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StartseiteThemaWie gefährlich ist das neue Coronavirus?17.02.2020

Lungenkrankheit Covid-19Wie gefährlich ist das neue Coronavirus?

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in China ist weiter angestiegen. Die Weltgesundheitsorganisation hat Ende Januar den "internationalen Gesundheitsnotstand" ausgerufen. In Deutschland wurden inzwischen 16 Fälle von Infizierten bestätigt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Erreger

Konzeptionelle Darstellung einer Virusinfektion der Lunge mit einem Mers Coronavirus  (imago / Science Photo Library)
Das neuartige Coronavirus ähnelt dem SARS-Virus (imago / Science Photo Library)
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In China nimmt die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus weiter zu. (Auf dieser Karte der amerikanischen Johns Hopkins Universität können Sie den aktuellen Stand einsehen.) Die Zahl der Todesopfer im Land ist auf mehr als 1.770 gestiegen - und übertrifft damit jene des SARS-Ausbruchs der Jahre 2002 und 2003 bei weitem. Weltweit sind laut Bundesgesundheitsministerium über 71.000 Infektionen bestätigt. In Deutschland gibt es 16 bestätigte Fälle. Am 15.02.2020 meldete Frankreich den ersten Todesfall in Europa. Es handelt sich um einen 80-jährigen Touristen aus China. 

In der chinesischen Provinz Hubei meldeten die Behörden am Mittwoch (12.02.2020) einen sprunghaften Anstieg der Neuinfektionen an einem Tag von über 14.000 Fällen. Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin, sagte am Donnerstag (13.02.20) im Dlf, dies liege offenbar weniger an einem dramatisch veränderten Krankheitsgeschen, als daran, dass die Meldung von Fällen anders vonstatten gehe. Wieler wies darüber hinaus darauf hin, dass das Virus nicht in Deutschland sei und dass deshalb die Gefahr für die Bevölkerung gering sei. "Es gibt eigentlich keinerlei andere Verhaltensmaßregeln, als das im Falle der Grippe ansteht."

  (imago images / ZUMA Press / Cdc/Cdc) (imago images / ZUMA Press / Cdc/Cdc)Präsident des Robert Koch-Instituts: "Wir sind in der Lage, das Virus einzudämmen"Eine Corona-Virus-Pandemie könne man nicht ausschließen, sagte Lothar Wieler. Deutschland sei aber in der Lage, auch größere Ausbrüche einzudämmen. Dafür sei ein gutes Gesundheitssystem nötig. 

 Um welches Virus handelt es sich?

Das neue Virus SARS-CoV-2 ist der Gruppe der Coronaviren zuzurechnen. Diese verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen - allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten dazu. Wie der Name des Erregers verrät, ähnelt er dem SARS-Virus, das in den Jahren 2002/2003 eine Pandemie ausgelöst hatte. Lebensgefährlich ist das neue Virus vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen beziehungsweise einem geschwächten Immunsystem. 

Der Kölner Virologe Herbert Pfister sagte im Dlf: "Das ist kein absolut banales Virus, das ist kein Schnupfen-Virus, aber es ist auch nicht vergleichbar mit Sars." Bei Sars sei die Todesrate deutlich höher gewesen. Diese ist nicht zu verwechseln mit der Zahl der Todesopfer.

Coronavirus (imago / Science Photo) (imago / Science Photo)Virologe: Widerspruch von milden Verläufen und Gesundheitsnotstand 
Nach Ansicht des Virologen Herbert Pfister wird zu wenig über die Krankheitsverläufe gesprochen, die das neue Coronavirus auslöst. Die Infizierten in Deutschland hätten "von ihrer Infektion überhaupt nichts gemerkt", sagte Pfister im Dlf.

Welche Symptome und Krankheiten kann das Virus auslösen?

Das neue Coronavirus kann zu schweren Atembeschwerden, Lungenentzündungen, Husten und hohem Fieber führen. Die von ihm verursachte Krankheit hat von der WHO den Namen Covid-19 (Corona virus disease 2019) erhalten.

