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StartseiteEine WeltSelbst das Essen wird knapp04.05.2019

Mosambik nach ZyklonSelbst das Essen wird knapp

Erneut hat ein Zyklon in Mosambik gewütet: Durch Wirbelsturm „Kenneth“ verloren 41 Menschen ihr Leben, 200.000 Menschen haben nach UN-Angaben Teile ihres Eigentums verloren. Die Ernten sind schwer beschädigt. Am härtesten traf es die Insel Ibo - fast allen ihrer Bewohner wurde die Existenz genommen.

Von Adrian Kriesch

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Luftaufnahme von Fischerbooten, die vom Zyklon "Kenneth" abgetrieben wurden. (Adrian Kriesch/ Deutschlandradio)
Vor der Insel Ibo in Mosambik liegen zerstörte Boote. Durch den Zyklon "Kenneth" haben viele Fischer ihre Existenzgrundlage verloren. (Adrian Kriesch/ Deutschlandradio)
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Shamu Raki wirft mit ihren Kindern Steine auf einen großen Berg – es waren mal die Mauern ihres Hauses. Die gesamte Nachbarschaft auf der Insel Ibo sieht aus, als ob ein Bulldozer darüber gerollt ist. Fast alle Häuser hier wurden beschädigt oder zerstört. Palmen sind umgefallen wie Zahnstocher. Seit Tagen versucht Shamu Raki Ordnung ins Chaos zu bringen.

"Unsere Betten, unsere Kleidung – alles ist verloren. Wir versuchen irgendwie wieder aufzuräumen. Immerhin scheint heute die Sonne – so können wir endlich unsere verbleibenden Sachen trocknen." 

Seit dem Zyklon hat es fast täglich geregnet – jetzt kann sie ein paar Tücher auf den Trümmern ausbreiten. Die Nacht verbringt die Mutter unter einem provisorischen Dach. Ein einziges Bett konnten sie retten – dort schläft sie nun gemeinsam mit ihren sieben Kindern. Ein Teil ihres Hauses steht noch. Raki führt uns durch die Zimmer: das Dach ist abgerissen, die Wände teilweise eingestürzt. Hier kann niemand mehr sicher wohnen.

Shamu Raki und ihre Kinder stehen vor den Trümmern ihres Hauses. Der Zyklon "Kenneth" hat der Familie fast alles genommen. (Adrian Kriesch/ Deutschlandradio)Shamu Raki und ihre Kinder stehen vor den Trümmern ihres Hauses. Der Zyklon "Kenneth" hat der Familie fast alles genommen. (Adrian Kriesch/ Deutschlandradio)

"Der Wind war so unfassbar stark – hat alles weggerissen. Wir haben alles verloren. Ich weiß nicht, ob wir irgendwelche Hilfe bekommen werden. Aber wir haben nichts mehr. Ich habe keine Arbeit, unser Feld ist auch zerstört. Ich bin alleinerziehend, muss mich um meine Kinder kümmern. Und um meine alten Eltern, meine Mutter ist krank. Wir müssen jetzt versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen."

Zahl der Toten droht zu steigen

Mehr als 40 Menschen sind bei dem jüngsten Zyklon in Mosambik ums Leben gekommen. Die Zahl droht noch zu steigen, viele Gebiete können noch immer nicht erreicht werden. Insgesamt haben nach UN-Angaben 200.000 Menschen im Land zumindest Teile ihres Eigentums verloren.

Fast allen der 6.000 Bewohner auf der Insel Ibo wurde die Existenz genommen. Die Maisfelder sind zerstört, teilweise überflutet. Die meisten Menschen hier waren Fischer – doch viele Boote hat der Sturm weggespült. Die Mangroven wurden ebenfalls zerstört, die Fische vertrieben – beklagt Yusuf Abedi. Der Fischer werkelt gerade an seinem kaputten Boot.

"Der Sturm hat mein Boot weit rausgetrieben. Erst vor zwei Tagen habe ich es mit Freunden gefunden und zurück hier an den Strand gebracht. Jetzt versuche ich es wieder zusammenzuflicken – hoffentlich kann ich bald wieder damit raus, fischen gehen."

"Es muss halt weitergehen"

Gleich neben dem Strand steht das Hotel Miti Miwiri. Davor liegen umgestürzte Mango-Bäume, eine Palme ist aufs Dach gestürzt. Im Hof kümmert sich der deutsche Besitzer Jörg Salzer mit seinen Mitarbeitern um die Aufräumarbeiten.

"Der Tourismus wird für die nächsten Monate wahrscheinlich flachliegen. Ich stehe selber noch ein bisschen unter Schock. Ich versuche aber so gut wie möglich meinen Leuten zu vermitteln: Es muss halt weitergehen. Mein privates Haus ist auch eingestürzt, ich habe eigentlich kaum noch Klamotten."

Immerhin: Am Mittwoch haben es Salzer und seine Kollegen geschafft, per Satellit das Champions-League-Halbfinale zu übertragen – das sei gut für die Moral. Und: er hat noch ein Lager mit Lebensmitteln, mit denen er seine Mitarbeiter versorgt.

Für Shamu Raki und ihren Kindern hingegen wird das Essen wie für viele hier knapp: Sie haben nur noch etwas Obst und Gemüse, es reicht gerade noch für eine Mahlzeit am Tag. Die Mutter versucht trotzdem optimistisch zu bleiben. Ihre Kinder sollen wissen: es geht weiter, irgendwie.

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