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StartseiteSprechstunde"Veränderungen der Darmflora haben Einfluss auf Organe"21.05.2019

Mikrobiom"Veränderungen der Darmflora haben Einfluss auf Organe"

Um Energie aufzunehmen, braucht der Körper Bakterien. Diese haben sich im Darm angesiedelt und sind für den Menschen lebenswichtig, sagte der Gastroenterologe Christian Trautwein im Dlf. Wenn das Gleichgewicht dieser Darmflora gestört sei, könne es zu Krankheiten kommen - im gesamten Körper.

Christian Trautwein im Gespräch mit Carsten Schroeder

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Bakterien der Art Enterococcus faecalis können freie Elektronen untereinander austauschen (imago stock&people)
Bakterien der Art Enterococcus faecalis gehören zur menschlichen Darmflora und können schwere Harnwegsinfekte auslösen. (imago stock&people)
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Welchen Einfluss hat das Mikrobiom, also die Darmflora auf die Gesundheit und welche Rolle spielt es bei der Entstehung von Krankheiten? Laut Prof. Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin des Universitätsklinikums der RWTH Aachen, eine Menge. "Proteine, also Eiweiße, Fette und Aminosäuren werden über die Bakterien aufgenommen und über die Leber im Körper verteilt. Diese Symbiose ist lebenswichtig für uns, extrem positiv, ohne dies würden wir nicht leben", sagte Trautwein im Dlf. 

Wenn dieses Gleichgewicht zwischen Körper und Darmflora gestört sei, könne es zu Erkrankungen kommen. Nicht nur Darmkrankheiten seien davon betroffen, sondern auch andere Krankheiten. "Veränderungen der Darmflora haben unmittelbaren Einfluss auf andere Organe", also den gesamten Körper. Klassisch seien Infektionen, auch Würmer könnten eindringen. "Wenn sich das Darmmikrobiom verändert, müssen wir reagieren und Therapien haben." Wenn etwa die Vielzahl der Keime, die in der Darmflora sind, gestört sei, könnten andere Erkrankungen darüber getriggert werden. 

Stuhl-Transplantation funktioniert gut

Im Fokus stehe immer die Interaktion mit der Leber. Wenn die Leber vernarbt sei, sei sicher, dass die Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend verstoffwechselt werden könnten, erklärte Trautwein. "Dann kommt es zu einer Beeinträchtigung der Hirnfunktion. Dem muss man entgegentreten, indem man die giftigen Produkte, die von den Bakterien produziert werden, reduziert." Das sei ein altes Therapiekonzept, das es seit 20 Jahren gebe. Es gebe im Moment aber noch keinen sicheren Hinweis, welches Bakterium man geben könne, um die Darmflora wieder aufzubauen.

Als eine besondere Therapie gilt der fäkalen Mikrobiota-Transfer oder die Stuhl-Transplantation. Dabei wird der Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm eines erkrankten Patienten übertragen. Auf diese Weise wird die Bakterienvielfalt im Darm wieder aufgebaut. "Diese Methode ist mittlerweile sehr weit", sagte der Gastroenterologe. Man könne sie einsetzen, wenn eine bestimmte bakterielle Infektion zu finden sei - etwa bei Patienten, die mehrmals eine Antibiotika-Therapie bekommen hätten. "Dann selektioniert sich der Keim im Bereich des Stuhles." Diesen könne man mit einer Stuhl-Transplantation sehr effektiv therapieren. "Das ist in Studien gesichert, da weiß man, dass die Stuhl-Transplantation bei diesen Patienten gut funktioniert."

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