Samstag, 02. Juli 2022

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Medienrummel um Seawatch-Kapitänin
Seenotrettung mit Heldinnengeschichte

Seenotrettung bekommt wieder Aufmerksamkeit - auch weil sich das Thema anhand der Seawatch-Kapitänin Carola Rackete gut erzählen lasse, sagte der Medienethiker Alexander Filipovic. Medien bräuchten Heldinnen und Helden, an denen Geschichten erzählt werden könnten. Denn diese Geschichten kämen an.

Alexander Filipovic im Gespräch mit Mirjam Kid | 02.07.2019

Kapitänin Carola Rackete steht auf der Brücke ihres Schiffes und lächelt in die Kamera. Dahinter unscharf ein Mann.
Carola Rackete, Kapitänin der "Sea Watch 3" (AP / Matteo Guidelli)
Die Geschichte einer Heldin, die gegen den Widerstand von Behörden Flüchtlinge rettet, die Geschichte einer starken unabhängige Frau, die das Heft in die Hand nimmt oder die Geschichte der Kapitänin auf der einen Seite und dem "Macho in Italien" auf der anderen - der Seawatch-Kapitänin Carola Rackete komme gerade so viel Aufmerksamkeit zu, weil sich an ihrer Person mehrere Geschichten gut erzählen ließen, meint Medienethiker Alexander Filipovic, Medienethiker an der Hochschule für Philosophie in München. Zudem treffe das Thema auf eine ohnehin aufgeheizte und polarisierte Debatte.
"Journalistinnen und Journalisten selektieren Geschichten und positionieren sie entsprechend, weil sie denken, damit Aufmerksamkeit zu bekommen", sagte Filipovic im Gespräch mit @mediasres: "Es braucht natürlich Figuren und Heldinnen und Helden, an denen die Geschichten erzählt werden. Die kommen an und die liest man auch, die nimmt man zur Kenntnis."
Dafür würde er Journalistinnen und Journalisten auch nicht kritisieren, meint Filipovic. So funktioniere öffentliche Kommunikation.
"Die anderen Geschichten, wo es um Leid oder Todesgefahr geht, das rückt uns ans Herz und ist nicht angenehm andauernd auszuhalten."
Die Schwierigkeit der Bildauswahl
Es sei aber wichtig, dass auch diese Themen erzählt würden. Sie kämen in den Medien auch vor, seien aber schwierig zu recherchieren - und teils auch schwierig zu bebildern:
"Wenn man Bilder von Flüchtlingen macht, gibt es immer die Schwierigkeit: Mach man es zu dramatisch? Kann man nicht auch mal Szenen zeigen, wo vielleicht auch mal ein glücklicher Moment auf so einem Flüchtlingsschiff ist? Und die gibt es, garantiert."
Diese Schwierigkeit der Bildauswahl ist für Filipovic immens. Nur durch eine Pluralität von Bildern, die uns erreicht, könne sich so etwas wie ein Bild der Wirklichkeit ergeben - dass die Rezipienten dann wieder reflektieren müssten.