Hetze gegen Marie-Louise Eta
Kommentar: Trainerin in der Männer-Bundesliga sollte normal sein

Eine Frau wird Chefcoach eines Männer-Teams der Fußball-Bundesliga. Auf Social Media schlägt Marie-Louise Eta, neue Trainerin von Union Berlin, grenzenloser Hass entgegen. Eta bleibt Pionierin, bis es normal ist, dass Frauen Männer trainieren.

Ein Kommentar von Andrea Schültke |
    Marie-Louise Eta lacht in die Kamera.
    Marie-Louise Eta ist Cheftrainerin bei den Fußball-Herren von Union Berlin in der Bundesliga (imago / Contrast / O.Behrendt)
    Können wir eine Frau als Cheftrainerin eines Männer-Bundesligateams nicht als das besprechen, was es sein sollte - als völlig normal?  Nein. Nach wie vor werden Schiedsrichterinnen, Geschäftsführerinnen, Sportkommentatorinnen und eben auch eine Cheftrainerin angefeindet, wenn sie ihren Job machen. Die Frauen, die sich darauf einlassen sind Kämpferinnen. Sie bereiten den Weg für all die, die ihnen folgen.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    Es sind Frauen, die sich nicht abschrecken lassen von Hass und Sexismus und die hoffentlich auf die ehrliche Unterstützung von Männern im Fußball zählen können. Männern, die bereits nach- und umgedacht haben. Männern, denen klar ist: An Frauen, auch als Cheftrainerinnen in der Männer-Bundesliga, führt kein Weg mehr vorbei.

    Eta kennt das Geschäft als Frau im Männerfußball

    So dürften auch die verantwortlichen Männer des 1. FC Union Berlin gedacht haben. Für sie war es wohl einfach logisch nach dem Rauswurf von Steffen Baumgart und seinen Co-Trainern, Marie-Louise Eta zu befördern. Sie hat die höchste Trainerlizenz im Fußball, kennt den Verein und das Team seit Jahren.
    Bis Sonntag war Marie-Louise Eta Trainerin der U-19-Männer. Nichts lag näher für die Union-Verantwortlichen, als dieser absoluten Fußball-Expertin für die letzten fünf Spiele der Saison das Männer-Bundesliga-Team als Cheftrainerin anzuvertrauen. Schließlich hat Eta dort schon einmal Geschichte geschrieben: Im November 2023 als erste Co-Trainerin des Union-Männerteams.
    Sie kennt also das Geschäft als Frau in der Männer-Domäne Fußball. Genau wie ihr Verein war sie wahrscheinlich vorbereitet auf den Hass und den Sexismus, der einer Frau in einer Führungsposition im Männerfußball immer noch entgegenschlägt. Gut zu sehen, dass die Social-Media-Hater in Kommentarspalten von anderen Nutzerinnen und Nutzern und vom Verein schnell in die Schranken gewiesen werden. Vielleicht sind wir doch ein wenig weitergekommen, wenn es um Frauen in Führungspositionen in der Männerdomäne Sport und besonders im Fußball geht.

    Der 1. FC Union Berlin und Eta setzen ein Zeichen

    Der 1. FC Union Berlin und Marie-Louise Eta setzen hier jedenfalls ein wichtiges Zeichen. Sie haben damit nichts zu verlieren. Eta wird mit hoher Wahrscheinlichkeit den Klassenerhalt endgültig sichern. Das hat sie als Co-Trainerin auch schon geschafft.
    Nach den fünf Spielen als Cheftrainerin der Union-Männer wird Marie-Louise Eta diesen Posten verlassen, um Cheftrainerin der Union-Bundesliga-Frauen zu werden. Bis dahin wird sie als Pionierin gezeigt haben, dass Frauen im Fußball als Cheftrainerinnen von Männer-Bundesligateams arbeiten können. Für ihre Nachfolgerinnen könnte dieser Weg dann leichter sein. Die zweite, dritte und alle folgenden Cheftrainerinnen von Männer-Bundesligateams werden wir dann hoffentlich als das besprechen, was es sein sollte - als völlig normal.