Vorwurf der Zweckentfremdung
Linke wirft Bundesregierung Trickserei bei Sondervermögen vor

Sind die Gelder aus dem milliardenschweren Sondervermögen zweckentfremdet worden? Die Bundesregierung weist die entsprechenden Vorwürfe zweier Wirtschaftsinstitute zurück. Die Kritik aus der Opposition reißt aber nicht ab. Nun kommt auch aus den eigenen Reihen Kritik.

    Schlaglöcher im Teer im niedersächsischen Oderhaus, die durch den winterlichen Frost entstanden sind.
    Eigentlich sollte das Sondervermögen zur Instandsetzung der Infrastruktur verwendet werden. (dpa / picture alliance / Frank May)
    Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Wissler, warf der Bundesregierung Trickserei vor. Fakt sei, dass eine Zweckentfremdung stattgefunden habe, sagte Wissler im Deutschlandfunk. Sie übte grundsätzlich Kritik am Vorgehen. Durch Sondervermögen würden Schattenhaushalte geschaffen, die schwerer zu kontrollieren seien. Die Grünen erwägen eine Verfassungsklage. Kritik kam auch von Wirtschafts-, Sozial- und Umweltverbänden.

    Junge Union fordert Aufklärung

    Doch auch der Vorsitzende der Jungen Union, Winkel, fordert Aufklärung über die Verwendung des Sondervermögens. Den Menschen in Deutschland sei versprochen worden, dass man in Schienen und Straßen investiere, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete der Bild-Zeitung. Er warf Finanzminister Klingbeil von der SPD vor, das schuldenfinanzierte Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro zur - Zitat - künstlichen Beatmung eines aus dem Ruder gelaufenen Sozialstaats zu verwenden.
    Das Ifo-Institut und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hatten gestern jeweils in Berechnungen dargelegt, dass der überwiegende Großteil der Mittel aus dem Sondervermögen zur Stopfung von Haushaltslöchern zweckentfremdet worden sei. Laut Ifo-Institut wurden 95 Prozent der Mittel nicht für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur eingesetzt; das IW kommt auf 86 Prozent der Mittel.

    Finanzministerium weist Vorwürfe zurück

    Das Finanzministerium wies die Vorwürfe umgehend zurück. Sie seien falsch, erklärte eine Sprecherin in Berlin. Tatsächlich seien mit dem Geld wie vorgeschrieben zusätzliche Investitionen in die Modernisierung des Landes getätigt worden, die die Investitionen aus dem Kernhaushalt ergänzten. Die im Bundestag vereinbarte Investitionsquote von zehn Prozent im Kernhaushalt sei in der Finanzplanung für 2025 eingehalten worden - und sie werde auch im Haushalt 2026 und der Planung bis 2029 eingehalten, hieß es.
    Die Studienautoren hätten zudem einen nicht ausfinanzierten Haushaltsentwurf der zerbrochenen Ampel-Regierung zum Vergleich herangezogen. Das habe das Ergebnis verfälscht.
    Diese Nachricht wurde am 18.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.