen und Sportler haben aber auch Industriedenkmäler eingetragen, etwa den Landschaftspark Nord in Duisburg.
In Chemnitz sind es alte Lagerhäuser versehen mit dem Hinweis: nicht die Fenster treffen.
"Die Wand ist weltklasse", steht als Anmerkung zur Wand am "Ägyptisches Museum" in München. Und die Warnung: Manchmal käme der Sicherheitsdienst.
 
"Was würden Sie über diese Wand hier schreiben oder was steht da drin?
 
"Bei dieser Wand würde jetzt einmal der Standort drinstehen. Krefelder Straße, Gladbacher Wall in Köln ist eine Wand ist, die eigentlich verkehrsberuhigt ist, wo wenig Durchgangsverkehr, keine parkenden Autos und eine Eisenbahn Brücke darüber geht, deswegen sehr viel Platz hatten, Bälle zu werfen."
 
Eisenbahngeräusche, gurrende Tauben, ab und an ein Auto, das langsam übers Kopfsteinpflaster fährt. Die Umgebung blende sie beim Wallball aus, sagt Constanze Höhn:
 
"Da kommt es nur auf eine gute Wand an. Möglichst nichts, was man beschädigen kann in der Nähe. Der Rest ist egal."
 
Andere in der Community sehen das vielleicht ein bisschen anders. Denn bei der Beschreibung eines Brückenpfeilers im Süden der Republik heißt es explizit: "Grafitti, eignet sich für Instavideos." Also Filme für das soziale Netzwerk Instagram. Das wäre bei dieser Brücke in Köln definitiv auch so.
 
Zwei tennisballgroße Gummibälle treffen regelmäßig auf den Beton und kommen rasend schnell wieder zurück. Constanze Höhn und Michael Wolter werfen und fangen das 200 Gramm schwere Gummi mit dem Schläger, dem sogenannten Stick. Ein ein Meter langer Metallstock. Am Ende ein Netz, das sieht aus wie ein Käscher beim Angeln.
 
"Extra so gebunden, dass man Ball gut fangen und werfen kann. Und damit läuft man eigentlich auf einen Platz in zwei Mannschaften hin und her und versucht rein zu werfen.

Sportart Lacrosse muss sich noch gedulden

"Constanze, worauf kommt es denn beim Lacrosse besonders an, wenn Sie sprechen von Skills verbessern? Was ist denn so das Wichtige und das Besondere?
 
"Ich glaube, jeder Spieler hat so ein bisschen seine Stärken. Es gibt nicht die eine Sache, die am wichtigsten ist. Natürlich sind die die Fähigkeiten, die Technik, mit dem Schläger umzugehen, verschiedene Schüsse zu haben und passen zu können. Das ist sehr wichtig, aber auch Schnelligkeit, Ausdauer.
Und Teamfähigkeit. Wir spielen im Team, wir sind nicht alleine auf dem Feld."
 
Auf dieses Feld dürfen Höhn und Wolter kommende Woche wieder zurückkehren, zumindest in kleinen Gruppen. Die Lockerungen in NRW machen das möglich.
Dort lebt aber nur ein Teil der 3000 aktiven Lacrosserinnen und Lacrosser, die es laut Verbandspräsident Simon Krause in Deutschland gibt. Bis überall wieder richtiges Mannschaftstraining möglich ist, wird es noch dauern.
 
Das Problem: Lacrosse ist ein Kontaktsport mit Angriffen auf den gegnerischen Schläger. Selbst wenn die Politik zeitnah auch Kontaktsportarten wieder erlaubt, heißt das für Simon Krause nicht unbedingt, dass es sofort wieder losgeht mit dem Teamsport Lacrosse
 
"Für uns ist die oberste Maxime die Sicherheit aller Beteiligten, der Athletinnen, Schiedsrichterinnen, Trainerinnen. Das heißt, wenn wir dort ein Risiko für unsere beteiligten Lacrosserinnen sehen würden, würden wir diese Veranstaltungen nicht durchführen."
 
Wallball dagegen geht immer. Zum Beispiel unter einer Eisenbahnbrücke in Köln.
 

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