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StartseiteHintergrundDas letzte Reiseland in Nordafrika18.04.2016

MarokkoDas letzte Reiseland in Nordafrika

Im Gegensatz zu anderen Maghrebstaaten bleibt Marokko seit Jahren weitgehend vom Terrorismus verschont, vielen Europäern gilt es als letztes Reiseland Nordafrikas. Es scheint, als balanciere das Königreich geschickt archaische islamische Traditionen mit Elementen westlicher Moderne aus. Doch dabei könnte es in absehbarer Zeit an seinen Widersprüchen scheitern.

Von Marc Thörner

Blick über Casablanca (dpa - picture alliance / WOSTOK PRESS/MAXPPP)
Blick über Casablanca (dpa - picture alliance / WOSTOK PRESS/MAXPPP)
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Ein ganz normaler Frühlingstag in der Millionenmetropole Casablanca. Die neue Straßenbahn bringt diejenigen, die sich den nicht eben günstigen Fahrpreis von umgerechnet einem Euro leisten können, an ihre Bestimmungsorte. Überwiegend sind es junge Männer; nur wenige von ihnen sind rasiert. Die meisten tragen Fünftagebärte, Schnurr- und Kinnbärte oder die lange Barttracht der Religiösen. So gut wie alle surfen auf ihren Smartphones im Internet.

"Panama-Papers. Das versteckte Geld der Staatschefs", können sie dort zum Beispiel über ihren König lesen, wenn sie die Webseite der französischen Tageszeitung "Le Monde" oder der marokkanischen Investigativ-Plattform Ledesk.ma anklicken.

"Mohammed VI.. Seine Yacht. Sein Anwesen, seine Firmen auf den Jungferninseln."

Mohammed VI. ist einer der wenigen absolut herrschenden Monarchen dieser Welt, in Personalunion ist er Führer der Gläubigen, also oberste moralische Instanz, oberster Vorbeter und vorbildlichster Muslim des Landes. Weil das so ist, haben Islamisten und radikalislamische Organisationen wie der IS in Marokko nur eine deutlich eingeschränkte Angriffsfläche. Sie haben es schwer, ein Kalifat zu fordern, in einem Land, das schon ein Kalifat ist. Was aber nun, wenn der Kalif ganz ordinäre Geldwäsche betreibt?

"Keiner hat gesagt, dass der König von Marokko etwas mit Geldwäsche zu tun hat. Das ist das erste Mal, dass ich von so etwas höre."

Aziz el Guermat ist Islamist. Und Parlamentsabgeordneter für die PJD, der "Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung". Er sitzt in einem Straßencafé und scheint aus allen Wolken zu fallen, angesichts der Nachricht, die bereits seit Tagen in den internationalen Medien kursiert.

"Außerdem hatte ich noch keine Gelegenheit, diesen Bericht zu lesen ... ich habe keine Ahnung, worum es dabei geht. Ich glaube nicht, dass sowas stimmen kann. Und wenn es da irgendwelche Ungereimtheiten gibt – seien Sie sicher, dass der König das korrigieren wird."

Guermats islamistische PJD ist in Marokko sogar Regierungspartei. PJD-Parteichef Benkirane amtiert unter Mohammed VI. als Premierminister. Das Wort "Gerechtigkeit" im Parteinamen, betont der Abgeordnete Guermat, stehe nicht im Widerspruch dazu, dass die Partei den König unterstützt. Zwar weise der Koran die Gläubigen an, einem ungerechten Herrscher nicht zu gehorchen.

"Aber die Frage ist doch: Wie kann man ihn korrigieren? Soll man das tun, indem man zu den Waffen greift? Einen Aufstand gegen ihn anzettelt? Oder kann man ihn korrigieren, indem man ihm mit Rat zur Seite steht und Empfehlungen erteilt? Was uns betrifft, wir haben uns für diese zweite Möglichkeit entschieden. Denn man hat ja gesehen, wohin Revolten und Waffengewalt führen."

