Ausbruch in Afrika
Wie gefährlich ist das Marburgvirus?

In Äquatorialguinea und Tansania haben sich rund 20 Menschen mit dem Marburgvirus infiziert. Wie gefährlich ist die Erkrankung? Droht die nächste Pandemie? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

31.03.2023
    Vielfarbige Illustration des Marbugvirus.
    Für den Menschen in bis zu knapp 90 Prozent tödlich: das Marbugvirus. (Imago / Science Photo Library)

    Was ist das Marburgvirus?

    Das Marburgvirus ist ein sogenannter RNA-Virus aus der Familie der Filoviren. Der Erreger ist mit dem Ebola-Virus verwandt und löst beim Menschen die lebensbedrohliche Marburgvirus-Krankheit (auch: „Marburgfieber“) aus.
    Das Virus wurde erstmals 1967 bei Ausbrüchen unter anderem in der hessischen Stadt Marburg beschrieben. Laborangestellte hatten sich bei Versuchsaffen, importierten grünen Meerkatzen, mit dem bis dahin unbekannten Erreger infiziert. Daher trägt er den Namen Marburgvirus.
    Die Beschwerden bei einer Infektion mit dem Erreger ähneln zunächst einem grippalen Infekt mit plötzlich hohem Fieber, Muskel-, Kopf- und Halsschmerzen, Schwächegefühl und einem schlechten Allgemeinzustand. Im weiteren Verlauf kommen Erbrechen, Durchfälle und Hautausschläge hinzu.
    Bei einem schweren Krankheitsverlauf kann es zu Blutungen, Organversagen oder einem Schock kommen. Die Krankheit verläuft laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 24 bis 88 Prozent der Fälle tödlich.

    Wie verbreitet sich das Marburgvirus?

    Die Marburgvirus-Krankheit ist eine sogenannte Zoonose, das heißt, sie kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Mögliche Überträger aus dem Tierreich (auch „Zwischenwirte“) sind Affen, Nil-Flughunde und bestimmte Antilopen.
    Zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kommt es durch engen Kontakt mit Infizierten. Insbesondere der Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Sekreten kann zu einer Ansteckung führen.

    Wo breitet sich das Virus gerade aus?

    Derzeit gibt es zwei bestätigte Ausbrüche des Marburgvirus: in Äquatorialguinea und in Tansania. Die Regierung Äquatorialguineas hat seit dem 13. Februar 2023 neun Fälle gemeldet. In Tansania haben sich nach Behördenangaben seit dem 21. März 2023 acht Menschen infiziert. (Stand: 31. März 2023.) Es ist der erste Ausbruch in Tansania, berichtet der Mikrobiologe Florian Gehre vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.
    Das Marburgvirus tritt in verschiedenen Teilen Afrikas immer wieder auf. Üblicherweise würden die Erreger in entlegeneren Regionen auftreten, so Gehre. Außerhalb des Kontinents kommt der Erreger nur sehr selten vor. Dokumentiert sind einige wenige Einzelfälle etwa in Russland, Jugoslawien, den Niederlanden und den USA. Warum es zu dem aktuellen Ausbruch kam, ist nicht bekannt.
    Um das Marburgvirus einzudämmen, kommen in den betroffenen Gebieten die „klassischen“ Maßnahmen des Infektionsschutzes zum Einsatz: diagnostische Tests, Isolierung, Kontaktverfolgung, Desinfektion und Schutzausrüstung, etwa für medizinisches Personal.

    Kommt die nächste Pandemie auf uns zu?

    Marburgvirus-Ausbrüche waren in der Vergangenheit immer vergleichsweise klein und lokal begrenzt. Die Ausbreitung konnte relativ schnell eingedämmt werden. Laut den US-amerikanischen „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) infizierten sich 2023 in Ghana drei Menschen, 2021 gab es einen Fall in Guinea, 15 Personen erkrankten 2012 in Uganda.
    Den mit 252 Patienten bisher größten Ausbruch der Infektionskrankheit verzeichnen die CDC für 2004/2005 in Angola. In Deutschland wurde das Virus seit dem ersten namensgebenden Auftreten in Marburg 1967 nicht mehr nachgewiesen.
    Es gibt daher aktuell keinen Grund anzunehmen, dass eine Pandemie drohen könnte. Dass Ausbrüche des Marburgvirus auch künftig wenige Menschen treffen, kann allerdings niemand garantieren. Aus diesem Grund drängen Experten auf die Entwicklung von Impfstoffen.

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Eine spezifische Behandlung für das Marburgvirus existiert nicht. Die Patienten erhalten Infusionen, um den starken Flüssigkeitsverlust auszugleichen, was „eine gewisse Hilfe“ bringen kann, sagt der Marburger Virologe Stephan Becker. Außerdem werden einzelne Krankheitssymptome behandelt.
    Die medizinische Versorgung ist für den Krankheitsverlauf entscheidend: Durch Flüssigkeitszufuhr und Symptome-Behandlung verbessern sich die Überlebenschancen der Patienten, so das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin auf seiner Webseite.
    Bislang gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Marburgvirus. Allerdings haben Forscher weltweit 27 Impfstoffkandidaten entwickelt. Erprobt wurden die Vakzine aber bisher nur an Affen, seither schlummern sie in den Kühlschränken der Labore.
    Nur die US-Nichtregierungsorganisation Sabin Vaccine Institute hat ihr Vakzin in einer sogenannten Phase-I-Studie getestet. Die Ergebnisse der Erprobung deuten darauf hin, dass der offenbar Impfstoff sicher ist und die gewünschte Immunantwort auslöst.
    Quellen: Dlf, dpa, RKI, BNITM, Österreichisches Gesundheitsministerium, CDC, tmk