
Merz sagte nach der offiziellen Übergabe des Berichts in Berlin, man könne es sich nicht erlauben, einzelne Vorhaben herauszunehmen oder abzulehnen. Die Rentenkommission hatte zuvor einen Katalog mit 33 Empfehlungen vorgelegt. Sie sehen unter anderem vor, dass das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt wird und langsam steigen soll. Zudem soll das System durch eine staatliche kapitalgedeckte Vorsorge gestärkt werden.
Die Vorschläge waren bereits vor einigen Tagen bekannt geworden und in der Politik sowie bei Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften auf viel Kritik, teils aber auch auf Zustimmung gestoßen.
Merz und Miersch: "Ausbalancierter Vorschlag"
Merz sprach von einem "ausbalancierten" Vorschlag. Er sichere langfristig die Rente und verteile die Lasten gerecht auf alle Beteiligten. Die gesetzliche Rente bleibe mit der Reform die zentrale Säule der Altersvorsorge und nehme die Last von den Schultern der jüngeren Generation.
Zentral sei, dass das Paket der Kommission vollumfänglich umgesetzt werde, da die Vorschläge ineinandergriffen und aufeinander aufbauten, erklärte der CDU-Vorsitzende. Auch SPD-Fraktionschef Miersch warnte, wer an einer Stelle etwas verändern wolle, müsse wissen, dass es dann auch an anderen Stellen Veränderungen gebe.
Bas: "Freue mich auf anstehende Diskussionen"
Ähnlich äußerte sich Arbeitsministerin Bas, ebenfalls SPD: Es gebe jetzt kein Rosinenpicken bei den Expertenvorschlägen, sondern diese seien ein "Gesamtkunstwerk". Man könne nicht das eine oder andere weglassen, sondern man müsse den Mut aufbringen, ob man das in der Gesamtheit umsetzen wolle oder ob man es nicht wolle, sagte Bas. Sie jedenfalls wolle dieses Paket umsetzen. Sie freue sich auf die anstehenden Diskussionen.
Mehr Rente für Durchschnittsverdiener
Die Rentenkommission erhofft sich von ihrem Vorschlag einer Kapitalrente langfristig ein deutliches Plus für die Versicherten. Kommissionsmitglied Tabea Bucher-Koenen sagte dem Magazin "Der Spiegel", der sogenannte Eckrentner könnte im Mittel nach 20 Jahren Ansparzeitraum in der Kapitalrente auf 150 Euro mehr Rente monatlich kommen. Nach 45 Jahren wären es 770 Euro mehr, erklärte die Wirtschaftswissenschaftlerin.
Der sogenannte Eckrentner ist eine Bezugsgröße in Rentendebatten: Darunter wird ein fiktiver Rentner verstanden, der 45 Jahre gearbeitet und immer genau das Durchschnittseinkommen verdient hat. Seine Bruttorente liegt nach der im Juli wirksamen Rentenerhöhung bei 1.913,40 Euro.
Eintrittsalter soll steigen
Laut den Empfehlungensoll das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden und langsam steigen - ab 2042 alle zehn Jahre um ein halbes Jahr. Zudem soll das Rentensystem durch eine staatliche kapitalgedeckte Vorsorge gestärkt werden. Die Beiträge sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils hälftig tragen.
Um die Ausgaben der gesetzlichen Rente zu dämpfen, sollen Optionen für einen vorzeitigen Eintritt eingeschränkt werden. So soll etwa die abschlagsfreie sogenannte "Rente ab 63" entfallen. Zur Stabilisierung sollen zudem zeitnah auch Politiker und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen.
Kritik aus verschiedenen Richtungen
Bereits vor der Vorstellung der Reformvorschläge gab es viel Kritik. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Kaiser, warnte, besonders für die Menschen in Ostdeutschland dürfe es keine Absenkung des aktuellen Rentenniveaus ab 2031 geben. Andernfalls drohe vielen Ruheständlern die Armut.
Die stellvertretende SPD-Fraktionvorsitzende im Bundestag, Schmidt, sagte im Deutschlandfunk, die Vorschläge der Kommission seien keine Gesetzesvorlage, die man unkritisch übernehmen werde. Einzelne Punkte müssten in der Koalition noch diskutiert werden.
Der Hotel- und Gaststättenverband warnte vor der geplanten Abschaffung der Minijobs. Der Präsident des Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Haumann, sagte der "Rheinischen Post", der Vorstoß gehe an der betrieblichen Realität vorbei und wäre für das Gastgewerbe eine Katastrophe. Allein hier gebe es rund 1,1 Millionen geringfügig Beschäftigte.
Dagegen begrüßte die Ökonomin Grimm den Vorschlag. Das Mitglied im Wirtschafts-Sachverständigenrat sagte derselben Zeitung, eine Abschaffung würde vor allem die Arbeitsanreize für Geringverdiener massiv erhöhen.
Diese Nachricht wurde am 23.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.