Robert-Koch-Institut: "Keine Infektionsgefahr in Deutschland" Das neue Coronavirus sei ansteckender, als man zunächst gedacht habe, sagte Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, im Dlf. Das Virus lasse sich relativ leicht übertragen. In Deutschland jedoch zirkuliere es nicht. Das hat der Berliner Virologe Christian Drosten am Donnerstag (13.02.20) bestätigt.

Ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich?

Der neue Erreger wurde wie alle Coronaviren zunächst zwischen Tier und Mensch übertragen. Doch auch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch wurde bereits nachgewiesen.

Experten und Behörden warnen inzwischen davor, dass das neue Coronavirus 2019-nCoV möglicherweise noch aggressiver werden kann - weil Coronaviren relativ leicht mutieren können. Das zeigen unter anderem Erfahrungen mit dem Sars-Virus.

Zudem kann das Virus schon während der Inkubationszeit übertragen werden, wie chinesische Behörden mitteilten. Die beträgt laut Robert-Koch-Institut bis zu zwei Wochen, in denen Betroffene meist noch keine Symptome zeigen. 

Innerhalb Chinas waren wegen des Neujahrsfestes zum Zeitpunkt des Ausbruchs besonders viele Menschen unterwegs. Man geht davon aus, dass sich die Krankheit auch deshalb so schnell verbreiten konnte. 

Das Corona-Virus vom Typ 2019-nCoV – auch bekannt als Wuhan-Virus. (imago images | Zuma Press | Cover Images) (imago images | Zuma Press | Cover Images)Diagnostischer Test aus Berlin weltweit gefragt 
Um den Vormarsch des Coronavirus zu bremsen, sind vor allem präzise Diagnoseverfahren wichtig. Forscher der Berliner Charité haben nun im Rekordtempo einen Virus-Test entwickelt, um Infizierte schnell zu identifizieren.

Wie groß ist das Ausmaß bisher?

Mit Stand von Samstagmorgen (15.02.2020) sind weltweit mehr als 67.000 mit dem neuen Coronavirus Infizierte gemeldet worden, die ganz überwiegende Mehrheit von ihnen in China. Außerhalb von Festlandchina sind in mehr als zwei Dutzend Ländern Infektionen und sehr vereinzelte Todesfälle bestätigt (Karte Johns Hopkins Universität, engl.).

Der Virologe Christian Drosten von Berliner Charité sagte am Donnerstag (13.02.20) im Dlf, man müsse sich auf eine Pandemie einstellen. Es gebe noch eine "kleine Restchance", dies zu vermeiden. Eine Antwort auf die Frage, wie eine mögliche Pandemie genau verlaufen würde, bedeute reine Spekulation. Drosten erklärte, es sei wichtiger, dass über das  Gesundheitssystem die passenden Maßnahmen ergriffen werden. Aus dem System seien jedoch "in den vergangenen zehn Jahren viele Reserven  herausgespart" worden.

  (picture alliance/Christophe Gateau/dpa ) (picture alliance/Christophe Gateau/dpa )Virologe Drosten: Geringe Sterblichkeit, überlastetes GesundheitssystemChristian Drosten sagte, angesichts des überlasteten Gesundheitssystems sei wichtig, dass sich die Bevölkerung gut informiere, damit jedem klar sei, für welche Personen das Virus wirklich eine Gefahr darstellt.

Welche Maßnahmen werden getroffen?

In Deutschland werden laut Bundesgesundheitsministerium "die erkrankten Personen isoliert und unter Beachtung der entsprechenden Hygienemaßnahmen behandelt. Personen, die engen Kontakt mit einer erkrankten Person hatten, werden informiert und durch das zuständige Gesundheitsamt eng beobachtet. So kann eine Weiterverbreitung verhindert werden." 

Flugreisende aus China werden in Deutschland genauer als bisher nach möglichen Kontakten mit dem neuartigen Coronavirus befragt. Das Bundesgesundheitsministerium setzt damit Empfehlungen des EU-Gesundheitsministerrates um.