Das Image des Königs der Armen

Die Islamisten, die geborenen Herausforderer des Systems, als seine Stützen. Nichts könnte die marokkanische Monarchie besser charakterisieren. Außer vielleicht – die sinnliche Begegnung mit ihr; die Beobachtung dessen, was geschieht, wenn der Palast den Besuch Seiner Majestät in einer seiner Städte angekündigt hat.

"Mohammed der Sechste, unser einziger König", skandieren die Menschen, die bereits am frühen Morgen von Protokollbeamten genau da aufgestellt worden sind, wo Seine Majestät dem königlichen Konvoi entsteigen soll. Mannschaftswagen haben schon Stunden vor der Ankunft des Erwarteten das Wachbataillon der königlichen Leibgarde herangekarrt, die sogenannte "Schwarze Garde", so bezeichnet, weil sie ursprünglich aus schwarzen Sklaven bestand. Ein Mann mit einem Kanister auf dem Rücken und einem Schlauch in der Hand, hechtet noch schnell über die Teppichlandschaft und besprüht alles um sich herum mit Rosenwasser.Und dann ist es so weit. Die Limousinen rollen an.

Mohammed VI., ein Mittfünfziger im Anzug, mit leicht aufgequollenem Gesicht, das von einem graumelierten Dreitagebart eingerahmt wird, steigt aus, geht eilig auf eine Gruppe von Ehrenjungfrauen zu. Er nimmt ein Milchglas in Empfang, nippt daran, steckt eine Dattel in den Mund, spuckt den Kern in ein Taschentuch, das ein schattenhafter Diener in Empfang nimmt, und schreitet die Ehrenformation ab. Anschließend wendet er sich einer Menschengruppe zu, die in der ersten Reihe, noch vor den Absperrgittern, wartet. Es handelt sich um eine Auswahl von gesellschaftlich Benachteiligten: Taubstummen, Blinden, geistig Behinderten, Rollstuhlfahrern. Der König geht auf sie zu, umarmt einige von ihnen, legt anderen mit segnender Geste die Hand auf den Kopf, dann winkt er einmal in die Runde und steigt wieder in die Limousine ein.

"Der König der Armen", das ist die offizielle Propaganda. Der Begriff ist zum ersten Mal in der französischen Presse aufgetaucht."

Szene aus dem Jahr 2009: Marokkos König Mohammed VI. mit seinem Sohn bei den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Thronjubiläum. (AP)Szene aus dem Jahr 2009: Marokkos König Mohammed VI. mit seinem Sohn bei den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Thronjubiläum. (AP)

Ali Anouzla ist Chefredakteur der Nachrichtenseite Lakome Deux, einer der wenigen unabhängigen Journalisten, die mit ihrer Kritik auch vor dem König nicht halt machen.

"Sein Vater, Hassan II. hat das Land in die Armut geführt. Nach 36 Regierungsjahren hat er eine analphabetische Bevölkerung zurückgelassen, die aus zwei Klassen besteht: der Masse an Armen und jenen wenigen Reichen, die im Schatten der Macht agieren. Bis heute können 51 Prozent der Marokkaner nicht lesen und schreiben. Das Bild vom "König der Armen" dient auch dazu, um das Kommunikationsdefizit des jetzigen Königs zu überbrücken. Denn bis heute kommuniziert Mohammed VI. mit seiner Bevölkerung nur, indem er Bäder in der Menge nimmt, indem er sich wohltätig zeigt. Aber das ist keine Politik. Man kann die Armut seines Landes nicht dadurch überwinden, indem man den Armen Spenden in die Hand drückt."

Und diese Aura des Schweigens, mit der sich der König umgebe, merkt Ali Anouzla an, stehe in auffallendem Gegensatz zum offiziell gepflegten Bild des Volkskönigs: Der König regiert zwar, aber er spricht nicht darüber. Außer, wenn er zu öffentlichen Anlässen Reden vom Blatt abliest. Im Grunde bleibe seine Person ein Rätsel.

"Wenn man in Marokko 'König' sagt, dann meint man vor allem auch das nebulöse Netzwerk um seine Person herum, etwas das sich nicht greifen lässt. Es setzt sich zusammen aus Geschäftsleuten, die dem Palast nahestehen und vom ihm profitieren. Sicherheitsagenten, die man nicht sieht, die aber höchst aktiv sind. Den Chefs der politischen Parteien, die ein Interesse daran haben, dass diese Art von Regime weiter besteht. Es ist ein Regime der totalen Straflosigkeit für alle, die zu dieser ausgesuchten Gruppe gehören."

"Er ist der erste Bankier, der erste Versicherer und der erste Landwirt Marokkos"

Im Kontrast zum Schweigen und zur nebulösen Aura um den Thron, merkt der Journalist Ali Anouzla an, stehe auch das sehr konkrete und sehr handfeste wirtschaftliche Engagement des Königs.

"Er ist zurzeit in Marokko der erste Investor. Er ist der erste Bankier, der erste Versicherer und der erste Landwirt Marokkos. Die größten Grundstücke und Flächen in den marokkanischen Städten gehören ebenfalls der königlichen Holding. Außerdem hat er sich auch in das Investment-Geschäft gestürzt. Und in das mit erneuerbaren Energien."

Dass eine solch herausragende Rolle für den Staatschef überhaupt entstehen konnte, liegt weniger an Marokkos islamischen oder gesellschaftlichen Traditionen, die sich auch ganz anders deuten ließen. Es liegt vor allem an Europa, genauer gesagt, am langjährigen Einfluss Frankreichs. An den Hinterlassenschaften des französischen Protektorats.

Als die Franzosen 1912 Marokko besetzten, war das Land einer der letzten Flecken Afrikas, die von der europäischen Kolonialherrschaft noch unberührt waren: von Stadtmauern umschlossene Altstädte, Architektur und Handwerk wie vor 1.000 Jahren, ein Sultan, der als Kalif fungierte, eine mächtige Aristokratie und öffentliche Sklavenmärkte.

Frankreich entschied sich für eine Regierungsform, die äußerlich nur einen leichten Fußabdruck hinterlassen sollte. Ganz im Gegensatz zum Nachbarland Algerien, das ja als ein Teil Frankreichs galt. In Marokko wurden die politischen Entscheidungen zwar von französischen Beratern gefällt, aber die traditionellen marokkanischen Eliten sollten das Land selbst verwalten. Frankreich stärkte die Rolle des Sultans als Führer der Gläubigen und achtete darauf, dass die Marokkaner von moderner Bildung unbeeinflusst blieben. Bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1956 gab es für die breite Masse keine Gymnasien, sondern nur Koranschulen. Die Altstädte wurden innerhalb ihrer Stadtmauern erhalten.

Die Europäer wohnten außerhalb dieser Stadtmauern in eigens für sie errichteten neuen Städten, den sogenannten Villes Nouvelles, mit Villen, Appartements, Linienbusverkehr und Kinos, alles gemäß dem Standard des 20. Jahrhunderts. Ein völlig autarkes System, ein Staat im Staat. Franzosen bestimmten die Politik und die Wirtschaft, beherrschten die großen Industrien, besaßen die großen Plantagen und Baugrundstücke.

Nach der Unabhängigkeit verschwand die Trikolore zwar aus dem Straßenbild und der Sultan nannte sich nun König. Außerdem öffneten sich die Villes Nouvelles, und es entstanden Schulen und Universitäten. Doch auf die frei gewordenen Plätze der Franzosen rückte nun die einheimische Aristokratie nach, Familien, die seit Jahrhunderten der Monarchie dienten. Strukturell änderte sich wenig. 1961 beschloss Hassan II. den internationalen Standards insofern Rechnung zu tragen, als dass er eine Verfassung inklusive Parlamentarismus und Mehrparteiensystem einführte. Gleichzeitig ließ er darin die Rolle des Monarchen als Staats- und Religionschef festschreiben, als unantastbaren und unkritisierbaren Führer der Gläubigen.

"Marokko ist ein modernes Kalifat, und zwar deshalb, weil wir in einem islamischen Land sind."

So bringt es Mohammed Allal Sinaceur auf den Punkt. Er war schon unter Hassan II. Ratgeber für Kultusfragen und wurde auch von Mohammed VI. in das höchste Gremium des Staates übernommen, das der Berater Seiner Majestät. Der König ist, so Sinaceur, Staatschef, Oberkommandeur der Armee und oberster Richter in Personalunion. Es gibt deshalb weder ein Verteidigungs-, noch ein Religionsministerium.

"Und in einem islamischen Land geschieht alles, was geschieht, im Namen des Imam. Er ist der oberste Führer und Chef, das Symbol der Einheit."

Der König als Staatschef, Armeechef, oberster Richter und Religionsführer, mit dem Recht das Parlament einzuberufen und aufzulösen - wie aber passt das mit Gewaltenteilung, Parlamentarismus und Mehrparteiensystem zusammen?

"Bei der Gewaltenteilung kommt es darauf an, die verschiedenen Machtstränge nicht willkürlich durcheinander laufen zu lassen. Und der marokkanische Parlamentarismus ist doch alles andere als Fassade. Denken Sie an die Wahlen, die wir organisieren, die Abgeordneten, die alle Kräfte der Gesellschaft verkörpern. Das ist ernst gemeint und hat Tiefe. Es geht dabei um eine echte Erziehung zur Demokratie."

Auch wenn der Königsberater diesen Parlamentarismus nicht für Fassade hält - zur marokkanischen Variante der Demokratie gehörte von Anfang an auch, dass es zwar Parteien gab, die sich sozialistisch oder links nannten, deren Chefs und Führungsriegen aber allesamt dem König nahestanden und -stehen.

Im Marokko von heute scheint die koloniale Zweiteilung des Landes ungebrochen. Den Franzosen in den Villes Nouvelles entsprechen die wenigen, die in Marokko ähnlich leben wie die Franzosen damals, jene Marokkaner, die untereinander Französisch sprechen, die ihre Kinder in französische Privatschulen oder zum Studium nach Frankreich schicken. Selbst wer sich ein Tramway-Ticket geleistet hat, dürfte kaum mit ihnen in Berührung kommen. Gelegentlich braust an der Straßenbahn ein blitzblanker, nagelneuer Geländewagen vorüber. Ein Polizist, der den Verkehr regelt, nimmt dann Haltung an und salutiert. Mehr sieht man von ihnen nicht.

Jenen, die einst innerhalb der Altstadtmauern lebten, entspricht heute die breite Masse. Geringverdiener, die im informellen Sektor arbeiten, ohne Verträge und Altersabsicherung, Analphabeten, die noch immer mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen.

Zu den vielen, die am Rand des Existenzminimums leben sind inzwischen auch die Absolventen staatlicher Schulen und Universitäten gekommen. Sie sehen sich als ewige Verlierer – wie eine junge arbeitslose Ingenieurin, die sich mit ein paar Gleichgesinnten an einem Sit-In vor dem Parlament beteiligt.

Überall, so klagt sie, ziehe man ihnen diejenigen vor, die an den privaten frankophonen Bildungseinrichtungen Marokkos oder in Europa ausgebildet wurden. Immer derselbe Klientelismus. Immer dieselbe Korruption. Wenn die Ausbildung im eigenen Land nichts gelte - sei es da nicht verständlich, wenn es Massen junger Leute nach Europa zieht? Ob mit Einreisepapieren oder als selbstdefinierte Flüchtlinge?

