Samstag, 02. Juli 2022

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Mazedonien
Verzweifelte Szenen an der Grenze

Vom mazedonischen Bahnhof in Gevgelija fahren täglich Züge nach Serbien. Viele Flüchtlinge setzen alles daran, einen dieser Züge zu bekommen. Die mazedonische Armee versucht wiederum, die Migranten mit Stacheldraht zu stoppen. Jetzt haben Hunderte Flüchtlinge die Absperrung durchbrochen. Es sind dramatische Szenen, die die Helfer vor Ort erleben.

Von Stephan Ozsváth | 22.08.2015

Sanitäter helfen einem kollabierten Mann an der Grenze zu Mazedonien.
Sanitäter helfen einem kollabierten Mann an der Grenze zu Mazedonien. (dpa / picture alliance / Georgi Licovski)
Gevgelija, Südost-Mazedonien. Über die Bahnstrecke Belgrad-Thessaloniki hat die mazedonische Armee Stacheldraht gezogen. Mit Schlagstöcken versucht sie, Hunderte Flüchtlinge aufzuhalten, die im Niemandsland im Schlamm ausharren, denn in der Nacht hat es geregnet. Manche Familien lässt die Polizei durch.
Eine Gruppe junger Syrer aus Rakka kommt uns auf dem Bahndamm entgegen. Die junge Mutter ist völlig aufgelöst. Ihr Kind ist im Chaos auf der anderen Seite des Stacheldraht-Zauns in Griechenland zurückgeblieben.
Alexandra Krause vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen kennt solche Szenen. Während wir sprechen, muss sie mit ansehen, wie Rot-Kreuz-Helfer eine kollabierte Frau im Gras versorgen.
Später sehen wir die junge Familie aus Rakka auf dem Bahndamm wieder vereint. Hunderte suchen sich da schon einen Weg – vorbei am Stacheldrahtverhau. Die Polizei versucht, sie mit einem Jeep aufzuhalten. Ein paar Mal knallen Blendgranaten. Vergeblich. Die Menschen laufen weiter. Über die verdorrten Felder stoßen sie wieder zu den anderen auf dem Bahndamm. Hamdulilah – Gott sei dank, murmeln viele, manche weinen, eine Frau blutet am Fuß – die Wunde hat ihr der Stacheldraht zugefügt.
Eine Familie schart sich um einen jungen Mann, der nicht mehr weiter kann. Er muss am Stock gehen, hält sich ein Bein. Er sei geschlagen worden, geben sie zu verstehen. Warum?, fragen sie.
Am Donnerstag hatte die Regierung in Skopje beschlossen, die Grenze mit Polizei und Armee abzuriegeln. Täglich drängen 2.000 Flüchtlinge nach Mazedonien, Griechenland lässt sie passieren.