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StartseiteAndruck - Das Magazin für Politische LiteraturDen Opfern eine Stimme geben 26.10.2020

Massenvergewaltigung als Kriegsstrategie Den Opfern eine Stimme geben

Vergewaltigungen im Krieg - eingesetzt als Waffe, um die feindliche Seite zu erniedrigen, zu zerstören. Darüber schreibt die britische Journalistin Christina Lamb in "Unsere Körper sind euer Schlachtfeld". Sie lässt die Betroffenen zu Wort kommen.

Martina Wehlte im Gespräch mit Catrin Stövesand

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Buchcover: Christina Lamb - "Unsere Körper sind euer Schlachtfeld", im Hintergrund aufsteigender Rauch in einem zerstörten Gebäude (Buchcover: Penguin Verlag)
Christina Lamb hat in ihrem Buch Berichte von Frauen gesammelt, die hinter den Kriegsfronten Gewalt erlebten (Buchcover: Penguin Verlag)
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So drastisch wie der Titel "Unsere Körper sind euer Schlachtfeld", so verstörend sind die Fälle, die Christina Lamb in ihrem Buch zusammengetragen hat. Es sprechen Frauen, die Sex-Sklavinnen von IS-Kämpfern waren, die von einem Mann zum nächsten verkauft wurden. Wir erfahren von Massenvergewaltigungen im Bosnien-Krieg und von den "Trostfrauen" auf den Philippinen, die von japanischen Soldaten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs missbraucht wurden.

Christina Lamb hat Frauen besucht und sie zum Sprechern gebracht. Anhand der Einzelschicksale legt sie die entsetzliche Tradition dar, Vergewaltigung als Waffe einzusetzen, als Teil der Kriegsstrategie, als Teil eines Genozids. Die Autorin beschreibt Geschehnisse aus Ruanda, Nigeria oder Kolumbien genauso wie aus Europa im und nach dem Zweiten Weltkrieg.

  (picture-alliance / dpa / epa Kim Ludbrook) (picture-alliance / dpa / epa Kim Ludbrook)Systematische Vergewaltigungen im Krieg - Gedemütigt, erniedrigt, beschämt
Vergewaltigungen gab und gibt es in jedem Krieg. Sie werden als Kriegswaffe eingesetzt, um Frauen wie Männer zu erniedrigen und ganze Gemeinschaften zu zerstören. Sexualisierte Kriegsgewalt wurde auch lange von der Wissenschaft ignoriert.

Diese Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit würden nicht nennenswert strafrechtlich verfolgt, schreibt Lamb. Auch vor dem Internationalen Strafgerichtshof "hat es enttäuschend wenige erfolgreiche Strafverfolgungen gegeben".*

Die Autorin war lange Zeit als Auslandskorrespondentin tätig und ist seit mehreren Jahren Kriegsberichterstatterin. Ihr fiel auf, dass ihre männlichen Kollegen selten über das Geschehen hinter den Fronten berichteten. Beim Blick darauf stieß sie immer wieder auf Informationen über immense Gewalt gegen Frauen.

Christina Lamb: "Unsere Körper sind euer Schlachtfeld. Frauen, Krieg und Gewalt",
Penguin Verlag, 446 Seiten, 24 Euro.

*An dieser Stelle wurde der Name der Institution korrigiert.

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