Chinesische Behörden testen ein neues Medikament gegen das Coronavirus. Das antivirale Medikament Remdesivir, eigentlich gegen das Ebolavirus entwickelt, hat in Zellkulturversuchen eine Wirkung gegen das neue Coronavirus gezeigt - es soll ab sofort in einer klinischen Studie von 761 Patienten eingenommen werden. Auch ein Patient in den USA ist bereits erfolgreich damit behandelt worden. 

Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, wurden in mehr als zehn chinesischen Städten in der Provinz Hubei die öffentlichen Verkehrsverbindungen unterbrochen, darunter die Millionenmetropole Wuhan. Der Flug- und Fährbetrieb wurde eingestellt, ebenso der Betrieb von U-Bahnen und Bussen. Da möglich ist, dass sich das Virus über Wildtiere verbreitet hat, wurde in ganz China der Handel mit Wildtieren untersagt.

Organisierte Reisen sowohl innerhalb Chinas als auch ins Ausland wurden untersagt. Zudem werden verschiedene touristische Stätten geschlossen, darunter auch Abschnitte der Chinesischen Mauer. Das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ist Pflicht. Auch in anderen Landesteilen wurden Vorkehrungen getroffen. In der Hauptstadt Peking etwa sind Großveranstaltungen vorerst abgesagt. Die für März 2020 geplante Leichtathletik WM wurde auf das nächste Jahr verschoben.

Gibt es eine Reisewarnung?

Das Auswärtige Amt hat am Dienstag (28.01.2020) eine Teilreisewarnung für die am stärksten von dem Virus betroffene Provinz Hubei erlassen. Für den Rest des Landes empfahl die Behörde, nicht notwendige Reisen möglichst zu verschieben.

Die Lufthansa und weitere Fluglinien haben ihre Flüge nach China eingestellt.

Wie ist die Einschätzung der WHO?

Die Weltgesundheitsorganisation hat am Donnerstag (30.01.2020) angesichts der rasanten Verbreitung der Krankheit den "internationalen Gesundheitsnotstand" ausgerufen.

Ein internationaler Notstand ist mit einer Reihe von Empfehlungen zur verschärften Seuchenbekämpfung verbunden, etwa Gesundheitskontrollen an Grenzen und das Einrichten spezieller Behandlungszentren.

Trotz des Notstands sieht die WHO jedoch "keinen Grund" für Reise- und Handelsbeschränkungen mit China, sagte der WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf einer Pressekonferenz. "Die WHO empfiehlt keinerlei Einschränkungen, sondern lehnt sie sogar ab."

Ab Dienstag (11.02.2020) hat die Weltgesundheitsorganisation eine internationale Konferenz zur Suche nach einem Impfstoff ausgerichtet. Ein Ergebnis: Man hofft, mit ersten Impfstofftests an Menschen in drei bis vier Monaten zu beginnen.

 Eine Spritze liegt auf einem aufgeschlagenem Impfpass. (dpa) (dpa)Impfung gegen Coronavirus - Stand der Forschung
Das SARS- und das MERS-Virus, die 2003 und 2012 auftraten, zählen zur Familie der Coronaviren. Die Erfahrungen damit begünstigen die Entwicklung eines Impfstoffes. Bis es den gibt, kann es trotzdem noch dauern.

Woher kommt das Virus?

Chinesische Wissenschaftler vermuten, der ursprünglich in Fledermäusen gefundene Virus könnte auf dem Umweg über sogenannte Schuppentiere den Weg zum Menschen gefunden haben. Schuppentiere gelten in China als Delikatesse.

Als Ausgangspunkt der Viruserkrankung gilt eine inzwischen geschlossene Markthalle in Wuhan. Dort wurden lebende Fische, Muscheln und Krebse, aber auch Schlangen und diverse Vogel- und Säugetierarten verkauft. Als Vorsichtsmaßnahme wurde deshalb in ganz China der Handel mit Wildtieren untersagt. Das Verbot soll gelten, bis die Epidemie vorbei ist.

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