Nach Rücktritt des Unionsfraktionschefs
Merz will Spahns Nachfolge wohl schon bald klären

Bundeskanzler Merz will die Nachfolge des zurückgetretenen Unionsfraktionschefs Spahn offenbar noch bis zum Ende des Monats klären. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld des CDU-Vorsitzenden erfuhr, werden derzeit noch mehrere Optionen abgewogen. Der Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag wird traditionell von den beiden Parteichefs von CDU und CSU vorgeschlagen.

    Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprechen miteinander.
    Wer wird Nachfolger von Jens Spahn? Offenbar will der Bundeskanzler die Nachfolge noch in diesem Monat regeln. (picture alliance / dts-Agentur / -)
    Wie es weiter heißt, wollten diese über das Wochenende im Gespräch bleiben. Ein Treffen sei aber nicht geplant. Zuvor hatte das Magazin "Spiegel" über den weiteren Zeitplan berichtet. Am Montagvormittag tagt das CDU-Präsidium. Ob Merz dann bereits einen Vorschlag präsentieren kann, ist unklar. Gewählt wird der neue Vorsitzende von der Fraktion. Auch eine Sondersitzung in der Sommerpause ist möglich.

    "Persönliches Glück nicht vereinbar mit politischem Amt"

    Zuvor hatte Spahn nach fortwährenden Diskussionen um seine Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA die Konsequenzen gezogen und war von seinem Posten zurückgetreten. In einem Schreiben Spahns an die Fraktion, das auch dem Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio vorliegt, heißt es, sein persönliches Glück, gemeinsam mit seinem Mann eine Familie zu gründen, sei nicht vereinbar mit seinem politischen Amt. Weiter heißt es, der Spagat zwischen seiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion sei "größer geworden, als ich es erwartet hatte". Er betonte, die "zunehmende Unerbittlichkeit" in der öffentlichen Auseinandersetzung habe ihn sehr nachdenklich gemacht.

    Respektsbekundungen in der Koalition

    Der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Merz bezeichnete den Rücktritt als richtig und unvermeidlich. "Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut", teilte Merz in einer Erklärung mit. CSU-Landesgruppenchef Hoffmann sagte, Spahns Entscheidung verdiene allerhöchsten Respekt. Zugleich kündigte er an, dass er selbst bis zur Wahl eines neuen Fraktionsvorsitzenden die Amtsgeschäfte übernehmen werde. "Die Fraktion bleibt entscheidungs- und handlungsfähig."
    Auch SPD-Fraktionschef Miersch äußerte Respekt und fügte hinzu: "Wir haben in der Koalition sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet." Auch der CSU-Vorsitzende Söder bekundete Respekt: "Ich danke Jens Spahn für die sehr gute Zusammenarbeit, gerade in schwierigen Zeiten".

    Deutliche Worte aus der Opposition

    Grünen-Kochefin Brantner sagte der "Rheinischen Post": "Der Rücktritt war überfällig – auch wenn dies nur der letzte Tropfen auf einem ohnehin heißen Stein war." Privat wünsche sie Spahn dennoch alles Gute. Der Kovorsitzende der Linken, Pantisano, nannte den Schritt "längst überfällig". Ebenfalls der "Rheinischen Post" sagte er: "Eigentlich hätte er schon nach der Maskenaffäre gehen müssen." Der FDP-Vorsitzende Kubicki warf der CDU generelle Probleme beim Umgang mit moralischen Fragen vor und sprach von einem "weiteren moralischen Tiefpunkt" der Partei. Er spielte damit auch auf die Vorgänge um Berlins scheidenden Regierenden Bürgermeister Wegner an. Kubicki ergänzte: "Schade, dass Jens Spahn nicht erklärt hat, auf Grund eigener Erfahrungen seine Haltung zur Leihmutterschaft geändert zu haben."

    Druck war stetig gewachsen

    Der Druck auf Spahn war in den vergangenen beiden Tagen stetig gewachsen. Zunächst hatte die Schatzmeisterin der Frauen-Union, Rosin, seinen Rücktritt gefordert, später dann auch der Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Peters, und der CDU-Politiker Bosbach. Bosbach sagte noch vor dem Rücktritt im Deutschlandfunk, es sei "hochproblematisch", wenn der Eindruck entstehe, dass für Politiker andere Regeln gelten.

    CDU-Parteitag war gegen Legalisierung in Deutschland

    Spahn und sein Mann waren mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden. Leihmutterschaften sind in Deutschland nicht zulässig. Die CDU hatte sich zuletzt im Februar gegen eine Legalisierung ausgesprochen, auch Spahn selbst war als Minister in der Vergangenheit dagegen.

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    Diese Nachricht wurde am 18.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.