Freitag, 22.03.2019
 
Seit 21:05 Uhr On Stage
StartseiteForschung aktuellIsraelische Mond-Mission startet21.02.2019

Lunar-X-PrizeIsraelische Mond-Mission startet

2007 rief Google einen Wettbewerb aus: Das erste private Team, das innerhalb von zehn Jahren eine mobile Sonde auf den Mond schickt, sollte den "Lunar-X-Prize" erhalten. Geschafft hatte es niemand. Eine Prämie gibt es zwar nicht mehr, dennoch startet das einzig verbliebene Team jetzt eine Mission.

Von Guido Meyer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Die SpaceX Falcon 9 Rakete über Los Angeles. In der Rakete sind auch Test-Satelliten für eine Breitband-Versorgung. (AFP / Robyn Beck)
Uber für Satelliten: Die israelische Mondsonde wird an Bord einer Falcon-9-Trägerrakete ins All fliegen (AFP / Robyn Beck)

2007 war die Welt noch in Ordnung. Die X-Prize-Foundation gab ihren neuesten Wettbewerb bekannt: Wer es schafft, binnen zehn Jahren eine Sonde auf den Mond zu fliegen und sie dort fahren, rollen, hüpfen oder wie auch immer die Oberfläche erkunden zu lassen, der gewinnt. Peter Diamandis, der Vorsitzende der X-Preis-Stiftung, war von der Resonanz damals ganz begeistert.

"Es war unglaublich. 72 Stunden nach Bekanntgabe hatten uns bereits mehr als 125 Teams aus 23 Ländern kontaktiert. Damit hätte ich nie gerechnet. Der erste Preis beträgt 20 Millionen US-Dollar. Die Ausschreibung läuft bis zum 31. Dezember 2014." 

Die Letzten sind die Ersten

Doch die Reise selbst zum nächsten Nachbarn der Erde im All ist holprig. Auf die erste Begeisterung folgte die große Ernüchterung. Mehr und mehr Teams sprangen ab. Erst 2010, drei Jahre nach Beginn der Ausschreibung, haben sich noch Nachzügler aus Israel angemeldet.

"Wir waren das letzte Team, das sich für den Wettbewerb angemeldet hat. Und jetzt sind wir die Ersten, die mit SpaceX einen Startvertrag abgeschlossen haben. Leider wurde dieser Wettlauf zum Mond mittlerweile für beendet erklärt. Aber wir haben entschieden, trotzdem hin zu fliegen."

Mitfluggelegenheit zum Mond

"Wir", das ist das Team SpaceIL, das Yonatan Weintraub vor neun Jahren mitgegründet hat. An Bord einer Falcon-9-Trägerrakete von SpaceX soll die israelische Mondsonde jetzt abheben. Denn ein eigenes Startvehikel war nicht Bedingung des Lunar-X-Prizes. Wie die Sonde zum Mond kommt, ist egal – nur hin muss sie.

"Wir haben uns für eine Mitfluggelegenheit entschieden – so ähnlich wie mit Uber oder Lyft. Die Kosten für den Start werden auf verschiedene Satelliten verteilt, die alle ins All wollen. So wird es für jeden billiger."

Auch die Größe der Sonde von SpaceIL sorgt für geringe Startkosten. Der Mondlander ist nur so groß wie ein Couchtisch. Damit ist es die kleinste Sonde, die jemals auf dem Mond landen soll.

"Das Problem ist nur, dass mit der Startrakete niemand außer uns zum Mond fliegen will. Alle anderen Satelliten der Falcon 9 sollen im Erdorbit bleiben. Also mussten wir uns eine Flugbahn ausdenken, auf der unsere Sonde früher oder später vom Mond eingefangen wird, obwohl sie nicht selbst aktiv dorthin fliegt. Denn Triebwerke, um aus eigener Kraft hinzufliegen, hat sie nicht."

Anreise dauert Monate

Bereshit ist der Name von Israels Mondsonde, übersetzt "Genesis". Was da zum Mond fliegen soll, besteht nicht aus Mutterschiff und Lander, sondern ist nur ein einziges Stück Hardware, nämlich der Lander selbst. Wenn Bereshit sich seinem Ziel nähert, ist deshalb keine Stufentrennung erforderlich.

"Wir fliegen einige Ellipsen um die Erde herum. Der am weitesten entfernten Punkt dieser Ellipsen verschiebt sich bei jedem Umlauf mehr und mehr Richtung Mondumlaufbahn. Der Mond selbst ist aber noch gar nicht da. Erst bei der dritten Ellipse treffen sich Sonde und Mond, und unser Lander wird von der Anziehungskraft des Mondes eingefangen und auf eine Umlaufbahn gezwungen. Deswegen dauert unsere Anreise zum Mond nicht drei Tage, wie üblich, sondern mehrere Monate."

Zwei Tage Zeit für Experiment

Gelingt die Landung mit den Bremstriebwerken, hat Bereshit auch noch ein paar wissenschaftliche Aufgaben vor sich. Dazu steuert das Weizmann-Institut im israelischen Rehovot ein Experiment bei.

"Die Erde hat ein Magnetfeld. Deswegen zeigt die Kompassnadel immer nach Norden, egal wo Sie sich befinden. Da der Mond aber keinen flüssigen Eisenkern hat, fehlt ihm ein daraus resultierendes magnetisches Feld. In abgekühltem Mondgestein sind jedoch Magnetfeldlinien aus der heißen Frühphase des Mondes eingefroren. In dem wir sie untersuchen, erfahren wir etwas über die Entstehung des Mondes."  

Zwei Tage soll der Lander auf der Mondoberfläche durchhalten, bevor seine Batterien in die Knie gehen. Wenn alles wie geplant klappt, wäre das ein beachtlicher Erfolg für Israels Raumfahrt. 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk