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StartseiteForschung aktuellDas Gute an der Gentechnik27.02.2019

Martin Moder: "Genpool Party"Das Gute an der Gentechnik

Der Molekulargenetiker Martin Moder räumt in seinem Buch "Genpool Party" mit Vorurteilen rund um die Gentechnik auf. Und trotz Kalauern wie dem, dass Terroristen die todbringenden Möglichkeiten der Biotechnologie bislang kaum genutzt hätten, dringt Moder zum Kern der Debatte vor.

Von Michael Lange

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"Science Busters - Wer nichts weiß muss alles glauben", "Küsse und Vögel." Im Bild: Martin Moder (dpa / www.picturedesk.com / ORF / Hubert Mican)
Martin Moder ist auch Komiker bei den Science Buster (dpa / www.picturedesk.com / ORF / Hubert Mican)
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Um die Genetik des Menschen ranken sich zahlreiche Mythen. Es wird Zeit, dass einer aufräumt. Martin Moder, Molekulargenetiker aus Wien und Mitglied der Komikertruppe Science Busters, spricht Klartext in seinem Buch "Genpool Party: wie Wissenschaft uns stärker, schlauer und weniger unausstehlich macht".

"Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die grundlegende Veränderung unserer Biologie erstmals in Reichweite ist."

Intelligenz und körperliche Kraft sind zu einem erheblichen Teil biologisch vererbt und damit für einen Genetiker mit dem richtigen Handwerkszeug beeinflussbar. Einige Wissenschaftler haben sogar schon damit begonnen, wie seit November letzten Jahres ein genmanipuliertes Zwillingspärchen aus China beweist.

"Der Fall hat endgültig gezeigt, dass Eltern, die ihre Nachkommen genetisch verändern möchten, jemanden finden, der bereit ist, das zu tun, und dass es sich dabei nicht um ein Großprojekt etablierter Forschungseinrichtungen handeln muss. Ein kleines Team von Wissenschaftlern, das auf eigene Faust handelt, reicht völlig aus."

Es gibt viel Gutes, was Gentechniker für die Menschheit tun könnten

Der Wunsch nach Optimierung steckt im Menschen drin. Dumm nur, dass es viel einfacher ist, im Erbgut Schaden anzurichten, als das Erbmaterial zu verbessen, auch wenn wir das gerne anders sehen.

"Nicht umsonst sind Filme erfolgreicher, bei denen der Protagonist nach dem Reaktorunfall Superkräfte bekommt, als solche, bei denen er mit Verdacht auf Basalzellkarzinom verunsichert im Wartezimmer des Allgemeinen Krankenhauses Wien landet."

Zum Glück werden die todbringenden Möglichkeiten der Biotechnologie von Terroristen bisher kaum genutzt. Dabei gäbe es Potenzial.

"Bei Terroristen denken wir nur selten an Akademiker. Doch Osama bin Laden hatte einen Universitätsabschluss, da werden sich doch ein paar Schurken finden, die sich für die wunderbare Welt der Virensynthese begeistern lassen."

Und trotzdem: Es gibt viel Gutes, was Gentechniker für die Menschheit tun könnten, schreibt Martin Moder. Und dabei meint er nicht nur die Heilung von Krankheiten. Sogar komplizierte Persönlichkeitsmerkmale wie Intelligenz lassen sich mit gezielten Schnitten ins Erbgut manipulieren und letztlich optimieren. Das sei doch nichts Böses, meint er: Intelligenz sei schließlich der Dummheit vorzuziehen.

Während andere Spezialisten sich hinter Floskeln verstecken, spricht der Wiener Hofnarr offen aus, was Sache ist in der Wissenschaft. Hinter flapsigen Plaudereien kommt der Kern der Debatte zum Vorschein.

Zielgruppe

Lesestoff für Neugierige, die bereit sind, sicher geglaubtes Wissen infrage zu stellen.

Erkenntnisgewinn

Die Genetik wird unweigerlich Einfluss auf unser Leben nehmen. Irgendwann werden wir dann stärker und schlauer sein, aber wohl kaum weniger unausstehlich.

Spaßfaktor

So mancher Lacher bleibt im Halse stecken. Ein echter Science Buster.

Genpool Party. Wie die Wissenschaft uns stärker, schlauer und weniger unausstehlich macht, Von Markus Moder, Europameister im Science Slam. Erschienen als Taschenbuch bei Hanser. 208 Seiten für 19,00 Euro.

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