Tausende Marokkaner demonstrieren in der Hauptstadt Rabat gegen Kürzungen im Bildungswesen. (picture-alliance Abdelhak Senna)Tausende Marokkaner demonstrieren gegen Kürzungen im Bildungswesen. (picture-alliance Abdelhak Senna)

Unzufriedene Akademiker waren jahrzehntelang eher die Klientel einer linken, außerparlamentarischen Fundamentalopposition. Bis in den 1980er-Jahren der Islamismus von sich reden machte und auch in Marokko ein entsprechender Ableger entstand: Die Bewegung eines Scheichs namens Yassin.

Um der Konkurrenz durch linke Umstürzler und marokkanische Islamisten entgegenzuwirken, fachte der damalige König Hassan II ein religiöses Gegenfeuer an. Er versuchte den Protest sozusagen rechts zu überholen, indem er die Gründung von Koranschulen unterstützte, an denen erzkonservative Prediger aus Saudi Arabien, den Golfstaaten oder Ägypten um Gefolgsleute warben. Denn anders als die marokkanischen Islamisten, gaben sich diese Wahabiten unpolitisch.

Obwohl in Marokko der König traditionell das Monopol auf die Religion hat, wurde bald darauf auch eine islamistische Partei zugelassen: Die PJD, die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung. Ihre Zulassung erkaufte sie sich mit einem Treue-Bekenntnis zur Monarchie. Aber das sei reine Taktik, meint Achmed Assid, einer der streitbarsten marokkanischen Intellektuellen.

"Das wahre Ziel der PJD ist es, zum islamischen Staat zurückzukehren, zum Scharia-Staat. Der Unterschied zwischen den in Anführungsstrichen Moderaten und den Fanatikern sei lediglich: die einen wollten jetzt und mit Waffengewalt dorthin. Der PJD-Chef Benkirane sagt ihnen: Nur Geduld, wir werden dorthin kommen, aber durch Wahlen und Schritt für Schritt.

"Wir müssen den Islam unbedingt humanisieren"

Der Publizist und Menschenrechtsaktivist hat sich dank seiner Bücher und öffentlichen Auftritte zum profilierten Kritiker der Islamisten entwickelt. Dabei gäbe es eine Lösung, meint Assid, um Marokko zu demokratisieren und gleichzeitig den religiösen Eiferern das Wasser abzugraben.

"Wir müssen den Islam unbedingt humanisieren. Die Widersprüche auflösen, und zwar durch eine Neulektüre der Texte."

Wegen Thesen wie dieser wetterten wahabitische Prediger in Videos gegen Achmed Assid und bezeichneten ihn als Abtrünnigen. Marokkanische Anhänger der Terrororganisation IS planten, ihn zu ermorden, wurden aber im letzten Moment von der Polizei verhaftet.

Anhand eines Falles wie seinem zeigt sich das Kernproblem Marokkos. Es liegt weniger darin, dass dort nach wie vor Zentren radikalislamischer wahabitischer Prediger aktiv sind. Davon gibt es in Europa noch viel mehr. Aber in Marokko gibt es einen Führer der Gläubigen, den König. Und der bietet keine Alternativen an; setzt sich nicht offensiv für einen modernen und aufgeklärten Islam ein.

"Ihm geht es nur um ein Gleichgewicht der Macht, ständig tariert er zwischen Traditionalisten und Modernisten aus. Wenn die Forderung nach Demokratie laut wird, benutzt er die Konservativen, um gegenzusteuern, wenn die religiöse Gewalt, der religiöse Einfluss wächst, benutzt er die Modernisten, um gegenzusteuern."

Genauso instrumentalisiere auch die islamistische PJD die Monarchie.

"Wenn die PJD es schafft, eine konservative Gesellschaft zu erhalten, in der die Männer die Chefs sind und die Frauen geschlagen werden, dann ist das genau die Gesellschaft, die sie immer wieder wählen wird. Ein Ziel vereint aber PJD und Staatsmacht: Sie brauchen beide nichts als Untertanen."

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